Interview mit Carsten Kranz: "Hölty-Gymnasium ist eine echte Bereicherung"

Politik Von Susanne Zaulick | am So., 24.01.2021 - 10:38

LANDKREIS CELLE. In diesem Jahr findet der Januar ohne Neujahrsempfänge statt. Anstelle der sonst in vielen Gemeinden üblichen Rück- und Vorausschau zum Jahresanfang haben wir die Bürgermeister im Landkreis Celle gebeten, für CELLEHEUTE zu berichten, wie die Stimmung vor Ort ist, welche Themen die Politik auf der Agenda hat und was für das kommende Jahr geplant ist. Heute beantwortet Hambührens Bürgermeister Carsten Kranz unsere Fragen zur Situation in seiner Gemeinde.

Herr Kranz, wie ist die Stimmung in Hambühren?

Ich kann diese Frage nur schwer beantworten, da meine sozialen Kontakte wie bei den meisten Menschen zur Zeit recht knapp bemessen sind. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Menschen in Hambühren, wie wahrscheinlich überall und wie ich persönlich auch, wieder nach einem Stück Normalität sehnen, besonders was das soziale Miteinander betrifft. Es ist zu beobachten, dass die Bevölkerung trotz vieler Widrigkeiten das Beste aus der Situation macht. Die Landbevölkerung ist da im Verhältnis zu den „Großstädtern“ aus meiner Sicht eher im Vorteil.

Was überwiegt angesichts der coronabedingten Einschränkungen: Frust darüber, dass vieles nicht stattfinden kann oder Aufatmen, dass Dinge abgearbeitet werden können, für die man jetzt endlich mal Zeit findet?

Ich bin ein positiv denkender Mensch und mache stets das Beste aus den Corona-bedingten Einschränkungen. Die Situation erfordert ein Umdenken und motiviert mich zum Einschlagen neuer Wege, die nicht immer einfach umzusetzen sind. Die Aufgabenstellungen haben sich lediglich verlagert, viel mehr Zeit für die Aufarbeitung zurückgestellter Aufgaben bleibt eigentlich nicht.

Wie kompensieren Sie die fehlenden Gespräche und Begegnungen mit Bürgern?

Das ist bezogen auf den „Normalzustand“ nur schwer zu kompensieren. Ich habe bisher einmal im Monat an meiner Bürgersprechstunde unter Wahrung der AHA-Regelung festgehalten, um den Bürgerinnen und Bürgern eine persönliche Begegnung mit mir zu ermöglichen und ihre Nöte, Ideen oder Kritik auch persönlich an mich herantragen zu können. Das wurde gut angenommen und das werde ich auch weiter anbieten. Sonst nutze ich gern Videotelefonate oder das Gespräch über den Gartenzaun, um mit den Menschen unserer Gemeinde in Kontakt zu bleiben. Aber das ist alles kein wirklicher Ersatz. In den Sommermonaten, als die Lage recht entspannt war, gab es schon mehr Begegnungen als jetzt. Der Unternehmerstammtisch fehlt mir zum Beispiel sehr, ich will jetzt einen digitalen Ersatz als Übergangslösung dafür anbieten.

Was erhoffen Sie sich vom neuen Jahr für Ihre Gemeinde?

Ich erhoffe mir, dass wir diese Krise gemeinsam gut durchstehen und dass die Gemeinde Hambühren am Ende doch gestärkt daraus hervor geht. Ich hoffe auf wieder mehr Miteinander zwischen den Menschen im Laufe des neuen Jahres, weniger negativen Stress und mehr Lebensfreude für alle. Es wäre schön, wenn wir uns am Ende alle mental wieder etwas entspannen könnten. Bei so manchem liegen die Nerven wahrscheinlich blank und ich sehne mich auch sehr nach mehr „positivem Stress“. Das wäre für mich zum Beispiel das Nachholen unseres Jubiläums „50 Jahre Einheitsgemeinde Hambühren“, wofür eigentlich im Mai 2020 eine zweitägige Großveranstaltung mit Festakt und einem Straßenfest geplant war. Aufgeschoben heißt ja nicht aufgehoben, aber in 2021 sehe ich das momentan leider noch nicht.

Aus technischer Sicht hoffe ich darauf, dass der jetzt beginnende Breitbandausbau in der Gemeinde geordnet abläuft und wir im letzten Quartal diese Großbaustelle und das meiner Meinung nach wichtigste Infrastrukturprojekt der nächsten Jahre sauber abschließen können. Ich wünsche mir auch einen guten Start für die bauliche Erweiterung unserer Ganztagsgrundschule in Oldau und dass es mit dem neuen Fachmarktzentrum am Hehlenbruchweg endlich weiter geht. Ich vertraue außerdem sehr darauf, dass sich trotz Corona in diesem Jahr genug ehrenamtliche Wahlhelfer für die Kommunal- und Bundestagswahlen finden werden und wir diese große Aufgabe reibungslos über die Bühne bringen. Ich bin sehr neugierig darauf, wie sich der neue Gemeinderat im Herbst dann zusammensetzen wird.

Welches Thema hätten Sie in diesem Jahr lieber nicht auf der Tagesordnung und warum?

