Jahresempfang der Straffälligenhilfe Schwarzes Kreuz zum Thema "Haft vermeiden"

Religion Von Redaktion | am Mi., 12.02.2020 - 16:08

CELLE. „Haft vermeiden – ein Erfolgsmodell!“ war gestern Abend das Thema beim Jahresempfang der Straffälligenhilfe Schwarzes Kreuz bei ihrer Anlaufstelle Projekt Brückenbau. Henning Buchhagen, Vorsitzender des Fachausschusses Projekt Brückenbau, begrüßte rund 60 Gäste, darunter Burkhard Teschner, Referent von der Diakonie Osnabrück.

Grußworte sprachen zunächst Thomas Adasch, Mitglied des Niedersächsischen Landtages, und Ulrike Single, Referentin für Straffälligenhilfe der Diakonie in Niedersachsen. Adasch bedankte sich bei den ehrenamtlichen Helfern vom Schwarzen Kreuz und Projekt Brückenbau und betonte deren Wichtigkeit für die Gesellschaft. Er führte an, dass „das Projekt sehr erfolgreich realisiert wird“- und das auch landesweit: „Zuletzt hat sich das Land Bayern durch Niedersachsen für die Durchführung eines derartigen Projektes inspirieren lassen“.

Single zeigte sich sehr beeindruckt von der Arbeit und Ausstattung der Anlaufstelle. Das Kreativcafé, in dem auch die Veranstaltung stattfand, sei für sie das „Herzstück“, da sich Straffällige dort einerseits mit Angehörigen treffen, „aber auch Gespräche mit den Kollegen und Kolleginnen führen könnten“.

Teschner ist ein Initiator des seit zehn Jahren bestehenden Projektes „Geldverwaltung zur Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen“. Anlaufstellen, wie auch das Projekt Brückenbau, unterstützen Straffällige dabei, eine solche Ersatzfreiheitsstrafe abzuwenden. Andernfalls wären der zu befürchtende Nachteil, dass sich die Situation für die betreffenden Personen als Sträflinge weiter verschlechtert und hohe Steuergelder für die Haftkosten aufgebracht werden müssen.

Kritisiert wurde von Teschner, dass Straffällige nach nicht gezahlter Geldstrafe keine Bewährungsstrafe bekämen, sondern eine Haftstrafe. Zweitens seien in einigen Fällen auch die verhängten Geldstrafen zu hoch und nicht verhältnismäßig zu dem Einkommen eines Straftäters, der diese so nicht mehr abbezahlen könne. Gerade, wenn ein Bürger mit guter Entlohnung durch eine Straftat seine Arbeit verliere, die Höhe der Geldstrafe aber an diesen Lohn geknüpft wird, trete dieser Fall auf.

Dennoch sei die Erfolgsstatistik gut. Durch die 14 Anlaufstellen in Niedersachsen seien laut Statistik innerhalb von acht Jahren rund 200 000 Hafttage verhindert worden. Der Staat habe so etwa 5 Millionen Euro eingespart. Teschner betonte zuletzt, dass der Erfolg aber nicht nur am Geld gemessen werden sollte. „Wir sehen auch, dass dadurch die Haft vermieden wird und wir den Menschen vor Schlechterem bewahren können“.

Text: Elias Schladebusch