"Jeder kann frei seine Meinung sagen - sie muss nur links genug sein"

Politik Von Redaktion | am Do., 09.09.2021 - 16:41

CELLE. „Da ich gesehen habe, dass Sie sich als Kandidatin der AfD aufgestellt haben und ich daher davon ausgehen muss, dass Sie die Ansichten dieser Partei vertreten, werden wir keine weiteren Arbeiten bei ihnen durchführen.“ So zitiert Thomas Ehrhorn, Bundestagsabgeordneter der AfD, die kurze Mitteilung eines Lachendorfer Handwerksbetriebs an die dortige AfD-Kandidatin für den Gemeinderat.

"Ein Plakatwahlkampf der AfD ist fast unmöglich, da etwa neunzig Prozent der Plakate innerhalb von vierundzwanzig Stunden beschmiert, zerrissen und zerstört werden", berichtet Ehrhorn weiter. In einer Podiumsdiskussion der Celleschen Zeitung, in welcher sich der AfD-Kreistagskandidat sehr sachlich, moderat und abgewogen geäußert habe, sei eine junge Frau ans Mikrofon getreten und habe die Frage gestellt, wie es denn sein könne, dass die AfD überhaupt an der Veranstaltung teilnehmen dürfe. "Dies ist um so verstörender, da eine angemessene Reaktion der Moderatoren ausbleibt", kritisiert Ehrhorn, dem noch ein weiteres Beispiel für Diskriminierung von AfD-Mitgliedern bzw. Anhängern einfällt: Im Berliner Restaurant „Nobelhart & Schmutzig“ hätten AfD-Anhänger keinen Zutritt.

„Es ist erschreckend, dass sich Menschen, die sich selbst vermutlich als Demokraten bezeichnen würden, das Recht zur freien Meinungsäußerung offenkundig nur sich selbst zugestehen, nicht aber anderen“, sagt Ehrhorn. Noch erschreckender sei es allerdings, dass es in der viel beschworenen Zivilgesellschaft diesbezüglich keinen Aufschrei der Empörung gebe. Der Grundsatz, dass Freiheit immer auch die Freiheit des Andersdenkenden ist, scheine vergessen. Es sei offenbar ersetzt durch den Grundsatz: "Jeder kann hier frei seine Meinung sagen, … sie muss halt nur links genug sein".

„Tatsache ist doch“, so Ehrhorn, „dass diejenigen, die sich zu Recht über das Dritte Reich und den Aufruf: ‚Kauft nicht bei Juden‘ empören, Leute, die anderen gern gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit unterstellen, offenkundig heute selbst bereit sind, Andersdenkende auszugrenzen, auszuschließen und auszusperren.“