HANNOVER. Die niedersächsische Wirtschaft läuft laut der IHK-Konjunkturumfrage rund. „Die Lage ist gut, Investitionen und Beschäftigung wachsen und die Aussichten sind positiv. Der wachsende Welthandel sorgt für steigende Exporte, die Unsicherheiten sind auch aufgrund der Ergebnisse des G20-Gipfels in den Hintergrund getreten. Allein der Einzelhandel hinkt hinterher“, so Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen.

Der IHK-Konjunktur­klimaindikator für das zweite Quartal 2017 stieg aufgrund der weiter verbesserten aktuellen Geschäftslage um zwei auf 120 (Vorquartal: 118) Punkte. Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern bei nahezu 1.700 Unternehmen.

Die gute Wirtschaftslage zeigt sich vor allem in der Zufriedenheit der Unternehmen mit der aktuellen Geschäftslage, die so gut ist, wie zuletzt im Jahr 2000. Über alle Branchen hinweg sind nur sieben Prozent (Vorquartal: 9%) der Unternehmen mit der Lage unzufrieden. 43 Pro­zent (Vorquartal: 37 %) beurteilen die aktuelle Lage als gut. Auch die Erwartungen an die kommenden Monate bleiben deutlich positiv.

Die gute Lage spiegelt sich auch in den Planungen der Unternehmen wider. Mit steigender Kapazitätsauslastung und Zuversicht bezüglich der Marktentwicklung haben die niedersächsi­schen Unternehmen ihre Investitions- und Beschäftigungsplanungen spürbar erhöht. 31 Prozent der Unternehmen wollen im Inland mehr investieren, 13 Prozent wollen ihre Investitionen kürzen. Dies sind die besten Umfragewerte seit Jahren. Parallel dazu haben die Unternehmen die Beschäftigungspläne weiter erhöht trotz der vielen Neueinstellungen der vergangenen Jahre. Allein seit 2010 sind in Niedersachsen über 400.000 Beschäftigungsverhältnisse neu entstanden und auch 2017 wird sich der Beschäftigungsaufbau fortsetzen.

Rund jedes zweite Unternehmen sieht im Fachkräftemangel und in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen Probleme für die weitere Geschäftsentwicklung. Hingegen wird die Auslandsnachfrage nur noch von 13 Prozent der Unternehmen als Risiko beurteilt.

Die Industrie berichtet für das zweite Quartal von einer weiter starken Entwicklung. Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland haben sich im Vergleich zum bereits guten Vorquartal nochmals erhöht. In der Umfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern hat der Auftragsbestand der Industrie den höchsten Stand seit der Deutschen Einheit erreicht. Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung bleiben damit positiv. Gute Umfragewerte kommen aufgrund des höheren Wachstumstempos der Weltwirtschaft vor allem von den Investitionsgüterhersteller (Maschinenbau, Elektrotechnik und Automotive).

Der Boom der Bauwirtschaft geht weiter, die aktuelle Lage erreicht ein historisches Hoch. Knapp zwei Drittel der Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut, nur drei Prozent sind nicht zufrieden. Dementsprechend gut werden die Auftragseingänge, die Auftragsreichweiten und nicht zuletzt auch die Ertragslage beurteilt. Engpassfaktor in der Bauwirtschaft sind derzeit eindeutig die Fachkräfte.

Der Einzelhandel beurteilt seine Geschäftslage nur leicht positiv. Für die kommenden Monate wird mit einer geringfügigen Abschwächung des Geschäfts gerechnet. Während die Bereiche Bekleidung und Unterhaltungselektronik eher optimistisch sind, rechnen die Händler bei Bau- und Heimwerkerbedarf, Möbel und Einrichtungsgegenständen sowie bei Schuhen und Lederwaren mit rückläufigen Umsätzen. Trotzdem bleibt die Inlandsnachfrage Motor der Wirtschaftsentwicklung in Niedersachsen.

Neben dem privaten Konsum gehören dazu auch die konsumtiven Ausgaben des Staates und die Nachfrage nach Immobilien. Eine zunehmende Inlandsnachfrage kann daher auch mit einem stagnierenden Einzelhandel einhergehen. Zudem hat das Marktvolumen des Internethandels in Deutschland mittlerweile die 50-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Das erklärt, warum trotz guter Wirtschaftsentwicklung im stationären Facheinzelhandel jedes fünfte Unternehmen mit seiner Situation nicht zufrieden ist.

Von anhaltend guten Geschäften berichtet der Großhandel. Sowohl der Produktionsverbindungshandel zur Industrie als auch die Konsumgüterhändler gehen von steigenden Umsätzen und einer positiven Geschäftsentwicklung aus.
In den vergangenen Monaten konnte das Verkehrsgewerbe einen kräftigen Schub verzeichnen. Die Geschäftslage im zweiten Quartal wurde von 38 Prozent (Vorquartal: 18%) als gut beurteilt, wobei gleichzeitig die negativen Beurteilungen zurückgingen. Auch die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung haben sich mit dem starken zweiten Quartal merklich erhöht.

Das Kreditgeschäft und die Geschäftslage der Banken bleiben zufriedenstellend. Die Banken haben sich zwar mittlerweile mit der Null-Zins-Problematik arrangiert. Trotzdem hoffen sie, dass diese Phase mit ihren negativen Auswirkungen schon nächstes Jahr zu Ende gehen könnte. Sehr zufrieden sind aktuell die Dienstleistungsunternehmen. Nur drei Prozent der Unternehmen sind mit ihrer Geschäftslage nicht zufrieden. Und die Erwartungen sind positiv: 42 Prozent der Dienstleister erwarten steigende Umsätze, während lediglich sechs Prozent mit Umsatzrückgängen rechnen.

Ausblick

Mit einer Rekordbeschäftigung, steigenden Löhnen, preiswertem Öl, niedrigen Zinsen sowie einem wettbewerbsfähigen Eurokurs sind die Rahmenbedingungen nach wie vor hervorragend. Zudem setzt sich die wirtschaftliche Erholung des Euroraumes fort und der Welthandelt belebt sich zusehends. Dies schlägt sich in einem hohen Auftragsbestand nieder, der die Investitionen steigen lässt und die Einstellungsabsichten deutlich erhöht. Kritisch sind hingegen die Auswirkungen des zunehmenden Fachkräftemangels zu sehen, die das Wachstum negativ beeinflussen. Zudem besteht weiterhin die Gefahr eines sich verstärkenden Protektionismus.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator gibt die Einschätzung der Unternehmen der gegenwärtigen und der erwarteten Geschäftslage wider.

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