Das kann ich momentan noch nicht sagen, ich hoffe dass ich am Ende dieses Jahres zurückblicken kann und mit den Ergebnissen wieder zufrieden bin. Drohendes Ungemach ist hier nicht in Sicht.

Was ist aus Ihrer Sicht gut gelaufen in Hambühren?

Das war trotz Corona ein Jahr mit einigen Höhen: Der Landkreis hat entschieden das Westkreisgymnasium im Herzen unserer Gemeinde, genau gegenüber dem Rathaus, aufwachsen zu lassen. Die neue Außenstelle des Hölty-Gymnasiums ist gut angenommen worden und schon jetzt eine echte Bereicherung für Hambühren. Danach begann Corona und ich muss sagen, dass besonders die Hilfen für alle direkt Betroffenen sehr schnell durch die Bürgerschaft organisiert wurde. Es gab viele Einzelpersonen, die sich engagierten, aber besonders möchte ich an dieser Stelle die Initiative „Hand in Hand für Hambühren“ erwähnen, die zum Beispiel im ersten Lockdown ab März die Funktion der Celler Tafel hier in der Gemeinde übernommen hat und hilfsbedürftige Bürger mit dem Allernotwendigsten versorgte und unterstützte. Hier sind insbesondere unsere beiden evangelischen Kirchengemeinden und das DRK Oldau-Ovelgönne, aber auch zahlreiche Einzelpersonen zu nennen. Die Spendenbereitschaft war sehr groß und dafür kann man sich gar nicht genug bedanken. Insgesamt hat sich gezeigt, dass die Bevölkerung sich gegenseitig geholfen hat und das war wirklich eine gute Sache. In unserer Gemeinde wurde und wird Solidarität tatsächlich nach wie vor gelebt!

Aus Sicht als Verwaltungschef freue ich mich sehr, dass die Teams in der Verwaltung, in den KiTas, den Schulen und auf dem Bauhof sehr viel Einsatz gezeigt haben, um trotz der Situation weiterhin einen guten Service für die Bürgerinnen und Bürger Hambührens bieten zu können. Im Rathaus hat sich zum Beispiel die Umstellung auf die Telefon- und Online-Terminvergabe bestens bewährt und auch die Gemeindebücherei konnte trotz Einschränkungen mit der elektronischen Onleihe und dem Terminservice das Bildungsangebot nicht nur aufrecht erhalten, sondern auch noch deutlich verbessern. Die Zusammenarbeit hat mir sehr viel Freude bereitet, es wurde viel Positives geleistet.
Auch unsere zwei Feuerwehren haben ihren Job trotz Corona-Einschränkungen und trotz des weitgehenden Verzichts auf die so wichtige „Kameradschaftspflege“ hervorragend gemacht. Das lief wirklich gut und ich bin dafür sehr dankbar. Es tut mir für unsere Feuerwehren allerdings leid, dass kaum Ausbildungsdienste stattfinden konnten und der Erhalt der Einsatzbereitschaft nur durch ganz viel persönlichen Einsatz und Kreativität der Verantwortlichen möglich gemacht wurde.

Was weiterhin sehr gut lief, war die Aktion Breitbandausbau. Ende Oktober war es endlich klar, dass es losgehen kann, nachdem sich in nur drei Monaten über 40% der Haushalte für die Teilnahme am Ausbau entschieden haben. Das eröffnet uns in Zukunft natürlich viel mehr Möglichkeiten und wird ein ganz wichtiger Standortfaktor sein. Zum Glück haben wir den Anschluss an die digitale Zukunft nicht verpasst.

Wo sehen Sie noch größeren Handlungsbedarf und was können Sie als Bürgermeister tun, damit es hier vorangeht?

Wenn die Situation es wieder zulässt, brauchen wir hier vor Ort einfach mehr Kultur. Mehr musikalische Veranstaltungen für Jung und Alt, noch mehr Theateraufführungen oder mal Kunstausstellungen einheimischer Kunstschaffender würden gut hierher passen. Da geht sicher noch mehr als bisher. In dieser Hinsicht besteht also eine Menge Handlungsbedarf und es wäre schön, wenn sich für solche Projekte Veranstalter, Unterstützer und Sponsoren finden würden. Ich bin dafür jedenfalls sehr zu begeistern. Auch in Sachen Nachhaltigkeit soll sich in Hambühren noch viel mehr tun, um unsere Ressourcen besser zu schonen. Dafür soll es ein strukturiertes Projekt, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, sowie der Umweltaktion Niedersachsen geben. Die Optimierung der sozialen Arbeit und der Wirtschaftsförderung in unserer Gemeinde liegen mir ebenfalls sehr am Herzen und dafür werde ich mich weiterhin persönlich einsetzen. Auch die weitere Personalentwicklung unserer zwei Feuerwehren möchte ich als Bürgermeister gern fördern und mich dabei wie immer auch selbst aktiv als einfacher Feuerwehrmann einbringen, um als Vorbild für die Bevölkerung dabei zu sein und zum Mitwirken zu motivieren.

Ihr wichtigster Vorsatz für 2021?

Ich möchte mir weiterhin selbst treu bleiben.
 

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