Im Dialog mit Eberhard Schlotter – Wettbewerb zu Ehren des 100. Geburtstages

Kunst Von Anke Schlicht | am Mo., 03.05.2021 - 08:37

CELLE. „So fühlte ich mich wohl darin, in die große Welt Eberhard Schlotters einzutauchen und seine Gedanken und Geschichten zu erkunden und zu begreifen.“ Mit diesen Worten beschrieb Ilsabé Prinzhorn ihr Empfinden während sie an einem Wettbewerb teilnahm, den es so im Celler Kunstgeschehen noch nie gegeben hat. „Das wirklich Neue ist, dass Künstler vor Ort daran beteiligt werden“, sagte die Leiterin der Eberhard-Schlotter-Stiftung Dietrun Otten im jüngsten Kulturausschuss bei der Vorstellung der zwei großen Jubiläums-Projekte, die Corona-bedingt verschoben werden müssen.

Eine Aktion zu Ehren des 100. Geburtstages des am 3. Juni 1921 in Hildesheim geborenen Malers und Grafikers kann jedoch stattfinden. Sie ist das Ergebnis eines Aufrufs, den Otten im vergangenen Jahr startete. Sie lud Künstler aus Stadt und Landkreis dazu ein, sich auseinanderzusetzen mit dem Werk Schlotters, das in einem Depot des Bomann-Museums lagert und in regelmäßigen Abständen ausschnittweise unter dem Aspekt jeweils eines Leitfadens der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die jüngste Schau trug den vielsagenden Titel „Irre Welten“ und inspirierte einige der insgesamt 13 zum Wettbewerb zugelassenen Teilnehmer. 19 Kunstinteressierte hatten sich beworben, die dreiköpfige Jury, darunter die Celler Innenstadtmanagerin Johanna Crolly, siebte sechs heraus. Bis in die aktuell in den Räumen des Museums unter Einhaltung der Corona-Regeln zu betrachtende Ausstellung „Celler KünstlerInnen zu Gast bei Eberhard Schlotter“ schafften es zehn Künstler mit 15 Arbeiten. „Es wurden Werke, nicht Namen ausgesucht“, erläutert Dietrun Otten die Vorgehensweise der Jury, die sich für zwölf Gemälde, zwei Collagen und eine Installation entschied. Sie präsentieren sich dem Besucher in dialogischer Hängung – das Original in unmittelbarer Nachbarschaft der Wettbewerbsbeiträge, die sich sowohl mit den poetisch-surrealen Werken der 1970er als auch mit den formal reduzierten Bildern der 1950er bzw. frühen 1960er und darüber hinaus mit den kompositionell wie inhaltlich schwierigen Gemälden der späten 1960er Jahre auseinandersetzen.

Die Herangehensweise der Teilnehmer ist so heterogen wie Schlotters Oeuvre. Dieser lebte in Deutschland und Spanien. Ruth Schimmelpfeng-Schütte widmet sich mit „Leerer Platz“ (1954) einem Bild, das zu Beginn seiner Spanienaufenthalte entstand, indem sie ihr Augenmerk auf die Form legt und auf Schlotters Interesse an der Verteilung der Farben auf der Bildfläche, das Zusammenwirken verschiedener Formen sowie die Auswirkungen von Licht und Schatten in dieser Phase Anfang der 1950er Jahre mit einer Foto-Collage antwortet. Sie zerschnitt die Abzüge einer Fotografie und fügte sie neu zusammen. Karl Thun setzte sich indes mit einer ungewöhnlichen Installation gegen seine Mitbewerber durch. Er eröffnet einen völlig neuen durchdringenden Blick auf einige Objekte. Das Archiv der Stiftung ist als Depot nicht nur Bewahrungsort für die Gemälde und Arbeiten auf Papier, sondern auch für eine große Anzahl von Fotografien, von denen für Publikationen Repros angefertigt wurden. Eine längst überholte Technik, weshalb die Negative beim Umzug des Depots in Räume des Neuen Rathauses für die Entsorgung bestimmt wurden. Karl Thun bewahrte die Überreste der vergangenen Publikationskultur vor diesem Schicksal und verhalf den Relikten zu einem großen Auftritt, indem er sie mit einem ausrangierten Röntgenbildbetrachter kombinierte und so die Illusion der Durchleuchtung einiger Schlotter-Werke erzeugte.

Im Vergleich dazu interpretierten die übrigen Teilnehmer Udo Rüssing, Reinhold Tautorat, Burkhard Uliczka, Julia Eckler, Katharina Gröschner, Ursula Gomm, Christiane Theilmann und Ilsabé Prinzhorn eher klassisch, aber nicht minder spannungsgeladen.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 27. Juni im Bomann-Museum Celle zu den Öffnungszeiten und unter den geltenden Corona-Regeln, Auskunft Hilke Langhammer, Tel.: 05141-12 – 4504 oder hilke.langhammer@celle.de

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