Seit fast einem Jahr äußert die Firma K+S in der Öffentlichkeit wiederholt die Absicht, die Halde des ehemaligen Kalibergwerkes Wathlingen mit Bauschutt und Boden abzudecken. „Dieses Vorhaben werde von Teilen der Kommunalpolitik sehr positiv aufgenommen“, stellen Holger Müller und Uwe Schmidt-Seffers, Bürger der Samtgemeinde Wathlingen, fest und heben hervor, dass mögliche Folgen einer Begrünung aber bisher nur im Blick auf die zu erwartenden Belastung durch den Anlieferverkehr diskutiert würden. Wir geben hier ihre Stellungnahme zu diesem Thema ungekürzt und unkommentiert wieder:

KalibergBei genauerem Hinsehen ergeben sich nun aber viele Fragen und erhebliche Zweifel am Konzept, das K+S bisher in Präsentationen und Pressemitteilungen sehr vereinfacht dargestellt hat. Folgende Punkte und Problemstellungen müssen öffentlich diskutiert und geklärt werden:

  • Die von K+S angegebene notwendige Materialmenge für die Abdeckung ist mit 12 Millionen Tonnen offenbar viel zu niedrig berechnet. Aufgrund des hohen Gewichtes von Boden und Bauschutt ist tatsächlich mit einer Menge von 21 bis 23 Millionen Tonnen zu rechnen.
  • Der – dementsprechend viel stärkere – Verkehr von insgesamt 400 Lkw Fahrten pro Tag (statt der von K+S prognostizierten 200 Fahrten) wird in den ohnehin verkehrlich bereits sehr belasteten Ortschaften Hänigsen, Nienhagen und Wathlingen zu zusätzlichem massiven LKW-Schwerverkehr führen.
  • Alle bisher vorgeschlagenen Alternativstrecken berühren Natur- bzw. Landschaftsschutzgebiete! Die vorgeschlagenen Alternativrouten werden aber keine spürbare Entlastung bringen, weil bei Zeitvorteilen gegenüber möglichen Alternativstrecken zu befürchten ist, dass der Schwerlastverkehr sich seine eigenen (kostengünstigeren) Wege sucht – und die führen mitten durch Hänigsen und Nienhagen. Vor sechs Jahren hat K+S die Verkehrsanbindung der Halde an überregionale Verkehrswege selbst als schlecht eingestuft.
  • Erhebliche Zweifel bestehen aber auch am Konzept der Errichtung einer Bauschuttdeponie selbst. Bei Deponien für grundsätzlich gerade noch verwertbaren belasteten Boden und Bauschutt (Zuordnungswert Z 2), wie der geplanten, sind definierte technische Sicherungsmaßnahmen und ein Abstand zwischen Schüttkörperbasis und dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand von mindestens 1 m (einschließlich Mineralischer Entwässerungs-schicht / Sohldichtung von mindestens 0,3 m) vorgeschrieben. Z 2 Boden beispielsweise bedeutet im Verhältnis zu unbelastetem Boden Gehalte von bis zu 20 x soviel Cadmium und bis zu 30 x soviel Quecksilber. Enthalten sein können u.a. ölverunreinigter Boden, Straßenaufbruch und Schlacken aus Verbrennung und Metallerzeugung.
  • Der Grundwasserstand ist im Bereich der Halde natürlicherweise sehr hoch und bewegt sich trotz Entwässerung schon heute bei normalen Niederschlägen im Bereich von 1 m. Er wird zukünftig aller Voraussicht nach noch steigen, weil für das direkt neben der Halde liegende Naturschutz- und FFH-Gebiet „Brand“ mit seinen Auwaldbereichen gemäß EU-Vorgaben bis spätestens 2020 Maßnahmen u.a. für eine Wiedervernässung erfolgen müssen. Darüber hinaus wird es wegen des früheren Bergbaus zumindest in Teilen der zukünftigen Deponie zu Bodensenkungen unbekannten Umfangs kommen.
  • Unabdingbar sind daher Gutachten zur Grundwasserproblematik – und in Bezug auf den „Brand“ eine so genannte Verträglichkeitsprüfung. Diese Prüfung ist auch deshalb wichtig, weil das Salz und damit die Gefahr einer Versalzung von Grundwasser und Boden bei in der Zukunft zu erwartenden Undichtigkeiten der Abdeckung durch Verwitterung sowie Grundwasserkontakt nicht beseitigt sind. Keine Aussage gibt es zu der Frage, wer über tausende Jahre hinweg dafür sorgt, dass die Abdeckung unbeschädigt bleibt.
  • Eine mögliche zukünftige Beseitigung der Halde würde durch die Abdeckung mit Millionen Tonnen Boden und Bauschutt aber nahezu unmöglich gemacht. Dies gilt ebenso für die schon heute technisch mögliche und in der Praxis angewandte Verwertung zu marktfähigen Produkten. Offenbar ist für K+S eine Bauschuttdeponie mit einem zu erwartenden Gesamtumsatz nach heutigem Stand von 700 bis 750 Millionen Euro und gesparter Unterhaltungskosten für die Halde aber lukrativer. Aussagen zur Bilanz einer Verwertung bzw. Beseitigung gibt es seitens K+S nicht.
  • Die wegen der hohen Materialmenge in frühestens 25 bis 45 Jahren mögliche Erholungsnutzung auf einem unnatürlich und eintönig (siehe Sehnde) geformten Berg, auf dem laut K+S keine Bäume wachsen dürfen, ist nach den einschlägigen Abfallrichtlinien für Kinder nur eingeschränkt gegeben – auf Spielplätzen oder Bolzplätzen dürfte entsprechend belasteter Boden nicht verwendet werden. Sie wird zudem mit zu erwartenden Immobilienwertverlusten und dem starkem Anlieferverkehr auch sehr teuer erkauft.
  • Die endgültige Versiegelung landwirtschaftlich nutzbarer Fläche im Umfang von insgesamt bis zu 62 Fußballfeldern wäre angesichts allgemein knapper werdender Flächen ohnehin äußerst fragwürdig.

Schlussfolgerung:

Durch die geplante Abdeckung der Halde, bei der – an einem dafür ungeeigneten Ort – auf eine große Menge umweltschädlichen Abfalls noch einmal soviel umweltschädlicher Abfall aufgetragen wird, stellt keinesfalls eine Verbesserung, sondern perspektivisch eine erhebliche Verschlechterung der Situation dar.

Es muss angesichts drohender gravierender Nachteile für Bürger, Natur und Landschaft unbedingt eine intensive Diskussion der vielen offenen Fragen und eine Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Gemeinden geben – Antworten von K+S sowie den zuständigen Landesbehörden und der Landespolitik müssen eingefordert werden.“

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