WATHLINGEN. Zum Jahresbeginn 2017 zieht die Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen eine Zwischenbilanz ihrer Aktivitäten und stellt ihre Pläne für dieses Jahr vor.

Was ist seit Gründung der Bürgerinitiative passiert?
„Mit einer Veranstaltung zur so genannten frühzeitigen Bürgerbeteiligung hat die Firma K+S die Bürger vor Ort über die geplante ‘Begrünung’ der Halde Wathlingen informieren wollen. Dabei ist aus Sicht der BI schnell deutlich geworden, dass die tatsächlichen Schadstoffwerte der Haldenabdeckung beschönigt werden und die Transporte eben doch durch die Dörfer gehen sollen. Alternativen sind weder möglich noch gewollt”, so der BI-Vorsitzende Mar-Heinz Marheine.

K+S habe zwischenzeitlich ein Testfräsen an der Halde veranstaltet und vor Kurzem am Standort der geplanten Recyclinganlage Bäume fällen lassen – der entscheidende Antrag auf Genehmigung des Vorhabens sei bis heute allerdings nicht gestellt worden. “Laut früherer Presseberichte sollte 2016 schon mit der Errichtung von Betriebsanlagen und 2017 mit der Bauschuttanlieferung begonnen werden. Möglicherweise ist die Verzögerung die Folge kritischer Nachfragen, die von heutigen Mitgliedern der Bürgerinitiativen aus Wathlingen und Uetze bei der Antragskonferenz im September 2015 gestellt worden sind”, vermutet Marheine. Laut Zeitungsberichten vom Dezember 2016 wolle K+S den Antrag nun Anfang diesen Jahres stellen, so der BI-Vorsitzende.

Was hat die BI bisher erreicht?
Die BI Umwelt Wathlingen ist ein eingetragener Verein, dem mittlerweile über 100 Mitglieder aus Wathlingen, Nienhagen, Eicklingen und Wienhausen angehören. “Das Thema Kalihaldenabdeckung wird endlich in angemessener Weise diskutiert”, zeigt sich die zweite Vorsitzende der BI, Sanna Gutzeit zufrieden. Den Bürgern und der Kommunalpolitik stünden fundierte Informationen zur Verfügung. Auf der Homepage www.biuw.de könne sich jeder über die Ziele der BI, die geplante Haldenabdeckung und die Gefahren, die damit verbunden sind, informieren.

“K+S ist in der Pflicht, das Haldengelände in Wathlingen wieder nutzbar zu machen. Das muss aber nicht die geplante Abdeckung sein”, erläutert Gutzeit. Dabei handele es sich aus Sicht der BI um die faktische Errichtung einer Deponie. Ein wichtiger Punkt sei der anstehende LKW-Verkehr und die drohende Staubentwicklung. Darüber hinaus gebe es aber noch weit mehr Gründe, weshalb die BI das Vorhaben ablehne. “Bei genauem Hinsehen geht aus den entsprechenden Regelungen hervor, wie gesundheits- und umweltschädlich das belastete Material, welches K+S auf der Halde ablagern will, wirklich ist. Die Langzeitfunktion der Abdeckung ist aus Sicht der BI nicht gegeben”, so Sanna Gutzeit.

Kritische Fragen, die von der Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen in den regionalen Zeitungen und auf Veranstaltungen gestellt worden seien, hätten Aufmerksamkeit in der Bevölkerung geweckt. “Die Politik kommt an dem Thema Haldenabdeckung nicht mehr vorbei”, ziehen die Akteure Bilanz.

Durch die Eintragung als Verein, die Mitgliedschaft im LBU (Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz) und die Zusammenarbeit mit dem BUND habe die BI nun mehr Gewicht.

Im Juni 2016 haben BI-Mitglieder die Firma K-Utec (Technologien im Bereich Kali und Salz) in Thüringen besucht. Informationen zu Versatz- und Verwertungsmöglichkeiten von Haldenmaterial sowie den Gefahren durch Süßwasserflutung des ehemaligen Bergwerkes hätten wichtige Erkenntnisse gebracht. Beiträge im Radio und Fernsehen hätten geholfen, den Bürgern der betroffenen Gemeinden einen Überblick über das Vorhaben von K+S und die möglichen Folgen zu verschaffen.“

Wo steht die BI aktuell?
„Im Augenblick ist die Vorbereitung auf das von K+S angekündigte Planfeststellungsverfahren vorrangig. Eine Anfrage an das Niedersächsische Umweltministerium und eine Landtagseingabe laufen noch”, erläutert BI-Pressesprecher Holger Müller. Um endlich Zugang zu allen Umweltinformationen hinsichtlich des ehemaligen Bergwerks, der Halde sowie zu Inhalten der Verhandlungen zwischen K+S und Wirtschaftsminister Lies zu bekommen, hat die BI beim LBEG und dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium entsprechende Anträge nach dem Umweltinformationsgesetz gestellt.

Darüber hinaus werden gesetzliche Vorschriften, gerichtliche Urteile und Unterlagen zum Bergwerk mit den dort vorhandenen Rüstungsaltlasten, der Halde und dem Naturschutzgebiet Brand, das den allerhöchsten europäischen Schutzstatus besitzt, ausgewertet.

Die Internetseite ist gerade weiterentwickelt worden, um zeitnäher informieren und mehr Links zu anderen Seiten und Bürgerinitiativen anbieten zu können. “Schließlich kämpfen in ganz Deutschland viele Menschen für eine umweltfreundliche Kaliindustrie“, betont Müller.

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