HERMANNSBURG. „Frau Behn ist eine sympathische, freundliche, immer ansprechbare, gut organisierte, gut informierte und vernetzte Frau.“ Dieser Satz, geschrieben von der Hermannsburgerin Edeltraud Brand an die Niedersächsische Staatskanzlei hat, mit noch einigen anderen, dazu geführt, dass heute im Rathaus Hermannsburg ein Bundesverdienstkreuz übergeben wurde. Empfängerin war Brigitte Behn, 60 Jahre alt, vielfältig engagiert und eine bodenständige, geborene Bavenerin. „Ich dachte zuerst, da will mich jemand veräppeln als ich die Nachricht bekam“, gestand sie in ihrer kleinen Ansprache vor Familienmitgliedern, Weggefährten, Bürgermeister Axel Flader und Landrat Klaus Wiswe.

Wiswe hatte zuvor in seiner Laudatio erläutert, welche Aufgaben Brigitte Behn im Laufe ihres Lebens ehrenamtlich übernommen hat und mit welchen Eigenschaften sie dabei ihre Ziele ansteuerte. Über die Familie sei sie zur Elternarbeit gekommen und habe sich als Elternratsvorsitzende an der Hermann-Billung-Grundschule engagiert. Von dort führte der Weg weiter in die Jugendarbeit, bei der ihr Prävention in allen Facetten besonders am Herzen lag. AG Prävention, Präventionsrat, die Gründung des Jugendzentrums Fiesta und der Vorsitz im Förderverein für das Jugendzentrum waren und sind nur einige Aufgaben, die die Mutter dreier mittlerweile erwachsenen Söhne, stets freundlich und auf Kompromisse bedacht, aber auch hartnäckig ausgefüllt habe. Organisation von Musikfestivals, Theateraufführungen und Beratungsmessen – immer vor dem Hintergrund des Präventionsgedankens – hielten sie ebenfalls auf Trab. Darüber hinaus war Brigitte Behn in der Gemeinde der Großen Kreuzkirche und dort vor allem in der Begleitung von Bauprojekten aktiv.

„Du kannst Menschen begeistern und mitnehmen. Das sucht seinesgleichen“, lobte Bürgermeister Axel Flader. „Sie sind ein Vorbild für unsere Gesellschaft“, fand auch Landrat Klaus Wiswe anerkennende Worte. Die Gewürdigte selbst verwies lieber auf ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter: „Ohne die ist man nichts.“

Ansprache von Landrat Klaus Wiswe (es gilt das gesprochene Wort):

Sehr geehrte Frau Behn,
Ich begrüße Sie und Ihre Familie ganz herzlich zu dieser Feierstunde. – Ihren Mann Friedhelm
– Ihre Söhne Sven Oliver, Lars Kristian und Timm Jonas und auch deren Familien
– Ihre Schwiegermutter Friedeburg Behn
– Herrn Bürgermeister Flader
– Frau Brand (Initiatorin des Preises)

Meine Damen und Herren,
ich darf Sie alle ganz herzlich begrüßen. Auch die Vertreter der Presse heiße ich willkommen! Ich freue mich, heute hier sein zu können, um Ihnen, liebe Frau Behn, diese hohe Auszeichnung des Bundespräsidenten überreichen zu können. Denn diese Verdienstmedaille ist eine Anerkennung Ihrer umfangreichen Arbeit für die Gesellschaft und das Miteinander, besonders in Ihrer Heimatregion, die lange unter dem Name Gemeinde Hermannsburg und heute unter Gemeinde Südheide firmiert.

Meine Damen, meine Herren, liebe Frau Behn,
lassen Sie uns auf Ihren Werdegang schauen. Sie sind, das kann man wohl sagen, ein Kind der Südheide. Geboren wurden Sie am 21. März 1959 in Celle. Sie lebten mit Ihrer Familie in Baven, gingen dort auch in den ersten Jahren zur Schule und später zur Christian-Realschule. Nach dem Abschluss absolvierten Sie eine Ausbildung bei der Sparkasse Celle und arbeiteten dort eine Weile bis Sie mit Ihrem Mann Friedhelm Ihre Familie gründeten.

