Kasernengelände „Hohe Wende“ wird Wohnquartier

Politik Von Anke Schlicht | am Fr., 26.06.2020 - 14:13

CELLE. Dort, wo einst Offiziere der Wehrmacht ausgebildet wurden, und später britische Streitkräfte ihren Pflichten nachgingen, wird bald ziviles Leben einziehen. Die Pläne, auf dem ehemaligen Kasernengelände „Hohe Wende“ einen Hochschul-Campus einzurichten, sind gescheitert. Im Jahr 2015 war unter dem damaligen Oberbürgermeister, Dirk-Ulrich Mende (SPD), das Areal zu einer „Sonderbaufläche Ausbildung“ deklariert worden. Dieses Ziel ist nicht mehr zu erreichen, heißt es nun von Seiten der Stadtverwaltung. „Wir geben die bisherigen Planungen auf“, gab Stadtbaurat, Ulrich Kinder, in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bau und Stadtentwicklung am Donnerstag bekannt. Alternativ wird die östliche Teilfläche in ein „urbanes Wohnquartier“ umgewandelt.

Zahlreiche Gebäude auf dem Gebiet zwischen Hoher Wende, Sprengerstraße und OHE-Trasse stehen entweder einzeln oder als Ensemble unter Denkmalschutz. Die Bebauung stammt aus den Jahren 1937/38 und diente ausschließlich militärischen Zwecken. Momentan wird die Straße „Hohe Wende“ erneuert, im Juli sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Der vorhandene Bestand wird um Neubaubereiche ergänzt. Vorgesehen ist ein Mix unterschiedlicher Wohnformen – von sozialem Wohnungsbau über Einfamilienhäuser bis zu exclusiven Unterkünften sei alles denkbar, sofern sich ein Investor für eine urbane Mischung findet. Teilweise werden sich die alten Häuser als Herausforderungen erweisen, Kinder wies darauf hin, dass Einzeldenkmäler in der Nachnutzung schwierig seien.

„Hochschulstandorte werden in Niedersachsen nicht unterstützt“, nannte der Baurat als eine Begründung für die Abkehr von der Campus-Idee. Vollständig schloss er jedoch auch die Nutzung in Teilen für bildungspolitische Zwecke nicht aus. „Der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf Dienstleistung und Bildung“, erläuterte Kinder auf Nachfrage von Stephan Ohl (Grüne), der betonte, dass seine Fraktion Wohnformen favorisiere, die für einen Querschnitt der Gesellschaft nutzbar sind: „Etwas anderes kommt mit uns nicht in Frage“, hob Ohl hervor. In der Vorlage der Verwaltung hieß es, angestrebt werde die Ausprägung als autoarmer Stadtteil. Daniel Biermann (AfD) bat um Erklärung, wieso ein solches Attribut von vornherein quasi als Label darüber gelegt würde. „Dieser Satz bedeutet nichts anderes, als dass es sich um ein geschlossenes Quartier handelt, in dem der Verkehr so gering wie möglich gehalten werden sollte“, lautete die Antwort von Seiten der Verwaltung.

Mit sechs Ja-Stimmen votierten die Ausschuss-Mitglieder für die Änderung des Flächennutzungsplanes zugunsten urbanen Lebens auf früherem militärischen Gelände inmitten außergewöhnlicher Baudenkmäler.