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Höchste Sicherheitsstufe am OLG

„IS-Hassprediger“ – Prozessauftakt gegen „Abu Walaa“ in Celle

26.09.2017 - 22:58 Uhr     CelleHEUTE    0

CELLE. Unter großem Medieninteresse begann am Vormittag vor dem Oberlandesgericht Celle der Prozess gegen den Islamisten und mutmaßlichen „IS“-Terroristen „Abu Walaa“. Wir berichteten in unserer Facebook-Ausgabe. Der Iraker gilt als Führungsfigur des „IS“ in Deutschland. Neben ihm müssen sich vier weitere Angeklagte vor Gericht verantworten.

Mit „amerikanischem Sirenen“ und gepanzerten schwarzen Audi wurden die Angeklagten unter großen Sicherheitsvorkehrungen zum Gericht gefahren. Verhandelt wird im Hochsicherheitstrakt des Gerichts, die Angeklagten sitzen hinter einer Panzerglasscheibe. Die Anwälte können nur durch die Scheibe mit ihnen Mandanten sprechen. Die Zuschauer sitzen ebenfalls hinter Panzerglas. Wegen der Sicherheitsvorkehrungen begann der erste Prozesstag rund 45 Minuten später als geplant. Vorher mussten alle Besucher eine Sicherheitsschleuse passieren. Handys sind im Gerichtssaal streng verboten. Laut Gericht gebe es Anschlagsdrohungen und einen Aufruf im Internet zur Befreiung eines Angeklagten.

Der 33-Jährige Iraker, mit dem bürgerlichen Namen Ahmad Abdulaziz Abdullah, sei nach Auffassung der Bundesanwaltschaft die zentrale Führungsfigur der Terrormiliz in Deutschland. Auch der Berliner Attentäter Anis Amri soll sich in seinem Umfeld aufgehalten haben. Laut Anklage sollen sich Zwillinge aus Castrop-Rauxel in Syrien als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt haben – bei dem Attentat starben mehr als 150 Soldaten. „Abu Walaa“ wirkt bei der Verlesung dieser und anderer Anklagepunkte gelassen.

Die fünf Männer im Alter zwischen 27 und 51 Jahren sollen in einer Hildesheimer Moschee Menschen für den IS rekrutiert haben. Sie waren im November 2016 in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft (CelleHeute berichtete).

Mehrere V-Leute der Polizei und ein ehemaliger IS-Sympathisant als Kronzeuge, der zum „IS“ nach Syrien reiste, sich aber bald in Deutschland den Behörden stellte, sagen gegen den Hauptangeklagten aus. Die Verteidigung ist allerdings überzeugt, dass ein V-Mann „VP01“ des Landeskriminalamtes NRW Anis Amri immer wieder zum Verüben von Anschlägen aufgefordert habe. Deswegen dürfe er nach ihrer Sicht nicht als Zeuge aussagen.

29 Verhandlungstage sind bis Ende Januar angesetzt, 70 Zeugen sollen bis dahin gehört werden.
Den Angeklagten drohen bei einer Verurteilung jeweils bis zu zehn Jahre Haft. Der „Deutsche Islamkreis Hildesheim“ (DIK) ist inzwischen verboten worden.

Fotos: Peter Müller

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