Der Märchen-Erzähler, Autor und Musiker Ibou Ndiaye ist bereits durch mehrere Jugendbuchwochen in den Schulen in Stadt und Landkreis Celle bekannt und beliebt. Am vorletzten Abend der 12. Jugendbuchwoche stellte er sich nun auch als begnadeter Kabarettist vor. Die Stadtbibliothek Celle mit ihrer Leiterin Petra Moderow war freundlicher Gastgeber, und ein großes Publikum war herbeigeströmt.

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Ibou Ndiaye, nur mit zwei kleinen Rhythmus-Instrumenten ausgestatten, sorgte vom ersten Augenblick an mit seinem ansteckenden Lachen und seinen lebhaften Gesten für einen fröhlichen Dialog mit den Zuhörern. So lernten sie im Nu, ein afrikanisches Willkommenslied zu singen, und ließen sich dann erzählen, was ihm alles so widerfuhr, seit es ihn vor 26 Jahren zum Studium der Germanistik nach Saarbrücken verschlug. Da er bereits im Senegal beste Sprach- und Literaturkenntnisse erworben hatte, erwartete er eigentlich von uns Deutschen, dass wir uns auch in der Sprache eines Goethe, Schiller oder Thomas Mann äußern, sie aber doch wenigsten verstehen. Zudem hatte ihm seine Großmutter in Afrika, sie war Lehrerin, das afrikanische Sprichwort vorgelebt, dass ein Wort, dass die Sprache nichts weniger als Leben sei und deshalb auch nie vergehen könne.

Was aber widerfuhr Ibou Ndiaye, dem Schwarzen, in Saarbrücken und anderswo? Schnell musste er erkennen: „Im Saarland spricht man manchmal Deutsch, als Fremdsprache“, und dann demonstrierte Ibou unnachahmlich im Dialekt vorgetragene Beispiele des Tonfalls, der Nicht-Grammatik wie: „Das is für gegen den Schnuppe“, „dem sein Bruder“, und als Grußformel: „Lepscht du a no?“. Und dabei führte Ibou Ndiaye immer auf feine Art vor, welche Vorurteile dem Afrikaner begegnen. So fragt ihn ein Kind neugierig: „Bist du echt?“. In Afrika heiße es dazu wohl: „Aus dem Mund eines Kindes spricht die Familie.“ Ein türkischer Arbeiter gibt ihm den gut gemeinten Rat, in Deutschland doch ein schwarzer Fußballstar zu werden, das aber erst, nachdem Ndiaye sich ihm als Moslem zu erkennen gegeben hat, Moslems seien „gute Leute“, meint der Türke sehr tolerant. Mit vier Fragen sähen sich Fremde hierzulande immer wieder konfrontiert: „Wo kommst du her? Was machst du hier? Wie lange bleibst du? Hast du vor heimzukehren?“

Aber auch die schwarzen Freunde besäßen Vorurteile genug und pflegten die eigenartigsten Vorstellungen. So erzählt Ibou von einem Freund aus Togo, der die feste Überzeugung hegte, dass man überall in Deutschland den guten Kaffee aus seiner Heimat schätze: „Kaffee togo“, bis ihn eine Bäckerei-Verkäuferin aufklärte: Es handele sich um „Kaffee für fortzulaufe“.

Einem polnischen Taxifahrer, der schon Jahrzehnte in Deutschland lebt, habe er, Ibou, wieder Mut geben können. Denn der polnischsprachige Mann hatte die Werbung an einer Apotheke: „Die Pollen fliegen.“ als Aufforderung an in Polen gebürtige Mitbürger verstanden, Deutschland sofort zu verlassen: zu „fliegen“. Nachdem Ibou das orthografische Missverständnis aufgeklärt hatte, wurde er eingeladen: „Eva, der ist sehr schwarz, aber sehr nett, ich bringe ihn mit!“ Mit größtem schauspielerischen Talent ahmte der Senegalese nicht nur die Rede des Türken, des Polen, der Saarländer nach, sondern auch Gesten, Mimik, Gang und Tonfall einer beleibten Afrikanerin und mehrerer gemütlich langsamer Schweizer Bürger. In der Eisenbahn auf einer seiner Lesereisen fühlte sich Ibou als „Schwarzfahrer in echt“ und wurde dazu von der Schweizer Schaffnerin in Schwyzerdütsch sehr verwirrend angeredet: „“I war scho in Afrika, oder?“. Da musste der schwarze Goethe-Liebhaber erst einmal logisch sortieren. Nicht nur die Schweizer Schulkinder haben dann alles wieder ins Lot gebracht.

Das Celler Publikum war begeistert von all den guten Lehren, die in vergnüglichster Weise dargeboten worden waren. Nach vielen, vielen Lachsalven folgte ein gemeinsames Abschiedslied auf afrikanisch.

Für die Bibliotheksgesellschaft dankte Elke Haas mit dem Hinweis, der Kreis derer, die den weisen schwarzen Künstler Ibou Ndiaye verehren, habe sich multipliziert.

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