Interview mit Frank Bröhl: "Dinge nicht aufgeben, sondern anders machen"

Politik Von Susanne Zaulick | am Do., 04.02.2021 - 17:25

LANDKREIS CELLE. In diesem Jahr finden die ersten Wochen des Jahres ohne Neujahrsempfänge statt. Anstelle der sonst in vielen Gemeinden üblichen Rück- und Vorausschau zum Jahresanfang haben wir die Bürgermeister im Landkreis Celle gebeten, für CELLEHEUTE zu berichten, wie die Stimmung vor Ort ist, welche Themen die Politik auf der Agenda hat und was für das kommende Jahr geplant ist. Heute beantwortet Frank Bröhl, Bürgermeister der Gemeinde Faßberg, unsere Fragen zur Situation vor Ort.

Herr Bröhl, wie ist die Stimmung in der Gemeinde Faßberg?

Von dem was ich wahrnehme, würde ich sagen gemischt bis durchwachsen. Das ist verständlich und hat seine Ursache bestimmt zu einem Großteil in der Pandemie. Wir sind soziale Wesen und als solche sind wir auf Kontakte angewiesen. Zurzeit haben wir nur sehr wenige Möglichkeiten dieses ureigene Kontaktbedürfnis zu stillen, weder in Vereinen noch durch kulturelles Erleben. Auch im privaten Bereich werden die Kontakte restriktiv eingeschränkt, das Virus macht hier nicht Halt. Ich denke, dass vor allem Kinder und Ältere am meisten darunter leiden. Da gibt es viel Frustration und Enttäuschung.
Es gibt aber auch Vorteile: Für mich persönlich bringt es eine gewisse Entschleunigung mit sich und es gibt mir Zeit, zu resümieren und zu reflektieren. Das stelle ich auch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern fest, mit denen ich dann doch immer noch dienstliche Kontakte habe. 

Die Pandemie hat durch die damit verbundenen Einschränkungen unsere Lebensgewohnheiten und -abläufe verändert. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir vieles nicht aufgeben müssen, wir müssen es eben anders machen; für diese Zeit neue Strukturen entwickeln. Ich denke da an den Boom, den Videokonferenzen zurzeit erleben. Das ersetzt das direkte Miteinander zwar nicht, ist aber zum jetzigen Zeitpunkt eine Alternative.

Was überwiegt angesichts der coronabedingten Einschränkungen: Frust darüber, dass vieles nicht stattfinden kann oder Aufatmen, dass Dinge abgearbeitet werden können, für die man jetzt endlich mal Zeit findet? 

Das Arbeiten ist völlig anders. Die Aufgaben sind geblieben; durch die Flut an pandemiebedingten Regelungen und deren Änderungen teilweise sogar gestiegen. In der Verwaltung ist die Stimmung aber gut. Wir haben uns so organisiert, dass mindestens die Hälfte der Mitarbeiter im Homeoffice ist. Wir haben dazu zwei Teams gebildet und die Aufgaben so aufgeteilt, dass wir sie erfüllen und den künftigen Aufgaben gerecht werden können. Vor allem im Baubereich steht hier ja eine ganze Menge an. Dazu sind alle Mitarbeiter inzwischen mit mobilen Arbeitsplätzen ausgestattet. 

Wie kompensieren Sie die fehlenden Gespräche und Begegnungen mit Bürgern? 

Da ist eine Kompensation kaum möglich. Mir fehlen die Mitgliederversammlungen, die Jubiläen, eben die vielen Anlässe, die dem Austausch und der Kommunikation dienen. Natürlich gibt es weiterhin die „über den Zaun“-Gespräche. Aber das geschieht eben zufällig. Gerade als Bürgermeister habe ich mich an die jeweiligen Einschränkungen zu halten und Kontakte zu minimieren, wo es geht. In den kommenden Wochen möchte ich gern mal eine Online-Bürgersprechstunde probieren und bin gespannt, ob das angenommen wird. Insgesamt hilft es uns jetzt etwas, in den vergangenen Jahren viel in die digitale Infrastruktur investiert zu haben.

Was erhoffen Sie sich vom neuen Jahr für Ihre Gemeinde?

Erst mal hoffe ich natürlich, dass wir alle gesund bleiben bzw. die Zahl der Erkrankten sehr gering bleibt. Wir haben ja in einer örtlichen Pflegeeinrichtung feststellen müssen, dass das Virus, wenn es zu Infektionen kommt, kaum kontrollierbar ist. Glücklicherweise ist das Geschehen durch das umsichtige Verhalten schnell unter Kontrolle gewesen. Ich stelle aber fest, dass unsere Bürger sich viel Mühe geben und hoffe darauf, dass es so bleibt. Das finde ich klasse! 

