In Anlehnung an Mose: Müdener Friedhof im Biodiversitäts-Programm der Landeskirche

Religion Von Redaktion | am Do., 30.05.2019 - 20:50

MÜDEN/ÖRTZE. Auch ein Friedhof ist Lebensraum, in erster Linie für Pflanzen und Tiere. Mit der Teilnahme am Projekt „Landschaftswerte – Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ der ev. luth. Landeskirche Hannover, möchte die Kirchengemeinde Faßberg-Müden dazu beitragen, dass der Friedhof am Wietzer Berg in Müden vor allem für Insekten und Kleinstlebewesen ein attraktives Umfeld bietet. Insgesamt sind im Gebiet der Landeskirche neun Friedhöfe in das Programm aufgenommen worden.

Warum Artenvielfalt auch ein Thema für die Kirche ist, machte Ulrike Wolf vom Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannover heute bei einer Präsentation deutlich. Sie stellte, gemeinsam mit ihrer Kollegin Astrid Lahmann, in der Friedhofskapelle Hintergründe und Umsetzung des Projektes vor. Im ersten Buch Mose, Kapitel 1, Vers 28, vertraue Gott Tiere und Pflanzen der menschlichen Fürsorge an. Vor dem Hintergrund eines derzeit dramatischen Artensterbens sei „das Einzige, was wir tun können, es ganz schnell aufhalten“, erklärte Wolf.

Das sieht man auch in der Kirchengemeinde vor Ort so. „Wir sind froh, dass wir an dem Programm teilnehmen dürfen“, sagte Malcolm Chamberlain, der als ehemaliger Küster mit seinem Nachfolger Marc Völker die praktischen Maßnahmen umgesetzt hat: Ein Staudenbeet mit Trockenmauer für Urnenbestattungen wurde angelegt, Totholz aufgestellt, ein Insektenhotel gebaut oder auch eine Heidefläche angelegt. Ein Flachwasserteich ist in Planung.

Da für das Programm allein in Müden 32.000 Euro aus EU-Fördermitteln fließen – 17.500 Euro muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen – mussten und müssen einige Bedingungen erfüllt werden. So hat sich der Friedhof im Vorfeld den Anforderungen eines Umweltmanagementsystems unterzogen, es darf nur gebietsheimisches Saatgut verwendet werden, Aufträge für Arbeiten müssen ausgeschrieben werden und es gibt eine Erhaltungspflicht der umgestalteten Flächen von zwölf Jahren. Parallel zu den Aktionen zur Biodiversität wird ein Friedhofsentwicklungsplan aufgestellt. Denn die Umgestaltung beinhaltet nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Aspekte. Sargbestattungen sind immer weniger gefragt, Urnenbestattungen nehmen zu. Gleichzeitig wünschen sich viele Angehörige möglichst wenige Pflegeaufwand für ein Grab, so dass die Pflege der Friedhofsfläche zunehmend der Kirchengemeinde zufällt.

So hoben alle Beteiligten heute hervor, dass der Friedhof Schritt für Schritt umgestaltet wird und weiterhin auch traditionelle Bestattungsmöglichkeiten vorhanden sein werden. Astrid Lahmann vom Haus kirchlicher Dienste sieht in Müden zwei wichtige Voraussetzungen für den Erfolg des Programmes gegeben: „Der Friedhof fügt sich wunderbar in die Landschaft ein. Und es ist nicht selbstverständlich, dass man so engagierte Gärtner hat“, lobte sie die Akteure vor Ort.