Naherholung und Naturschutz Hand in Hand

Politik Von Anke Schlicht | am Fr., 12.02.2021 - 13:31

CELLE. Naturschutz und Naherholung schließen sich nicht aus. Wie sie Hand in Hand funktionieren können, zeigen die im jüngsten Umweltausschuss der Stadt gefassten Beschlussempfehlungen sowie die im Bauausschuss von Stadtbaurat Ulrich Kinder vorgestellten Pläne für einen Allerauenpark auf der Allerinsel nördlich der Hafenstraße. 

Mit einer Mehrheit von sieben zu zwei Stimmen sprach sich das Umweltgremium dafür aus, dem Stadtrat zu empfehlen, das 35 Hektar große Gebiet „Allerniederung bei Klein Hehlen und Celle“, zu dem die innerstädtische Allerinsel sowie der Aller-„Nordarm“ gehören, als Naturschutzgebiet (NSG) auszuweisen. „Das Hochwertige ist der Fluss selber, daher orientieren wir uns bei der Einstufung an dessen Verlauf“, erläuterte der Leiter des Dezernates Umwelt und Bauen Ulrich Kinder. Den Einwänden von Seiten der AfD und FDP, der Status Landschaftsschutzgebiet würde im Interesse der Nutzung durch die Bürger der Stadt ausreichen, trat er entgegen, indem er die „klare Linie der Verwaltung“ noch einmal skizzierte. „Das Naturschutzgebiet umfasst den Flusslauf und den Uferbereich, abseits des Flusses im Übergangsbereich zur besiedelten Landschaft sehen wir keine Hochwertigkeit, dort reicht ein Landschaftsschutzgebiet (LSG).“ Der FDP-Fraktionsvorsitzende Joachim Falkenhagen sprach von einem über viele Jahrhunderte urbanisierten Areal und fragte, wieso man hier die oberste Kategorie wählen müsse. „Um die Störungsarmut herzustellen“, antwortete der für Naturschutz zuständige Mitarbeiter der Stadt Norman Rohrpasser. Biber, Fischotter und Eisvögel gelte es zu schützen, in einem LSG sei das Betreten überall erlaubt, in einem NSG jedoch nur auf Wegen. Daniel Biermann (AfD) fragte mit Blick auf zukünftige Gestaltungsspielräume, die die Einstufung in die höchste Kategorie möglicherweise verhindere: „Warum sollen wir uns diese Zwangsjacke anziehen?“ Der Dezernatsleiter holte daraufhin weiter aus und stellte zum wiederholten Male den großen Rahmen dar: „Die EU hat Flora-Fauna-Habitats-Gebiete auch in Städten und besiedelten Gebieten festgelegt. Die Verwaltung handelt auf der Basis von EU- Bund- und Länderbeschlüssen entsprechend fachlicher Einschätzung.“ Die Wertigkeit des Uferbereiches ließe nichts anderes als den höchsten Schutzstatus zu.

„Und dennoch sind viele Nutzungen möglich“, entkräftete Norman Rohrpasser die Bedenken der Naturschutz-Gegner. Lösungen für den Zielkonflikt zwischen Hochwasserschutz, Naherholung und Naturschutz hielt das Dezernat Umwelt bereit. „Es ist aus Naturschutzsicht sogar sinnvoll, Badestellen einzurichten, denn damit lenkt man die Bewegungsströme der Menschen“, erklärte der Fachmann für Naturschutz vor dem Hintergrund zahlreicher Freistellungen für Erholung und Freizeitgestaltung der Stadtgesellschaft. Nach Abschluss der Maßnahmen für den Hochwasserschutz verfolgte die Verwaltung das Ziel, das Potential des gesamten Areals auszuschöpfen im Interesse der Naherholungsansprüche der Celler. Sie beauftragte ein Büro, das nun das Konzept für einen Allerauenpark vorlegte. Es sieht Badestellen, Spiel- und Sportbereiche sowie Wege im Naturschutzgebiet vor. Auch die Etablierung eines Beachclubs steht im Raum. Viel Zeit verwendete der Ausschuss für Anträge von Seiten der Politik, die Möglichkeiten zur Begehung des Voruferbereiches auszudehnen. Ulrich Kinder sah in der leichten Anpassung des städtischen Konzeptes kein Problem, so dass Spaziergänger Gelegenheit erhalten, das neu geschaffene Naturschutzgebiet mitten in der Stadt hautnah zu erleben.

Naturschutzgebiet Allerniederung: CDU will mehr Naturerlebnis ermöglichen

CELLE. In diesem Monat werden sich Ausschüsse und Rat mit einer Verordnung befassen, die eine längere, stadtnahe Strecke der Aller unter Naturschutz stellen soll: die Verordnung der Stadt Celle über das Naturschutzgebiet „Allerniederung bei Klein Hehlen und Celle“. Die „Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen“ steht im Mittelpunkt dieser Verordnung.  
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