K + S: "Bürgerinitiative entwirft Horrorszenario abseits aller Fakten"

Wirtschaft Von Extern | am Do., 04.02.2021 - 17:13

KASSEL/WATHLINGEN. Am 22. Januar hatte die Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen gewarnt, dass K + S möglicherweise auch Flüssigkeit aus der Asse in das stillgelegte Kalibergwerk bei Wathlingen einleiten könnte (CELLEHEUTE berichtete). Außerdem könnten Gifte aus Rüstungsaltlasten, die dort lagerten, bei einer Flutung freigesetzt werden. Die K + S AG als Betreiber stellt sich diesen Aussagen jetzt entschieden entgegen und hat einen "Faktencheck" zusammengestellt. 

Die Pressemitteilung von K + S geben wir hier im Original wieder:

„Der Zweck heiligt die Mittel“ – nach diesem Motto scheint der Sprecher der Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen e.V. zu verfahren, wenn es darum geht, ein unerwünschtes Projekt um jeden Preis in Verruf zu bringen. Dazu gehört leider auch die gezielte Verdrehung der  Fakten. Die aktuelle Veröffentlichung der BI „Droht Wathlingen und Hänigsen eine (chemische Kampfstoff)-Asse?“ stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten – ein Faktencheck.

Die am 23.01. im Wathlinger Boten (und am 22. Januar auf CELLEHEUTE.DE Anm. d. Red.) veröffentlichte Mitteilung der Bürgerinitiative enthält nicht nur zahlreiche Fehler, sondern beginnt gleich mit einer dreisten Lüge. Diese dient ausschließlich dem Zweck, das Problembergwerk Asse in eine direkte Beziehung zur Flutung des Bergwerkes Niedersachsen-Riedel zu setzen. Dabei sind dem Verfasser die an den Namen „Asse“ geknüpften Assoziationen offenbar so wichtig, dass er eine Verbindung konstruiert, die tatsächlich überhaupt nicht besteht.

Behauptung: „… will die Firma K+S eingesickerte Lauge aus der Asse zukünftig voraussichtlich in das hiesige Bergwerk einleiten.“

Die Fakten: K+S lehnt die Verbringung von Zutrittslösung aus dem Bergwerk Asse nach Niedersachsen-Riedel ab und wird diese Wässer nicht für die Flutung verwenden.

Behauptung: „… ist beschönigend von einer „Insellage“ des Lagerbereiches der Rüstungsaltlasten im Bergwerk die Rede…“.

Die Fakten: Die ehemalige Munitionsanlage befindet sich im Kernbereich des Bergwerkes. Die Räume haben nachweislich einen Abstand von mindestens 150 Metern zum Salzstockrand.

Behauptung: „Verschiedene – laut der BI Umwelt vorliegender behördlicher Unterlagen offene – Schächte sind dabei offenkundig „vergessen“ worden.“

Die Fakten: Was fast konspirativ wie das Ergebnis einer investigativen Recherche präsentiert wird, ist nichts anderes als der Hinweis auf Örtlichkeiten, die im freigegebenen Teil der Grube – außerhalb der verfüllten Zugänge zur früheren Munitionsanlage – liegen und die im Rahmen des regulären Bergwerksbetriebes genutzt wurden.

Behauptung: „Bei der Bewertung der möglichen Arsen-Konzentration im Bergwerk nach einer Flutung im Verhältnis zu der natürlichen Belastung haben sich gleich mehrere Gutachter um den Faktor 1.000 vertan.“

Die Fakten: Der Verfasser bleibt den Beleg für diese Behauptung schuldig. Sie dient offenbar ausschließlich dem Zweck, die vorliegenden gerichtsfesten Gutachten zu diskreditieren.

Behauptung: „Nach einer Explosion von 10.000 Tonnen Sprengstoff in unmittelbarer Nähe zum Salzstockrand … muss zudem davon ausgegangen werden, dass es im Salzstock Risse gibt.“

Die Fakten: Die Räume der Munitionsanlage befanden sich nachweislich mindestens 150 Meter vom Salzstockrand entfernt, also nicht in „unmittelbarer Nähe zum Salzstockrand“ – ein Blick in das offizielle Riß-(Karten-)werk bestätigt dies. Der Salzstock ist durch die Detonation der eingelagerten Munition definitiv nicht geschwächt oder im Randbereich durchlässig geworden.

Behauptung: „Was passiert, wenn die … 10.000 Kilogramm Arsen in das Grundwasser gelangen oder die Kampfstoffgase während der Flutung aus dem Schacht ausgasen?“

Die Fakten: Diese Frage ist bereits Gegenstand gleich mehrerer Fachgutachten (u.a. Golder 1998, Wehrtechnisches Institut für Schutztechnologie/WIS 2006) gewesen und auch Bestandteil einer Stellungnahme der niedersächsischen Landesregierung aus dem Jahr 2006. Fazit: Das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk-, Explosiv- und Betriebsstoffe Munster (WIWEB) sieht keine Gefährdung hinsichtlich einer möglichen Grundwasserkontamination, da sich zwar die arsenhaltigen Produkte unter Salzlösung in ihre Bestandteile zersetzen, sich allerdings höchstens im Nahbereich der Ablagerung eine erhöhte Arsenkonzentration ausbilden wird. Eine Mobilisierung ist aber bei fehlender Konvektion im Grubengebäude (Anm.: die durch die Abdämmung der Einlagerungsbereiche gegeben ist) nicht möglich.

Schlussfolgerung: Ängste schüren um jeden Preis statt sachlicher Auseinandersetzung

Das Ergebnis des Faktenchecks ist eindeutig: Die gezielte Vermischung von Falschbehauptungen, spekulativen Mutmaßungen, Verdrehungen und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten dient ganz offensichtlich dem Zweck, um jeden Preis Ängste zu schüren. Der Zweck heiligt eben die Mittel!

Die Kehrseite: Wer so wie der Sprecher der Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen mit Fakten umgeht, der stellt öffentlich seine eigene Glaubwürdigkeit in Frage. Das ist vor allem deswegen bedauerlich, weil es die Spielräume für einen sachorientierten Dialog sehr einschränkt.

 

BI Umwelt Wathlingen warnt vor Rüstungsaltlasten im Kaliberg

WATHLINGEN. Die BI Umwelt Wathlingen befürchtet, dass K + S auch Flüssigkeit aus der Asse in das stillgelegte Kalibergwerk bei Wathlingen einleiten könnte. Außerdem warnt die Bürgerinitiative vor Rüstungsaltlasten, die dort ihrer Kenntnis nach lagerten. Arsen und weitere Gifte könnten freigesetzt werden, wenn die Flutung diese ehemaligen Kampfstoffe erreiche.
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