HANNOVER/CELLE. Im Jahr 2005 hatte sich das IHK-Lager in Niedersachsen gespalten. Fünf Kammern kündigten die
Zusammenarbeit auf und arbeiteten daraufhin als Niedersächsische Industrie- und Handelskammer zusammen. Auf der anderen Seite standen die IHKs in Hannover und Braunschweig. Einen ähnlichen Streit hatte es in den 90er Jahren schon einmal gegeben. Jetzt wird wieder der Schulterschluss geübt.

Seit Januar arbeiten alle IHKs im Land in der neuen Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) zusammen. „Die Zusammenarbeit läuft noch nicht perfekt, aber das wäre ja auch verwunderlich“, sagte der neue Präsident Christian Hinsch auf einer Pressekonferenz in Hannover. Er sieht Synergieeffekte durch die neue Konstruktion. „Wir haben 17 Themenfelder untereinander aufgeteilt. Dadurch muss zum Beispiel die IHK Hannover nicht mehr unbedingt Kompetenzen vorhalten, die es in einer anderen Kammer bereits gibt“, erläuterte Hinsch. Mehrkosten gebe es nicht.

Die neue IHKN verfügt über drei Mitarbeiter und drei Hauptgeschäftsführer. Die vorherige NIHK-Hauptgeschäftsführerin
Susanne Schmitt wechselt in die Hauptgeschäftsführung der neuen Arbeitsgemeinschaft. Ihr zur Seite gestellt ist Horst Schrage, der auch weiterhin die IHK Hannover leiten wird. Der dritte Hauptgeschäftsführer soll jährlich in einem Rotationsverfahren besetzt werden; in diesem Jahr übernimmt der Chef der Oldenburgischen IHK, Joachim Peters. Auch der Präsident soll jedes Jahr wechseln. Im ersten Jahr übernimmt der Präsident der IHK Hannover, Christian Hinsch, das Amt. Man wolle die recht unterschiedlichen Kammer im Land in eine vernünftige Balance bringen und auch dafür Sorge tragen, dass die IHK Hannover nicht dominiere. „Wir freuen uns darüber, dass wir jetzt das Gemeinsame sehen.“

Hinsch nannte den Fachkräftemangel als zentrales Thema. „Ihn bewerten die Mitgliedsunternehmen als größtes Risiko. Deshalb muss die duale Ausbildung in der Gesellschaft positiv verankert werden.“ Hinsch, der auch Vorstandschef der HDI-Versicherung ist, sagte: „Gute Versicherungskaufleute haben bei uns bessere Karrierechancen als mittelmäßige Juristen.“ Die duale Berufsausbildung sei auch aus Sicht mancher Eltern „nichts Vernünftiges“. Viele wollten deshalb, dass ihre Kinder studieren. Daraus könne sich am Arbeitsmarkt aber eine schlechtere Perspektive ergeben als nach einer guten Ausbildung. Die Industrie- und Handelskammer will unter anderem zusammen mit der Landesregierung die Berufsorientierung an den Schulen stärken.

Der IHK-Präsident warnte auch vor zu viel Bürokratie. Jede neue Regelung habe ein sinnvolles Ziel wie das Informationsfreiheitsgesetz oder Gleichstellungsgesetz, führe aber häufig zu einem riesigen Bürokratieschub in Unternehmen. Es sei sehr schwierig, in der Frage mit der gesamten Landesregierung auf einen Nenner zu kommen, so Hinsch. „Im Wahlkampf wird immer wieder der Bürokratieabbau gepredigt. Am Ende der Legislaturperiode ist man sich dann nicht ganz einig, ob wirklich Bürokratie abgebaut oder das Gegenteil erreicht wurde – alles immer mit guten Gründen.“

Quelle: rundblick-niedersachsen.de

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