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Celle - Geothermie - Drilling - Congress Union - Konferenz - Bohrbranche

Internationale Bohrindustrie in Celle: GeoEnergy Celle veranstaltet Konferenz und Ausstellung

10.09.2019 - 18:10 Uhr     Anke Schlicht    0
Fotos: Peter Müller

CELLE. „Es muss auch eine Wärmewende werden“, sagt Wolfgang Genannt vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion zum Klimaschutz. Das Vorstandsmitglied von GeoEnergy Celle nimmt die derzeit in der Residenzstadt stattfindende und von dem Verein organisierte internationale Konferenz zu technologischen Entwicklungen und Trends in der Tiefbohrbranche zum Anlass, auf den Stand der Geothermie in Celle einzugehen.



Die innovative Energieform konzentriert sich in Deutschland auf drei Regionen: Bayern, Oberrheingraben und das Norddeutsche Becken, wobei Stadt und Landkreis Celle laut einer Pilotstudie auf einer – geothermisch gesehen – bevorzugten Lage angesiedelt sind. Im Untergrund Deutschlands steigt die Temperatur um 3 Grad Celsius auf 100 Meter Tiefe. In Celle ist dieser Wert höher, so dass laut Studie deutlich überdurchschnittliche Temperaturen zu erwarten sind. „Geothermie ist absolut schadstofffrei, nachhaltig, ständig verfügbar und C02-neutral“, sagt Genannt. Er bedauert, dass die Verhandlungen hinsichtlich der Energieversorgung dieses Typs mit den Investoren für 220 Eigentumswohnungen auf der Allerinsel gescheitert seien: „Es wäre eine komfortable Lösung gewesen, auch Kühlung hätte man auf diese Weise bereitstellen können. Denn man kann auch geothermisch kühlen.“

Das „Heese-Projekt“, in dessen Rahmen geplant war, ein Wohnquartier mit Erdwärme zu versorgen, liege momentan auf Eis: „Wir benötigen mehr Daten“, erläutert das Vorstandsmitglied und verweist auf anstehende Bohrungen der Firma Baker Hughes, die mehr Gewissheit bringen würden. Ermutigend seien die Signale von zwei ansässigen Unternehmen: „Das Hotel Celler Tor wird seine Heizungsanlage komplett sanieren und vollkommen auf Geothermie umstellen“, berichtet der Fachmann. Auch die beiden Direktoren der Sparkasse seien im Hinblick auf die gerade neu entstehenden Kompetenzzentren sehr offen für die Energieversorgungsform Erdwärme. „Das ist eine Chance“, sagt Genannt, bevor er wieder ganz Deutschland in den Blick nimmt: „Bayern ist derzeit Vorreiter in Sachen Geothermie.“

Der Veranstalter der neunten Auflage der internationalen „Celle Drilling“-Konferenz wünscht sich sowohl von Seiten des Landes als auch der kommunalen Politiker mehr Unterstützung: „Es sind Millionen an Förderzins ans Land geflossen, es wäre schön, wenn wir etwas für die Forschung zurückbekämen.“ Die Hilfe müsse jedoch nicht unbedingt finanzieller Art sein: „Wenn die Stadt Celle zum Beispiel im Zuge der Ausweisung eines neuen Baugebietes einen bestimmten Anteil von Bauland vergünstigt abgeben würde mit der Auflage, Erdwärme als Energieform zu wählen. Das wäre ein Anreiz“, sagt Wolfgang Genannt und fügt hinzu: „Die Politik muss es wollen“, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass es auch ein Beitrag zum Klimaschutz sei.

Zu „Celle Drilling 2019“ am 10. und 11. September in der Congress Union gibt GeoEnergy Celle e.V. folgende Pressemitteilung heraus:

Mit mehr als 260 Teilnehmern aus 18 Nationen findet zum neunten Mal in Folge die Celle-Drilling Konferenz in der Congress Union statt. Zwei Tage lang tauschen sich Experten über technologische Entwicklungen und Trends in der Tiefbohrbranche aus.

Die diesjährige Konferenz steht unter dem Motto „Drilling in a Digital World“. Mit diesem Themenschwerpunkt nehmen die Organisatoren den aktuellen Trend in der Wirtschaft zur zunehmenden Digitalisierung von Produktionsabläufen und Geschäftsprozessen auf. In der Bohrindustrie geht es dabei darum, die am Bohrloch gewonnenen Daten schneller und effizienter mit den Serviceabteilungen zu vernetzen und auszuwerten. Durch Digitalisierungsprozesse wird sich künftig die Anzahl der Mitarbeiter am Bohrplatz reduzieren lassen. Stattdessen werden in Zukunft zunehmend Arbeiten wirtschaftlich und gefahrlos aus den Büros gesteuert werden können.

Die Veranstaltung am 10. und 11. September 2019 nimmt aber auch derzeitige politische Themenstellungen auf. So beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Frage, wie die Branche zur Energiewende beitragen kann. Ein Vortragsbereich wird deshalb zum Thema „Tiefe Geothermie“ durchgeführt. Der Großteil des deutschen und internationalen Energieverbrauchs wird den Wärmebedarf gedeckt. Die Förderung von Erdwärme gerade aus den tiefen Erdschichten bietet hier ein enormes Potential für eine emissionsfreie, umweltfreundliche und nachhaltige Energieversorgung. Allerdings steht der Energieträger Erdwärme wirtschaftlich noch in zu starker Konkurrenz zu den fossilen Energieträgern.

Da die Branche über exzellentes Know-how in der Erstellung von Explorations- und Produktionsbohrungen verfügt, können die Erfahrungen aus der Erdöl- und Erdgasindustrie in die Geothermie übertragen werden. Auf der Celle Drilling wird diskutiert, wie Geothermie Bohrungen technisch noch besser planbar und noch wirtschaftlicher durchgeführt werden können. Und damit ihren Beitrag zur Energiewende leisten. Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Projekten spielt wiederum die Digitalisierung der Branche eine nicht unerhebliche Rolle.

Innovativer Bohrtechnologien werden auch im ortsansässigen Forschungszentrum „Drilling Simulator Celle“ als Außenstelle der Technischen Universität Clausthal erforscht und entwickelt. Im Rahmen einer Exkursion besteht am zweiten Konferenztag die Möglichkeit, sich über die technische Ausstattung und überlaufende Projekte der Forschungsanlage zu informieren.

Die zunehmende internationale Bedeutung der Konferenz und des Standortes Celle wird durch die Vielzahl ausländischer Besucher insbesondere aus England, Russland, Norwegen, den Niederlanden sowie den USA deutlich. Zu Gast ist wie im vergangenen Jahr eine größere russische Delegation, die sich gezielt über ausgewählte Themen informieren und austauschen möchte. Vom GeoEnergy Celle e.V. ins Leben gerufen, hat sich die Konferenz in der Branche fest etabliert. Im jährlichen Turnus werden Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft und Projekte aus der Praxis präsentiert und diskutiert. Die „Celle Drilling 2019“ wird ergänzt durch eine begleitende Ausstellung von 16 beteiligten Unternehmen.





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