CELLE. Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund hoffen in Deutschland auf einen Neuanfang. Besonders für Frauen aus anderen Kulturkreisen ist das eine große Herausforderung. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Celle, dem Landkreis Celle und der Zuwanderungsagentur der Stadt Celle hat das Jobcenter im Landkreis Celle deshalb geflüchtete Frauen zu einem Infocafé eingeladen. Das Ziel: Hemmschwellen abbauen, Austausch ermöglichen, individuell beraten und berufliche Perspektiven aufzeigen.

Vor mehr als 30 Jahren kam Vasfiye Arslan nach Deutschland, die junge Türkin war damals gerade mal 19 Jahre alt. Kurz darauf kamen ihre beiden Kinder zur Welt. Vasfiye Arslan arbeitete zunächst als Aushilfe in einem Supermarkt: „Uns ging es gut und mein Mann hatte eine tolle Arbeit.“ Doch als ihr Mann im Jahr 2011 verstarb, musste die junge Mutter für alles selbst sorgen. „Plötzlich stand ich da allein – mit einer kleinen Witwenrente und zwei schulpflichtigen Kindern. Mir war schnell klar: Ich muss besser Deutsch lernen und Arbeit finden“.

Das Jobcenter im Landkreis Celle half ihr bei diesem wichtigen Schritt: Die junge Mutter machte eine Ausbildung zur Schwesternpflegerin. Das war der Startschuss für ein neues Leben: „Die Arbeit war meine Therapie“, erzählt die 52-Jährige. Bis heute arbeitet sie in einem Seniorenheim mit Demenzkranken, sie ist sich ganz sicher: „Ohne den Job und die Hilfe vieler Menschen hätte ich es nicht geschafft. Und mit dieser Botschaft möchte ich auch anderen Frauen Mut machen. Denn die Arbeit bedeutet mir viel.“

Von solchen Erfahrungen können Frauen profitieren, die erst seit kurzem in Deutschland sind, meinen die Veranstalter des Infocafés. Ein Ort zum Austausch – das steckt auch hinter der Idee des Cafés. Rund 90 Frauen mit Migrations- und Fluchthintergrund sind der Einladung gefolgt. Es geht um Themen wie Ausbildung und Job, aber auch um Informationen zur Anerkennung der ursprünglich im Heimatland gelernten Berufe. Ein offener Workshop vom Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V. und „IQ-Netzwerk“ gab den Frauen einen Überblick über das Leben und Arbeiten in Deutschland. Die Initiatorinnen der Veranstaltung möchten die Frauen aber vor allem zur Selbstständigkeit ermutigen.

„Arbeit zu haben, ist ganz wichtig. Dabei geht es nicht nur um ein regelmäßiges Einkommen, sondern um soziale Kontakte, eine Tagesstruktur mit Aufgaben, das Gefühl, gebraucht zu werden und nicht zuletzt um ein selbstbestimmtes Leben“, erklärt Sylke Schwanhold, Geschäftsführerin des Jobcenters im Landkreis Celle. „Und genau diese Chancen wollen wir jeder Frau ermöglichen.“ Das Jobcenter unterstütze außerdem bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Ein Job und sogar eine Ausbildung sind auch in Teilzeit möglich“, erklärt Dyana Mieske-Borchers, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) des Jobcenters im Landkreis Celle.

Auch Helene Jakob hat sich beim Infocafé über ihre Möglichkeiten informiert. Die 34-Jährige ist alleinerziehende Mutter, stammt gebürtig aus der Ukraine. Vor einem Jahr ist sie nach Deutschland gekommen. Sie möchte sich hier ein neues Leben aufbauen. „Am liebsten möchte ich mit Kindern arbeiten“, sagt die junge Frau. Ihre Chancen stehen laut Agentur für Arbeit gar nicht schlecht, denn dank der absolvierten Sprachkurse spreche sie schon ziemlich gut Deutsch. Helene Jakob sei damit auf einem guten Weg und komme – Stück für Stück – ihrem Traum vom Leben und Arbeiten in Deutschland näher.

Die Initiatorinnen der Veranstaltung: (v.l.n.r.)
Ulrike Brinken, Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe Landkreis Celle, Dyana Mieske-Borchers, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) Jobcenter im Landkreis Celle, Monika Rietze, Bildungsmanagerin Zuwanderungsagentur Celle, Sabine Mix, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) Agentur für Arbeit Celle. Foto: Machmoud Al Khamies

Sylke Schwanhold, Geschäftsführerin Jobcenter im Landkreis Celle, Foto: Inga Haarstrick



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