Über die Familie begann, so wurde es mir berichtet, dann auch Ihre Arbeit für die Gemeinschaft, denn Sie haben sich zunächst als Elternvertreterin an der Hermann-Billung-Grundschule engagiert, waren dort auch Elternratsvorsitzende. Zusammen mit der damaligen Direktorin der Grundschule, Frau Rehders, und einigen anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern gründeten Sie dann 1990 die Arbeitsgruppe Prävention. Sie wollten Kindern, die nicht in Vereinen organisiert waren, eine Anlaufstation bieten. Aus dieser Arbeitsgruppe resultierte die Gründung des Jugendzentrums Fiesta, bei dem Sie, liebe Frau Behn, auch heute noch Vorsitzende des Fördervereins sind. Der Präventionsrat, der sich 2007 aus der AG Prävention gegründet hat, bietet zudem Präventionssprechstunden an und greift auch immer wieder neue Themen auf, ganz aktuell zum Beispiel das Thema Cyber-Mobbing.

Sie sind außerdem beim Albert-Schweizer-Familienwerk engagiert. Die Futura-Stiftung Ihrer Familie unterstützt die Arbeit des Familienwerkes. Sie organisieren mit Schulen und vielen weiteren Helfern Theateraufführungen oder auch Konzerte wie bisher „Rock am Teich“. Durch Ihre zahlreichen Kontakte haben Sie, liebe Frau Behn, es auch geschafft, einen jährlich stattfindenden Beratungsmarkt zu organisieren. Dort werden Angebote zur Beratung und Hilfe für Schüler, Lehrer, Eltern und allen Interessierten vorgestellt.

Erwähnen möchte ich hier auch noch Ihre Arbeit in der Kirchengemeinde der Großen Kreuzkirche. Wie mir gesagt wurde, haben Sie dort unter anderem alle großen Bauprojekte der vergangenen Jahre ehrenamtlich begleitet. Wer selber einmal gebaut hat, weiß, dass das nicht unbedingt immer vergnügungssteuerpflichtig ist, aber sie haben sich dabei immer engagiert und sich dabei besonders für Nachhaltigkeit stark gemacht. Und Sie sind sich auch nicht zu schade, selber zu Pinsel oder Besen zu greifen, um selber mit anzupacken, eine Frau der Tat.

Damit komme ich eigentlich fast zum wichtigsten Punkt, nämlich, wie kommt Ihr Wirken bei den Menschen an?
Zunächst einmal ist festzustellen, dass Ihre Arbeit auch Menschen beeindruckt, die Sie gar nicht so gut kennen. So jedenfalls hat es Frau Edeltraud Brand in Ihrem Brief an die Niedersächsische Staatskanzlei angegeben, als sie Sie, liebe Frau Behn, für diese besondere Ehrung vorgeschlagen hat. „Frau Behn ist eine sympathische, freundliche, immer ansprechbare, gut organisierte, gut informierte und vernetzte Frau“, hat Frau Brand in ihrem Antrag geschrieben.

Das ist die eine Seite, doch manchmal muss man ja auch Widerstände überwinden, Menschen überzeugen. Und hier haben Sie, so wurde es mir berichtet, Eigenschaften, die manchen in der heutigen Zeit ein wenig verloren gegangen sind. Freunde beschreiben Sie als sehr diplomatisch, den Ausgleich suchend, eben den Kompromiss zu finden, mit dem alle leben können. Und dabei, so wurde es mir auch gesagt, sind Sie durchaus hartnäckig und auch mal sturmfest in der Sache, wie wir Niedersachsen und besonders die Heidjer nun mal sind.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass Sie große Teile Ihres Lebens in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben. Als Landrat des Landkreises Celle spreche ich Ihnen für Ihr langjähriges, ehrenamtliches Wirken zum Wohl der Allgemeinheit, oftmals unter Zurückstellung Ihrer eigenen und privaten Belange, meinen besonderen Dank aus. Mein Dank gilt aber nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrer Familie, die Sie durch Ihr großes Engagement viele Stunden entbehren musste, weil Ihre Tätigkeiten sicher untrennbar mit einem hohen Aufwand an privater Zeit verbunden waren.

Sie sind ein Vorbild für unsere Gesellschaft und ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement für unsere Gesellschaft ist. Verwaltungen wie die Gemeinde Südheide oder der Landkreis Celle können den Rahmen setzen, ein Grundgerüst der Daseinsvorsorge schaffen. Doch eine Region, in der es sich gut und gerne leben lässt, wird nur dadurch geschaffen, dass Menschen sich für diese Gemeinschaft engagieren. Genau aus diesem Grund haben die Gründerväter und -mütter der Bundesrepublik Deutschland diese Auszeichnung auch geschaffen, den Dienst an der Gemeinschaft zu würdigen.
Ich habe nun die erfreuliche Ehre, Ihnen die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Verleihungsurkunde aushändigen zu dürfen.

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.