CELLE. „Wenn es um den Berufseinstieg geht, haben junge Menschen oftmals viele Fragen. Mit ,Moin Future‘ wollen wir den Schülerinnen und Schülern Antworten auf Augenhöhe geben“, sagt Katrin Sanna von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg. Die 33-jährige leitet die Kampagne, die die IHK und die Handwerkskammer (HWK) Braunschweig-Lüneburg-Stade gemeinsam mit den Landkreisen Celle, Harburg, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg und Uelzen umsetzen. Kernelement der Kampagne ist die Website www.moin-future.de, die nach rund fünf Monaten Arbeit und Entwicklung gestern online ging.

Die Online-Plattform rückt Geschichten von jungen Azubis regionaler Unternehmen in den Mittelpunkt. In Videos tauschen sie sich mit einem älteren Kollegen über ihre Ausbildung, Karriere- und Lebenswege aus. „Die unterschiedlichen Auszubildenden sollen eine Identifikation für junge Menschen bieten, um die vielen Möglichkeiten der Ausbildung in unseren IHK-Betrieben sichtbar zu machen“, sagt Sandra Bengsch, Mitarbeiterin der IHK. Außerdem bündele die Plattform Informationen, Termine und weiterführende Links rund um die Berufsausbildung. Das Ziel: Jugendliche für eine Ausbildung in der Region zu begeistern. Denn aktuell könnten rund ein Drittel der regionalen IHK-Betriebe nicht alle Lehrstellen besetzen.

Das spürt auch Michaela Gehl, Vorstandsvorsitzende der Südheide eG Wohnungsbaugenossenschaft aus Celle: „Der Beruf des Immobilienkaufmanns zählt sicher noch zu den beliebten Ausbildungsberufen, trotzdem gehen auch bei uns weniger Bewerbungen ein, als noch vor einigen Jahren“. Gehl vermutet den demografischen Wandel ebenso als Grund wie die Tatsache, dass viele Schulabgänger ein Studium anstreben. Gleichzeitig zeigten Studien, dass jeder Dritte nach wenigen Semestern an der Uni abbreche. „Ob Immobilienkaufleute oder Maler und Lackierer – wir bieten Unterstützung während der Ausbildung und Berufseinstiege mit vielfältigen Zukunftsperspektiven“, sagt die Vorstandsvorsitzende.

So wie die Südheide eG Wohnungsbaugenossenschaft würden sich auch viele andere Betriebe für den Nachwuchs stark machen. „Die Betriebe aus Handwerk, Industrie und Handel bieten zusammen mehr als 300 Ausbildungsberufe“, so Sanna. Um für diese Chancen zu werben, ziehen die beiden Wirtschaftskammern und die Landkreise der Region an einem Strang. Projektträger von Moin Future ist die IHK Lüneburg Wolfsburg. Das Gesamtvolumen der im Rahmen der Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen geförderten Kampagne beträgt 250.222 Euro, davon kommen 168.000 Euro aus ESF (Europäischer Sozialfonds)- und Landesmitteln. „Das Budget ist für die Behebung des Fachkräftemangels gedacht. Wir meinen, es ist wichtig, dass letztlich beide Seiten angesprochen werden – Schüler und Eltern, aber auch Ausbildungsbetriebe. Die Betriebe können über den Fachkräftemangel jammern, aber sie müssen auch etwas dagegen tun. Man sollte nicht erst warten, bis die Belegschaft 64 ist, sondern schon früh die Zukunft sichern“, betont Daniel Eckardt vom Landkreis Celle. Auch Günter Neumann, Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, betrachtet die Kampagne als einen richtigen Schritt: „Wir haben nicht mal ein schlechtes Image, wir haben gar kein Image. Darum ist uns die Kampagne wichtig und unterstützen diese finanziell“.

Moin Future richtet sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler. Um sie zu erreichen, soll die Kampagne aber auch Lehrer und Eltern ansprechen. So werde das Moin-Future-Team Lehrerinnen und Lehrern Unterrichtsmaterial zur Berufsorientierung zur Verfügung stellen. „Eltern können mittels der Kampagne erkennen, dass es viele verschiedene Wege gibt, ans Ziel zu kommen – und eine Ausbildung auch beispielsweise auch einem Studium vorangehen kann“, sagt Sanna. Auch das Teammitglied Dana Schumacher und Heidrun von Wieding, IHK Ausbildungsberaterin, sind sich sicher, dass die Ausbildung nur ein kleiner Schritt auf der Karriereleiter sei. Die nötigen Informationen werden auch für Social-Media-Kanäle aufbereitet und über die IHK-Facebookseite (www.facebook.com/ihklw) und den Moin-Future-Instagramkanal (www.instagram.com/moinfuture) verbreitet.



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