CELLE. Der Tourismus ist für Celle mit Abstand der größte Arbeitgeber. Noch vor 30 Jahren war die Stadt als das „Rothenburg des Nordens“ die unangefochtene Nr. 1 unter den Fachwerkstädten. Doch in den vergangenen Jahren sind mit Quedlinburg als Weltkulturerbe und dem Harzstädtchen Wernigerode attraktive Reiseziele entstanden, mit denen sich Celle im Wettbewerb um die Fachwerktouristen messen muss. „Das Celler Angebot für Touristen muss daher deutlich breiter aufgestellt werden. Nur so können die Arbeitsplätze in der Stadt und im Landkreis im Tourismusbereich gesichert werden, in den Hotels und Gaststätten, Restaurants und im Einzelhandel“, ist Dr. Wulf Haack von der Initiative „BauhausSchauhaus“ überzeugt und hofft, dass Celle nach der verpatzten Universität nicht erneut eine „Jahrhundertchance“ entgehen lässt. „Endlich eine Initiative, die sich für und nicht gegen etwas einsetzt“, lobt der Celler Geschäftsmann Roger Scherer und hat sich mit einer ersten Spende von 3000 Euro beteiligt.

 

Die Bauhausarchitektur sei als hoch attraktives Reiseziel ein zentraler Baustein für die Neuausrichtung der Celler Tourismuswirtschaft. Als „Stadt zwischen Fachwerk und Bauhaus“ wäre Celle weit und breit konkurrenzlos. Das betonte Haack in seinem ersten Zwischenbericht der Initiative. Diese Bürgerinitiative will das neben der Altstädter Schule in der Celler Sägemühlenstraße gelegene Rektorenhaus in der Farbigkeit der Entstehungsjahre im Äußeren und Inneren wiederherstellen und im Wohnstil der Bauhauszeit einrichten.

In ersten Bauabschnitt sollen das Herrenzimmer und das Treppenhaus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die dafür erforderlichen 50.000 Euro könne die Stadt aufgrund der finanziellen Lage nicht aufbringen. Ohne Spenden sei daher das Ziel nicht zu erreichen, den Tourismussektor in Celle als Arbeitgeber nachhaltig über das Jahr 2019 hinaus zu stärken, betonte Wulf Haack und appelliert an die Bürgerschaft, die im Bauhausjahr 2019 einmalige Chance Realität werden zu lassen.

„Verstecktes Bauwerk im neuen Outfit“

In den folgenden Jahren sollen dann Schritt für Schritt die Küche, das Wohn-, Ess-, Schlaf- Kinder- und Mädchenzimmer, der Keller und das Badezimmer eingerichtet werden. Die dafür notwendige Einrichtung aus den 20er Jahren sei bereits vorhanden. Sie stamme aus Celler Familienbesitz, dem Privatbesitz von Otto Haesler und aus einer umfangreichen Privatsammlung.

„Die Chance, etwas Einmaliges zu zeigen, ist hervorragend“, ist Haack überzeugt. Das macht die Initiative u.a. mit einer Computersimulation deutlich, die das etwas versteckt liegende Bauwerk in einem völlig neuen Outfit zeigen. Hier kann – wie Phoenix aus der Asche – ein farbiges Highlight der Celler Bauhausarchitektur auferstehen. Die roten Dachkanten, die Regenwasserrohre und das Terrassengitter, die grünen Fensterrahmen und die in elfenbeinweiß gestrichenen beweglichen Fensterelemente gaben im Entstehungsjahr 1928 dem Wohnhaus des Schulrektors ein farbenfrohes Erscheinungsbild. Ein kleiner Teilbereich der ursprünglichen roten Farbigkeit sei im Deckenbereich der Überdachung der Freiluft-Terrasse und unter den schmalen Dachüberständen ansatzweise schon jetzt zu erkennen.

