HANNOVER. Unverantwortlich findet der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen den Kurs des Philologenverbandes in Sachen Inklusion. Dieser kritisiere die gemeinsame Beschulung für Kinder mit und ohne Behinderung am Gymnasium und fordere den Erhalt von Förderschulen. „Das ist ein Schritt zurück ins letzte bildungspolitische Jahrhundert”, kommentiert SoVD-Landesvorsitzender Adolf Bauer.

„Behinderte Kinder, die es alleine schaffen, dürfen Abi machen, aber solche, die Unterstützung brauchen, nicht?” Bauer ist extrem irritiert über gleichlautende Presseberichte von Philologen-Chef Horst Audritz. „Wer so etwas sagt, will Bildungspolitik à la Wilhelm Busch”, kritisiert der SoVD-Landesvorsitzende. Natürlich sei es richtig, weiter mehr Ressourcen für die Umsetzung der Inklusion in der Schule zu fordern. Natürlich gebe es Herausforderungen auf dem Weg. „Aber deshalb kann man doch nicht die gute Idee an sich komplett in Frage stellen”, findet Bauer. Man könne doch nicht ernsthaft warten, bis alle Voraussetzungen erfüllt seien und dann erst beginnen. „Irgendwann musste man anfangen, und wir sind weiterhin überzeugt vom Erfolg”, so Bauer.

Er habe nicht den Eindruck, dass die Philologen der Inklusion in Niedersachsen eine echte Chance geben wollen. Er spüre „intensives Beharrungsvermögen” und rückwärtsgewandtes Denken in der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Für seinen Verband mahnte Bauer nicht weniger, sondern mehr Tempo bei der Umsetzung an. Dafür müsste die Landesregierung in der Tat mehr Geld und mehr Personal einsetzen.

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