CELLE. „Eigentlich hat doch alles, was wir machen, mit Kultur zu tun – Essen, Kleidung, Kunst, Lernen, unsere ganze Lebensweise“, stellt Khaldoon Karim fest. Der Iraker hat an drei Tagen an der „Interkulturellen Uni“ des Sprachmittlerpools vhs Celle teilgenommen und mit vielen anderen Migranten und Ehrenamtlichen über kulturelle Unterschiede diskutiert. Was macht Kultur aus? Wie schaffen es Menschen mit unterschiedlichen Kulturen, friedlich zusammenzuleben? „Mit Toleranz und gegenseitigem Verstehen“, so das Fazit der Teilnehmenden, die aus so unterschiedlichen Ländern wie u.a. Syrien, Russland und Afghanistan stammten und damit verschiedenste kulturelle Hintergründe mitbrachten.

Sprachmittler für Kurdisch, Arabisch und Dari/Farsi übersetzten, wenn es zu sprachlichen Problemen kam; denn einfach ist es nicht, seine Gedanken und Gefühle in einer fremden Sprache auszudrücken, die man erst seit Kurzem beherrscht. „Uns war bei dieser Veranstaltung wichtig, den anwesenden Migrantinnen und Migranten nicht einfach vorzugeben, wie man in Deutschland lebt, sondern gemeinsam mit ihnen Bezüge zu ihrer eigenen Kultur herauszuarbeiten und so, neben allen Unterschiedlichkeiten, Ähnlichkeiten oder gar Gleiches aufzuzeigen“, erklärt Jochen Meyer, der als Pädagogischer Mitarbeiter Interkulturelle Bildung bei der Volkshochschule (vhs) Celle die „Interkulturelle Uni“ organisierte. Themen wie Frauenbild, Emanzipation und Partnerschaft gehörten ebenso zu den Vorträgen wie „Glaube und Religion“, aber auch „Verbraucherschutz in Deutschland“.

Mit großem Interesse wurde der Besuch des Bomann-Museums aufgenommen. „Gerade für die Frauen war es wichtig zu sehen, dass Geschlechterrollen sich historisch verändern und Kultur nicht statisch ist“, so Enno Stünkel, Pädagogischer Mitarbeiter für Politische Bildung an der vhs Celle. Er erklärte die Geschichte der Demokratie unter anderem anhand des Frauenbildes, aber auch der Entwicklung der Stadt Celle. Wie entwickelte sich das Wahlrecht der Frauen? Wer gehört als Bürger mitbestimmend zu unserer Gesellschaft? „Demokratie ist auch ein Prozess der Inklusion von Gruppen, die ursprünglich nicht eingeschlossen waren, und das betrifft natürlich auch Geflüchtete“, sagt Stünkel. So sorgte die Museumsabteilung „Nicht von hier?“, die sich zum einen mit Auswanderung befasst, zum anderen mit Einwanderungswellen von den Hugenotten bis zu den Kurden bzw. Eziden, in der 20-köpfigen Gruppe für Aha-Effekte. „Viele haben Bezug zu ihren Herkunftsländern gesehen“, so der Experte.

Die Integrationsbeauftragte des Landkreises Celle, Ulrike Brinken, lobte den partizipatorischen Ansatz der Veranstaltung. „Hier geht es darum, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ins Gespräch zu bringen, Diskussionen anzuregen und nicht Regeln vorzugeben.“

Insgesamt haben 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer alle Veranstaltungen der „Interkulturellen Uni“, die von der Lotto-Sport Stiftung gefördert wurde, besucht und das abschließende Zertifikat erhalten. Da die einzelnen Veranstaltungen jedoch auch für weitere Interessenten geöffnet waren, war bei einigen Vorträgen mit rund 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmern jeder Platz in der Bahnhofstraße 19 besetzt.

Dieses große Interesse machte deutlich, dass die „Interkulturelle Uni“ keine Einzelveranstaltung bleiben soll. Die zweite „Uni“ ist darum für die Herbstferien 2018 geplant. Für die Organisation und die Gestaltung des Programms hat sich bereits ein Team aus den jetzigen Teilnehmenden gebildet. Wer sich ebenfalls bei den Planungen für die zweite „Interkulturelle Uni“ beteiligen möchte, kann sich an Jochen Meyer, Koordinator des Sprachmittlerpools vhs Celle, unter (05141) 901 62 10 oder j.meyer@vhs-celle.de wenden.

Text: Martina Hancke

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