„Ein Feuerwerk von roten, blauen, gelben und schwarzen Wandanstrichen“

Haack: „Nach einer Gesamtuntersuchung kann die ursprüngliche Farbigkeit der Außenfront wiederhergestellt werden, wenn es das Spendenaufkommen möglich macht. Das Bauwerk könnte dann wieder farbenfroh in das Land strahlen und insbesondere auch die als reisefreudig bekannten Bauhaustouristen nach Celle führen. Auch im Inneren des derzeit noch schulisch genutzten Bauwerkes wird sich die Farbigkeit fortsetzen. Dann wird die Besucher ein Feuerwerk von roten, blauen, gelben und schwarzen Wandanstrichen in den Wohnräumen und im Treppenhaus überraschen.“

Das Rektorenhaus werde als „BauhausSchauhaus: Otto Haesler“ im Äußeren und Inneren in der Bauhausscene konkurrenzlos sein und daher zum Muss für alle Bauhaustouristen werden, aber auch für Architekten und Studenten. Nach derzeitiger Planung werden ab 13.Juni 2019, dem Geburtstag von Otto Haesler, das Treppenhaus und das ehemalige Herrenzimmer in Farbe und Einrichtung zu besichtigen sein. „Hier wird ein erster Blick in ein Arbeitszimmer der zwanziger Jahre möglich, mit einem Schreibtisch aus dem Umfeld von Walter Gropius. Aber auch das weithin unbekannte Treppenhaus ist ein atemberaubendes Werk von Otto Haesler, mit der meisterhaft die farbliche Gestaltung und Architektur mit der Außenfassade und Außenarchitektur in Einklang gebracht worden ist“, so Haack weiter und präsentiert beim Presserundgang ein Foto (siehe Titelbild).

„Altstädter Schule hat Potenzial für Weltkulturerbe“

Der Celler Kulturpreisträger Dietrich (Pütten) Klatt ergänzt: „Es ist ein Foto mit meisterhafter Komposition und eine ungewöhnliche Aufsicht mit ganz besonderer Perspektive.“
Aus seiner Sicht hoch interessant sei auch die Zeitschriftengalerie in dem vom Landkreis bereits sorgfältig restaurierten Treppenhaus. Eine japanische, eine amerikanische und eine französische Zeitschrift aus den 20er Jahren mit Berichten über die Eröffnung der Altstädter Schule in Celle würden eines deutlich machen: „Diese Schule und ihr Architekt waren schon bei der Eröffnung ein weltweit beachtetes Ereignis.“

Das 100. Bauhausjubiläum sei nun die Chance für Celle, seine avantgardistische Bauhaus-Architektur national und international wieder in Erinnerung zu bringen. Haack: „Dieser Schulbau ist eine Ikone der Architektur der Moderne, die das Potenzial zum Weltkulturerbe hat.
Aber man muss das auch wollen. Und auf dem langen Weg zur weltweiten Anerkennung ist die Herrichtung des Rektorenhauses in unmittelbarer Nachbarschaft des Schulbaus ein zentraler Baustein für Celle als allseits anerkannte Bauhausstadt und bereits mit dem für dieses Jahr geplanten Maßnahmepaket ein Treffpunkt für Bauhaustouristen.

 

„Celle könnte nach der Uni erneut eine Jahrhundertchance verpassen“

Wenn es nicht gelingt, die einmaligen Werbechancen des Bauhausjubiläums mit einem attraktiven und vor allem auch nachhaltigen über das Jahr 2019 fortdauernden Angebot zu nutzen, dann verpassen wir genau an dieser Stelle in der Sagemühlenstraße erneut eine Jahrhundertchance. Hier hätte Anfang der 50er Jahre ein damals vorhandenes Lehrerseminar die Keimzelle für eine Universitätsgründung in Celle werden können. Dann wäre das Rektorenhaus heute das Gästehaus einer Universitätsstadt Celle. Diese Chance ist verpasst und Osnabrück ist Universitätsstadt geworden, mit heute 14.100 Studenten, 1.732 Beschäftigten und davon 782 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 214 Professoren. Wenn das Rektorenhaus auch kein Gästehaus einer Universität Celle mehr werden kann, dann sollte das Haus nun ein Schauhaus für Gäste werden, die als Touristen nach Celle kommen, um unsere Bauhausarchitektur zu bewundern und das nicht nur von außen, sondern auch begeh- und erlebbar von innen.


SPENDENKONTO
Den Spendern werde auf Wunsch von der Haesler Stiftung eine Spendenbescheinigung ausgestellt. Otto Haesler Stiftung
Konto Nr. DE11 2575 0001 0091 9466 08
Verwendungszweck „Freundeskreis Rektorenhaus“





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