Interview mit Jörg Makel: "Mit Zuversicht kann man alle Lagen bezwingen"

Politik Von Susanne Zaulick | am Fr., 12.02.2021 - 15:00

LANDKREIS CELLE. In diesem Jahr finden die ersten Wochen des Jahres ohne Neujahrsempfänge statt. Anstelle der sonst in vielen Gemeinden üblichen Rück- und Vorausschau zum Jahresanfang haben wir die Bürgermeister im Landkreis Celle gebeten, für CELLEHEUTE zu berichten, wie die Stimmung vor Ort ist, welche Themen die Politik auf der Agenda hat und was für das kommende Jahr geplant ist. Heute beantwortet Jörg Makel, Bürgermeister der Gemeinde Nienhagen, unsere Fragen zur Situation vor Ort.

Herr Makel, wie ist die Stimmung in Nienhagen? 

In diesen Zeiten hat das dörfliche Leben und der Zusammenhalt der Menschen hier sicher Vorteile gegenüber anderen Lebensräumen. Ich weiß, dass die meisten Menschen sich hier sicher fühlen aber vielen spielt das Schicksal eben auch übel mit und zwar nicht nur wegen des Lock-Downs und allem, was damit zusammenhängt. Besondere Ereignisse bringen ganze Lebensentwürfe ins Wanken und wenn man betroffen ist, kann man nur hoffen, trotz allem zuversichtlich zu bleiben. Mit Zuversicht kann man am Ende alle Lagen bezwingen. Ich glaube, die meisten Menschen hier im Dorf sind zuversichtlich.

Was überwiegt angesichts der coronabedingten Einschränkungen: Frust darüber, dass vieles nicht stattfinden kann oder Aufatmen, dass Dinge abgearbeitet werden können, für die man jetzt endlich mal Zeit findet? 

Ich bin ein positiv denkender Mensch und da ich davon ausgehe, dass wir vielleicht noch in diesem Jahr die Menschen wieder zu Veranstaltungen einladen können, mache ich mich an die Planung solcher kleinen Events. An Ideen mangelt es nicht und da ich eigentlich kaum etwas "liegen lasse" ist eh nichts da, was ich jetzt aufarbeiten könnte. 

Wie kompensieren Sie die fehlenden Gespräche und Begegnungen mit Bürgern? 

Mit Alltagsmaske und jetzt überwiegend auch FFP 2-Maske und Abstand! Aber ja, es ist schon bedauerlich, gerade die Jubilare zur Zeit nicht mehr besuchen zu können oder regelmäßig in die Seniorenstifte oder in voll besetzte Kindertagesstätten zu gehen. Aber Video-Meetings sind ein wenig Ersatz und toll ist, dass auch ältere Menschen bereit sind, mit mir über dieses Format zu kommunizieren. Ersetzt aber nicht das persönliche Hände schütteln, das auf die Schultern klopfen, anderen Mut zuzusprechen oder einfach nur das Zuhören.

Was erhoffen Sie sich vom neuen Jahr für Ihre Gemeinde?

Habe ich drei Wünsche?
Der erste, dass sich in diesem Jahr mindestens 70 % der Bürgerinnen und Bürger aus Nienhagen gegen Corona/Covid 19 impfen lassen
Der zweite, dass wir unsere Beiträge auch hier im Dorf leisten um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen.
Der dritte, dass diese Zeit die Menschen auch stärkt und am Ende des Jahres viele sagen können, dass sie weiterhin Lust auf dieses Leben und die Zukunft haben.

Welches Thema hätten Sie in diesem Jahr lieber nicht auf der Tagesordnung und warum?

Die Diskussion zur Frage der Anschaffung von Raumluftfiltern für die Kindertagesstätten. Wir haben das jetzt richtiger Weise gemacht und die Geräte angeschafft, aber ohne Corona hätte es diese Situation und die Diskussion darum gar nicht gegeben - ich hätte also gern darauf verzichtet.

Was ist aus Ihrer Sicht gut gelaufen 2020 in Nienhagen?

Kommunale Politik lebt von den sehr unterschiedlichen Ideen und Meinungen der Menschen um daraus das möglichst beste Ziel zu erreichen. Wir hatten auch in diesem Jahr immer eine faire Diskussionskultur um am Ende Ergebnisse zu bekommen, die dem Dorf und den Menschen dienen, wobei jeder weiß, dass man es nicht allen recht machen kann. Und ganz besonders freue ich mich, dass wir den Neubau einer weiteren Kindertagesstätte auf den Weg gebracht haben und zwar nicht nach dem Muster einfach-schnell-ausreichend und gut, sondern ein Projekt, das in jeglicher Hinsicht nachhaltig ist, angefangen vom Baukörper bis hin zu den Betreuungsangeboten. Und das Infrastrukturprojekt Glasfaserausbau ist gelungen und wird in diesem Jahr abgeschlossen. Jetzt fehlt nur noch der Ortsteil Nienhorst, das schaffen wir aber auch noch.

Wo sehen Sie noch größeren Handlungsbedarf und was können Sie als Bürgermeister tun, damit es hier vorangeht?

Zwei Dinge: Zum einen den Vereinen und Verbänden wieder die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie brauchen, um gerade nach den Corona bedingten Einschränkungen wieder Fuß zu fassen. Dazu gehört für mich die Erweiterung der Sporthalle Nienhagen um sie barrierefrei zu gestalten und Menschen mit körperlichen Einschränkungen die Teilhabe am Sport zu ermöglichen und ein Kunstrasenplatz, damit gerade die jungen Sportlerinnen und Sportler ganzjährig trainieren können. Und zum Zweiten müssen wir uns mehr im sozialen Wohnungsbau engagieren. Kleinere Wohnungen zum kleinen Preis.

Und was kann ich dafür tun? Gute Konzepte entwickeln und die Politik davon überzeugen, dass wir hier investieren müssen, auch wenn es erstmal Geld kostet, dass wir nicht haben - also über Kredite investieren.

Ihr wichtigster Vorsatz für 2021?

Redlichkeit, Warmherzigkeit und Toleranz weiterhin pflegen und nichts tun oder unterlassen, wofür ich mich schämen müsste. Die Worte stammen von Benjamin Ferencz, er ist heute über 100 Jahre alt und war 1946 Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen. Eine beeindruckende Persönlichkeit und seine Worte mache ich gern zu meinem Vorsatz für das neue Jahr.

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