Infoabend der Grünen zu Bahnausbauplänen offenbart Überraschungen

Politik Von Redaktion | am Sa., 29.05.2021 - 19:20

ESCHEDE. Beim Online-Informationsabend der Grünen in Eschede zeigte sich der Wirtschafts- und Verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Detlev Schulz-Hendel überrascht: „Dass die geplanten zusätzlichen Gleise als Umgehung gebaut werden sollen, wurde noch nie im Dialogforum besprochen. Das ist mir neu." Eine der möglichen Varianten zur Entlastung der Bahntrasse Hannover-Hamburg enthält den Bau zweier zusätzlicher Gleise zwischen Suderburg und Celle und würde damit auch Eschede betreffen.

Einig sind sich laut Mitteilung der Grünen alle Experten: Die Schiene muss zukunftsfähig werden, wir ersticken im LKW-Verkehr und wir brauchen einen Deutschlandtakt. Nach Auffassung von Detlev Schulz-Hendel ist unter Einbeziehung der Ergebnisse aus der so genannten Vierreg-Rössler Studie auch ein Ausbau im Bestand möglich. Diesem Ansatz stimmt auch der Sprecher des Projektbeirates Alpha E, Joachim Partzsch, zu. Er nahm als Gast am Online-Abend teil. "Zeitverzögerung durch mögliche Überlegungen, bei Eschede eine Umgehung einzurichten, sollten vermieden werden, da diese Überlegungen nicht realistisch sind.  Klar ist aber auch, dass die für Natur und  Artenvielfalt wichtigen Teichgebiete nicht zerstört werden dürfen", so die Grünen.

Wenn die zusätzlichen Gleise entlang der Bestandsstrecke gebaut würden, dann müsse Eschede mitwirken und der Bahnhof neu konzipiert werden. "Die Bahn hat einen barrierefreien Gleiswechsel über die 1,4 km lange Umgehungsstraße als ausreichend angesehen. Die Bahn lobte sich vor einigen Jahren noch selbst, dass die Bahnsteige nun behindertengerecht umgebaut worden sind. Wir Grünen forderten seit zehn Jahren eine Rampenlösung und erreichten 2015 die Zustimmung des Rates für die Aufnahme in die Städtebauförderung in die 3. Dringlichkeitskategorie. An einer Umsetzung wurde dann aber nicht gearbeitet", ärgert sich die Bürgermeisterkandidatin der Grünen für Eschede, Marlies Petersen. 

Die dritte Aufgabe kommt laut den Grünen auf alle anliegenden Kommunen zu. „Da müssen sie regional zusammenarbeiten. Unterlüß – Eschede – Garßen – Celle. Für den Lärmschutz gibt es gesetzliche Vorschriften, die aber nicht das Optimum für Bevölkerung darstellen. Verwaltung und Politik darf die Menschen vor Ort dabei nicht allein damit lassen“, so der Bundestagskandidat der Grünen, Markus Jordan, der für einen verbesserten Lärmschutz kämpft und als Umweltexperte in einer Hamburger Verwaltung arbeitet. „Ein aktiver Lärmschutz durch eine durchgehende und ausreichend hohe Wand, müsste als übergesetzlicher Lärmschutz durch eine Initiative der Kommune konkret erstritten werden. So würde der Ort insgesamt von den Umbauten profitieren. “

„In Eschede werden bei der Beplanung des Ortes immer die Varianten eingezeichnet, dass die Bahn zusammen mit der Bundesstraße unseren Ort umfahren wird. Ich war entsetzt darüber, wie wenig sich die Verwaltung und die Mehrheitsparteien um dieses Problem gekümmert haben. Mit mir als Bürgermeisterin wird es eine überörtliche Vernetzung geben. Probleme sehen und frühzeitig handeln. Noch sind wir nicht raus, aber Handeln müssen wir selbst für unsere Menschen vor Ort", so Marlies Petersen. Um die Sache konkret angehen zu können, soll das nächste öffentliche Treffen im Juli vor Ort mit einer Ortsbesichtigung stattfinden. Bei diesem Treffen sollen auch die schon vorhandenen Planvarianten der Umgehung der  B191 besprochen werden. „Für Eschede muss aber der Bahnhof erhalten bleiben, der Lärmschutz umgesetzt werden und das vor Baubeginn, der noch in diesem Jahrzehnt anvisiert wird“.