Kein Run auf Notbetreuung - Erlass der Landesregierung wird wenig genutzt

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Di., 24.03.2020 - 11:00

CELLE. Ja, die Kinder fragen nach, wieso denn die gewohnten Spielkameraden nicht im Kindergarten seien, berichtet der Landtagsabgeordnete und Vater eines fünfjährigen Zwillingspaares, Thomas Adasch. „Aber sie haben schon erstaunlich gut verstanden, worum es geht“, setzt er nach.

Auch die Kleinsten in der Gesellschaft bleiben nicht unberührt von der Corona-Krise. Egal welche Variante von den Eltern vorgegeben wird, die Situation ist für die Kinder neu: Entweder sie bleiben aufgrund der Schließung von Schulen und Kindertageseinrichtungen zu Hause, oder sie gehen wie gewohnt in ihre Unterrichts- und Betreuungsstätten, finden hier aber eine ganz neue Lage vor. Viel, viel kleinere Gruppen und etwas Kurioses in schulischem Umfeld: „Unterricht findet nicht statt, sondern ist per Erlass untersagt! Es handelt sich um eine Notbetreuung“, erläutert Stadtsprecherin, Myriam Meißner.

Und auf diesen von der Landesregierung eingerichteten Service für Erziehungsberechtigte, die in sogenannten kritischen Infrastrukturen tätig sind, herrscht kein Ansturm, wie Thomas Adasch es ausdrückt. Die Beobachtung in seinem nahen Umfeld deckt sich mit der geringen Nutzung landesweit. Für den Landkreis Celle als Träger der weiterführenden Schulen beschreibt Sprecher, Tore Harmening, die Situation mit der Aussage: „Die Notfallbetreuung wird derzeit nur in einem geringen Ausmaß in Anspruch genommen.“ In sieben Schulen in Landkreisträgerschaft sind Notgruppen mit insgesamt zwölf Schülern eingerichtet worden. Bei den Kindern im Grundschulalter sieht es nicht viel anders aus: „26 Kinder von ‚in kritischen Infrastrukturen Tätigen‘ werden in zwölf der insgesamt 15 Celler Grundschulen im Rahmen der Notfallregelung betreut“, berichtet Myriam Meißner auf CH-Anfrage. An drei Schulen bestand gar kein Bedarf, so dass sie nicht öffnen mussten. Gleiches gilt für die Hälfte der Kindertageseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. „In neun von insgesamt 18 Betreuungsstätten haben wir Notgruppen gebildet“, sagt der Sachgebietsleiter im Kirchenkreisamt, Gernot Sievert. Noch geringer ist der Anteil in der Samtgemeinde Lachendorf. „In zwei von insgesamt neun Einrichtungen werden derzeit zwei Kinder betreut, eines im Kindergarten und eines in der Krippe, ab nächster Woche werden es hier drei Kinder sein“, beschreibt Samtgemeinderätin, Uta Lüßmann, die Situation und bestätigt somit die Wahrnehmung von Thomas Adasch.

Dieser weist darauf hin, dass der Erlass vorsah, dass beide Elternteile in entsprechenden Berufen tätig sein mussten. Allerdings wird sich dieses zeitnah ändern. „Es reicht, wenn einer der Erziehungsberechtigten in den zurzeit so wichtigen Berufen arbeitet“, erläutert der Landespolitiker. Er und seine Frau sind überaus dankbar, dass es die Notbetreuung gibt: „Meine Frau kann als Zahnärztin nicht von zu Hause aus arbeiten, ich bin als Abgeordneter viel unterwegs.“ Er freut sich, dass der Service auch die Osterferien über bestehen bleibt. „Diese entfallen ja für viele Arbeitnehmer“, sagt Adasch. Einer der unzähligen Opfer, die die Corona-Krise fordert. Doch sie fördert auch Positives zu Tage. Vieles, was im Alltag als selbstverständlich gilt, erfährt nun eine andere Wertschätzung. Der Abgeordnete Thomas Adasch nennt als Beispiel die Berufsgruppen, die häufig zu wenig Beachtung fänden: „Ich bin den Erzieherinnen, ohne die die Notbetreuung gar nicht möglich wäre, überaus dankbar. Und auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Supermärkten möchte ich ein großes Dankeschön übermitteln!“ Aussagen, denen sich sicherlich sehr viele Menschen in Stadt und Landkreis anschließen!