HANNOVER. Auf Bundesebene hat die Regierungskoalition die Anhebung der Abschreibungsgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) auf den Weg gebracht. Statt jetzt 410 Euro sollen ab 2018 Anschaffungen bis zu einem Wert von 800 Euro sofort abgeschrieben werden können.

„Die GWG-Grenze wurde seit dem Jahr 1965 nicht mehr angehoben. Eine Anpassung ist längst überfällig“, so Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen (IHKN). „Der beabsichtigte Betrag bleibt allerdings deutlich hinter den Erwartungen der Wirtschaft zurück. Wenn man alleine die Preissteigerungsraten zugrunde legt, müsste die Grenze für die Sofortabziehbarkeit heute bei über 1.500 Euro liegen. Dies wäre die Anpassung des Steuerrechts an die Unternehmenswirklichkeit. Zudem beschleunigt auch der technische Fortschritt die Wertminderung vieler geringwertiger Wirtschaftsgüter.“

Aus Sicht der IHKN sprechen viele weitere Argumente für eine zeitnahe Anpassung:
- Viele Kleinstinvestitionen könnten sofort als steuerlicher Aufwand geltend gemacht werden und müssten nicht über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben werden.
- Die Betriebe würden von Aufzeichnungspflichten entlastet: Eine Ermittlung der Nutzungsdauer würde entfallen. Es müsste in vielen Fällen kein separates Anlageverzeichnis geführt werden.
- Eine Auseinandersetzung mit der Finanzverwaltung über Nutzungsdauer und etwaige Aktivierungspflicht von Wirtschaftsgütern entfiele.
- Der steuerliche Sofortabzug würde unmittelbar die Liquidität erhöhen. Diese stünde den Betrieben für Investitionen zur Verfügung.
- Die Steuerbelastung würde nicht über die gesamte Nutzungsdauer, sondern bereits im Jahr der Anschaffung gesenkt.
- Profitieren würden alle Unternehmen, da die Kosten für die Aufzeichnung und Administrierung sinken, vor allem aber kleine Betriebe, die nicht über eine Anlagenbuchhaltung verfügen.

„In diesem Zuge sollten auch die amtlichen AfA-Tabellen an die Realität angepasst werden“, ergänzt Arne Reinecker, Sprecher Steuern und öffentliche Finanzen der IHK Niedersachsen. „Eine fiktive Nutzungsdauer von beispielsweise fünf Jahren für Handys passt nicht mehr in die Zeit.“

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