Ich hoffe auch für die Dienstleistungsbetriebe, dass sie die Krise überstehen. Das gilt ebenso für Gastronomie und Handel. Mit zunehmender Länge des Lockdowns wird es schwieriger. Da ist es wichtig, dass wir uns alle an die Kontaktbeschränkungen halten, damit wir so schnell wie möglich wieder Lockerungen erwarten dürfen. Daran können wir alle durch unser Verhalten mitarbeiten. 

Welches Thema hätten Sie in diesem Jahr lieber nicht auf der Tagesordnung und warum?

Da ist mein persönlicher Wunsch nicht relevant. Als Bürgermeister ist es meine Aufgabe, Probleme auf- und anzunehmen und dann in einen Lösungsprozess einzutreten. 

Was ist aus Ihrer Sicht gut gelaufen 2020 in der Gemeinde Faßberg?

Toll war und ist wie gesagt, der Zusammenhalt der Bürger in der Pandemie. Dass wir uns Veranstaltungen wie die Bockauktion oder den Müdener Markt nicht haben nehmen lassen, sondern dass wir andere Umsetzungskonzepte dafür gefunden haben. Im Rathaus ist der neue Infopunkt gut angenommen worden. Dazu haben wir ein Dokumentenmanagementsystem für ein papierloses Büro eingeführt. Eine neue Internetpräsenz steht ebenfalls an. Auch wurden die Büros der Mitarbeiter renoviert und neue Büroräume geschaffen. Gemeinsam mit Unterstützung der politischen Gremien konnten wir einige Betriebe der Gemeinde in der Bewältigung des ersten Lockdowns unterstützen. 

Die jahrelangen Bemühungen bei Land und Bund um eine Wiederbelebung des Forschungstandortes der DLR Trauen resultierten in der Grundsteinlegung für den Spacepark, einem Forschungszentrum, in dem bis zu 60 Arbeitsplätze entstehen können. Dazu konnten wir mit der energetischen Sanierung des Schwimmbades beginnen und hoffen, für die ebenfalls notwendige technische Sanierung erfolgreich Fördermittel einwerben zu können. 

Der Gemeinderat hat nach langen Beratungen in der letzten Ratssitzung des Jahres 2020 den Neubau der Grundschule Faßberg auf dem Gelände der alten Schule im Marktweg beschlossen. Damit hat der Rat auch den Weg für den Peter-Struck-Campus freigemacht, der voraussichtlich 2024 in das Gebäude der Lerchenschule einziehen wird. Dazu müssen wir das Gebäude für den Bund sanieren und umbauen. 

In einer KiTa gab es Erweiterungsmaßnahmen. Ein neues Gewerbegebiet wurde für die Erschließung freigemacht und die gemeindeeigenen Wege außerorts sind zu 80 Prozent aufgearbeitet. Auch das freie WLAN bauen wir stetig weiter aus. Die technische Überholung des Unimog der Feuerwehr Müden wird nach Beschluss kommendes Jahr durchgeführt. Damit ist der Fuhrpark der freiwilligen Feuerwehr, nach Anschaffung der großen Löschfahrzeuge in den letzten Jahren, zunächst auf dem aktuellen Stand.

Wo sehen Sie noch größeren Handlungsbedarf und was können Sie als Bürgermeister tun, damit es hier vorangeht?

Alle Beschlüsse, die im vergangenen Jahr gefasst wurden, müssen nun umgesetzt werden. Da wird sicherlich noch die eine oder andere Aufgabe auf mich warten. Auch können wir uns touristisch noch besser aufstellen. Hier gibt es den Antrag zu einem Aussichtsturm im Bereich des Haußelberges, bei dem ich mich sicherlich einbringen kann.

Für die Sanierung der Hauptstraße Müden ist ein politischer Prozess angestoßen, der sicher noch andauern und einiges an Moderation erfordern wird. Den Bürgergruppen, die sich an der Meinungsfindung beteiligen möchten, hat die Verwaltung bereits fachliche Unterstützung angeboten. Auch haben wir keine freien Grundstücke mehr in den Baugebieten. Da müssen wir umgehend ran, bzw. weiterplanen. 

Ihr wichtigster Vorsatz für 2021?

Gesundheit, Wertschätzung, Demut 
 

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