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Friedenskirche - Wilfried Manneke - Verabschiedung - Unterlüß

„Kämpfe den guten Kampf des Glaubens…“ – Unterlüßer verabschieden Pastor Wilfried Manneke

11.02.2019 - 09:08 Uhr     Susanne Zaulick    0
Fotos: Susanne Zaulick

UNTERLÜSS. Rund 20 Pastoren und Vertreter der evangelischen Kirche inklusive Superintendentin, ein Fernsehteam des NDR, der Gospelchor mit Kinderchor sowie gut 250 weitere Gottesdienstbesucher – das war das gestrige Aufgebot zur Verabschiedung des Pastors der ev. luth. Friedenskirche Unterlüß, Wilfried Manneke. Nach 23-jähriger Tätigkeit am Ort wurde der 65-Jährige durch Superintendentin Dr. Andrea Burgk-Lempart entpflichtet – seinen offiziellen Ruhestand tritt er am 1. Juni an.



„Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Zeugnis…“ – sein Konfirmationsspruch sei ihm damals, 1968, viel zu pathetisch gewesen, erklärte Manneke in einem Rückblick auf seinen Werdegang. Er habe nach der Konfirmation in Altenesch bei Bremen erst mal drei Jahre „Auszeit“ von der Kirche genommen. Eine kirchliche Jugendfreizeit in der Schweiz, an der er mit 17 Jahren teilnahm, habe sein Leben dann aber „auf ein neues Fundament gestellt“.

Auf dem zweiten Bildungsweg folgte von 1973 bis 1980 das Studium am Missionsseminar in Hermannsburg. Von dort ging es für 13 Jahre als Seelsorger nach Südafrika. Die Zeit dort, die noch von der Apartheid geprägt war, habe ihn sensibel gemacht für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, berichtet Wilfried Manneke, der dort unter anderem eine englischsprachige Gemeinde mit Mitgliedern aus elf Nationen betreute.

Der damalige Unterlüßer Jugenddiakon Helmut Sdrojek sei es dann 1995 gewesen, der ihm vorgeschlagen habe, sich für die Pfarrstelle im Ort zu bewerben. „Ich habe die Entscheidung nie bereut“, sagt Wilfried Manneke. Allerdings sei er erschrocken gewesen über die Aktivitäten Rechtsextremer in der Heide. Unter anderem lag das mit 300 Betten damals größte Neonazi-Zentrum Deutschlands im nahe gelegenen Hermannsburger Ortsteil Hetendorf. „Nach meinen Erlebnissen in Südafrika konnte ich gar nicht anders, als mich den Protesten gegen Rechts anzuschließen“, so der Pastor, der für seine Zivilcourage 2018 mit dem Paul-Spiegel-Preis ausgezeichnet wurde.

In der Gemeindearbeit stand unter anderem die Frage „Wie erreicht man Fernstehende?“ im Fokus. Neben den alle drei Jahre angebotenen Glaubens-Grundkursen, gab es Angebote wie einen Stammtisch für Erwerbslose, den Seniorenkreis („meine Lieblingsgruppe“), mit der es oft auf Reisen ging, ein aktives Musikleben mit Kantor Eike Formella und ab 2015 Flüchtlingsarbeit. Das Fundament der aktiven Kirchengemeinde seien stets die Ehrenamtlichen gewesen, betont der Pastor, Ehemann und vierfache Vater, der mittlerweile mit seinem damaligen Konfirmationsspruch ganz zufrieden ist: „Er ist Vergewisserung und Zuspruch“. Das dürfte er auch künftig bleiben, wenn der Theologe sich weiterhin seinem Engagement für Demokratie und gegen Rechtsextremismus widmen will. In den kommenden Monaten wird er Vorträge halten und mit seinem Buch „Guter Hirte – braune Wölfe“ auf Lesereise gehen.

Superintendentin Andrea Burgk-Lempart würdigte in ihrer Ansprache Mannekes „klares politisches Engagement“, aber auch seine Aktivitäten in der Gemeinde und als Notfallseelsorger. So war er unter anderem bei der Bahnkatastrophe 1998 in Eschede im Einsatz. Er sei eine „Zierde des Kirchenkreises“, dessen Kreistag er als Vorsitzender seit 2006 geleitet hat. Gemeindebürgermeister Axel Flader trat ebenfalls ans Mikrofon in der Kirche. Manneke sei seinem Beruf, der in diesem Fall echte Berufung sei, mit sehr großem Engagement nachgekommen und habe sich große Hochachtung und Wertschätzung erworben. Von Seiten des Kirchenvorstands würdigte Uwe Fassauer das „überregionale Tun“ des Gemeindepastors, der schon bald den Spitznamen „der Reisepastor“ erhielt. Er sei aber nicht nur als Botschafter Jesu, sondern auch der Unterlüßer Gemeinde viel in der Welt unterwegs gewesen, betonte Fassauer. Vom Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus gab es anerkennende Worte im Rahmen des anschließenden Empfanges im Gemeindehaus. Dass seine Familie das Engagement, das auch zu Anfeindungen und Bedrohungen geführt habe, mittrage, sei nicht selbstverständlich. „Das schafft nicht jeder“, meinte Angelika Cremer als Stellvertreterin des Netzwerkes.

Eindrücke von der Verabschiedung sendet der NDR voraussichtlich am heutigen Montag, 19.30 Uhr in „Hallo Niedersachsen“.

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