Interview mit Günter Berg: "Eigene Sicht auf die Dinge schärfen"

Politik Von Susanne Zaulick | am So., 31.01.2021 - 10:22

LANDKREIS CELLE. In diesem Jahr findet der Januar ohne Neujahrsempfänge statt. Anstelle der sonst in vielen Gemeinden üblichen Rück- und Vorausschau zum Jahresanfang haben wir die Bürgermeister im Landkreis Celle gebeten, für CELLEHEUTE zu berichten, wie die Stimmung vor Ort ist, welche Themen die Politik auf der Agenda hat und was für das kommende Jahr geplant ist. Heute beantwortet Eschedes Bürgermeister Günter Berg unsere Fragen zur Situation in seiner Gemeinde.

Herr Berg, wie ist die Stimmung in Eschede?

Das kann man so pauschal nicht beantworten. Generell sind wir froh, dass wir bisher gut durch die Pandemie gekommen sind und die Zahlen für Eschede – dank der Disziplin der Menschen – geringgehalten wurden. Gleichwohl ist die Stimmung und Betroffenheit sehr unterschiedlich, je nachdem, inwieweit man von den Einschränkungen betroffen ist: Die Situation für Eltern von Kindern im Kindergarten bzw. in der Schule, aber auch für die Kinder selbst, ist schon herausfordernd, zudem sind alle Freizeitangebote weggebrochen. In der Gastronomie, aber auch in sonstigen Bereichen, die von den Auswirkungen betroffen sind, ist Skepsis beim Blick in die Zukunft vorhanden. Die Treffen, Übungen, der Austausch der Menschen in den Vereinen und Verbänden fehlt, die üblicherweise über das Jahr stattfindenden Veranstaltungen werden möglicherweise wieder alle ins Wasser fallen, die Unsicherheit wie sich die Situation weiterentwickelt, hält uns alle in Spannung.
 
Was überwiegt angesichts der coronabedingten Einschränkungen: Frust darüber, dass vieles nicht stattfinden kann oder Aufatmen, dass Dinge abgearbeitet werden können, für die man jetzt endlich mal Zeit findet? 

Hier ist auch ein eindeutiges Meinungsbild aufgrund unterschiedlicher Betroffenheit nicht möglich. Zwar überwiegende Zustimmung, aber dann doch wieder Enttäuschung gibt es, dass die in unseren Orten durchgeführten vielfältigen Veranstaltungen, die zur Idenditätsfindung und für den Zusammenhalt enorm wichtig sind, nicht geplant bzw. realisiert werden können. Die Möglichkeit, sich Zeit für sich selbst und seine Familie zu nehmen, ist eine positive Erkenntnis, die Einschränkungen geben auch die Möglichkeit, die von uns als selbstverständlich wahrgenommene Freizügigkeit in allen Belangen zu überdenken und seine eigene Sicht auf die Dinge zu schärfen.

Wie kompensieren Sie die fehlenden Gespräche und Begegnungen mit Bürgern? 

Sie lassen sich leider nicht kompensieren. Gerade der wichtige persönliche Austausch mit unseren Organisationen, die Treffen mit den Vereinen und Verbänden, die ehrenamtlich sehr engagiert sind und auch die Besuche bei Ehe- und Alters-Jubiläen wo ein Austausch mit den Menschen stattgefunden hat, man immer Erkenntnisse gewinnt, die für die tägliche Arbeit von Nutzen sind, sie sind nicht möglich und lassen sich nicht kompensieren. Auch die wichtigen Gespräche im Anschluss an Sitzungen kommunaler Gremien gibt es nicht mehr, da Sitzungen als Präsenzsitzungen künftig nur noch in geringem Maße stattfinden. Neue Kommunikationsformen halten Einzug und sind für die Zukunft sehr von Bedeutung. Die fehlenden persönlichen Begegnungen sind jedoch durch nichts zu ersetzen und ein herber Einschnitt. 

Was erhoffen Sie sich vom neuen Jahr für Ihre Gemeinde?

Ich erhoffe mir, dass wir wie bisher gut durch die Pandemie kommen und die Einschränkungen nicht mehr zu lange dauern und wir in überschaubarer Zeit wieder in den normalen Alltag zurückkehren können. Ich hoffe, dass die anstehenden Projekte in unserer Gemeinde, die im letzten Jahr begonnen wurden, bzw.  für die wegweisende Beschlüsse gefasst wurden, dass wir sie weiter voranbringen und ohne zeitliche Verzögerung umsetzen können. Ich wünsche mir, dass wir als Gemeinde nicht nur einseitig, sondern als Ort der Vielfalt wahrgenommen werden. Angesichts der anstehenden Kommunal- und Bürgermeisterwahlen wünsche ich, dass es gelingt, die Menschen davon zu überzeugen, dass der Gang zur Urne enorm wichtig ist und ich mit meinem Kreuz auf dem Stimmzettel über die weitere Entwicklung des Gemeinwesens abstimme.

Welches Thema hätten Sie in diesem Jahr lieber nicht auf der Tagesordnung und warum?

Die Themen, die einen im Laufe eines Jahres begleiten kann man sich nicht aussuchen und man kann sie auch nicht voraussehen. Unsere anstehenden Themen sind in diesem Jahr wieder vielfältig und gemeinsam mit den tollen Menschen in unserer Gemeinde packen wir sie an.

Was ist aus Ihrer Sicht gut gelaufen 2020 in Eschede?

Im Rat sind wichtige und wegweisende Beschlüsse zur Entwicklung der Gemeinde gefasst worden. Das Projekt der Umgestaltung des Glockenkolks, seiner Gebäude und auch der entsprechenden Freiflächen hat damit klare Formen angenommen. Zudem sind damit für die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde die Pflöcke eingerammt worden, wodurch wir als Standort, der die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schon immer besonders gefördert hat, weiter vorankommen. Das sehr schöne Feuerwehrgebäude konnte übergeben werden, ebenso ein weiteres neues Feuerwehrfahrzeug. Der fertiggestellte Bürgerpark erfreut sich allgemeiner Beliebtheit.

Wo sehen Sie noch größeren Handlungsbedarf und was können Sie als Bürgermeister tun, damit es hier vorangeht?

Die Pandemie lehrt uns, dass wir unsere Arbeit künftig anders gestalten und vieles neu organisieren müssen. Wir sind technologisch leider noch nicht soweit, dass alles problemlos funktioniert. Hier muss man dranbleiben. Zur Entwicklung der Gemeinde ist weitere Baulandausweisung insbesondere im Kernort vonnöten, in den umliegenden Orten sind wir ebenfalls gefordert. Durch kluge Lösungen, indem wir anstehende Projekte wie den Ausbau der Straßenbeleuchtung umsetzen, muss es gelingen, den Breitbandausbau in allen Orten zu realisieren. Das Thema Ortsumgehung der B 191 und die Überlegungen der Bahn zum Ausbau des Schienennetzes mit ihren Folgewirkungen, aber auch den Chancen für die Gemeinde, müssen stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken, auch wenn die Realisierung noch dauern wird. 

Ihr wichtigster Vorsatz für 2021?

Gesund bleiben, mit Mut und gesundem Optimismus nach vorne schauen.

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