CELLE. An der Volkshochschule (vhs) Celle wurden in zwei Jahren 13 sogenannte „ESF-BAMF“- Deutschkurse durchgeführt. Jetzt läuft die durch EU-Gelder finanzierte berufsbezogene Sprachförderung mit Praktikum aus.

„Ohne diesen Deutschkurs hätte ich nicht so schnell einen Ausbildungsplatz gefunden“, sagt Yahya Sadi. Der 22-jährige Syrer gehört zu den ersten Teilnehmenden der berufsbezogenen Sprachförderkurse, die an der Volkshochschule (vhs) Celle von 2015 bis 2017 für MigrantenInnen durchgeführt wurden. Die so genannten „ESF-BAMF“- Maßnahmen wurden aus dem Europäischen Sozialfonds durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert. „Jetzt läuft das Programm aus und vielen Migranten wird damit die Chance auf eine schnellere berufliche Eingliederung genommen. Das Modell war durch die Verknüpfung von Deutschunterricht, Betriebsbesichtigungen, Fachkunde, EDV und betrieblichen Praktika besonders erfolgreich, weil es nicht nur erforderliche Sprachkenntnisse, sondern auch den Einstieg in Ausbildung oder Arbeit vermittelt hat“, so Stephan Sänger, der bei der vhs Celle für den ESF-BAMF-Bereich zuständig war und eine Neuauflage dieses Qualifizierungsmodells fordert. Allein in Celle hätten sich alle 21 Teilnehmenden der ersten Maßnahme von einer Finanzierung durch Grundsicherung oder das Sozialamt lösen können und seien inzwischen in Arbeit, Ausbildung oder Studium.

Auch die anschließenden Maßnahmen hätten diesen Erfolgstrend bestätigen können – mit beachtlichen Karrieren, zählt Sänger auf: „Mehrere Ausbildungsverträge in der Metallverarbeitung bei der Cornils GmbH in Bergen; mehrere Studierende, darunter in den Fächern Elektrotechnik, Geologie und Sozialwissenschaften; mehrere Ausbildungsverträge in der IT-Branche; ein hochwertiger Arbeitsplatz als Entwicklungsingenieur; einige Mediziner, die ihre Approbation anstreben um nur einige Beispiele zu nennen.“ Die meisten Teilnehmenden, die noch nicht beruflich Fuß fassen konnten, hätten dennoch Sprachzertifikate erlangt, die als Zugangsvoraussetzungen für Ausbildung oder Arbeit auch weiterhin notwendig seien.

Die entsprechende Beratung dafür wird durch das Projekt TAF (Teilhabe am Arbeitsmarkt für Flüchtlinge), das Jobcenter Celle und die Agentur für Arbeit sichergestellt, mit denen die Zusammenarbeit im Netzwerk gut funktioniert habe. Die vhs Celle war von 2015 bis 2017 Träger der ESF-finanzierten berufsbezogenen Sprachförderkurse für Migranten und federführende Kopfstelle für das größere Fördergebiet mit dem Landkreis Celle, den Landkreisen Heidekreis, Lüneburg, Uelzen und Harburg. Insgesamt konnten laut vhs in dem kurzen Zeitraum 28 Maßnahmen realisiert werden, davon allein 13 im Landkreis Celle. Bei der beruflichen Eingliederung wirkten die Industrie- und Handelskammer ebenso unterstützend wie das Projekt IQ (Integration durch Qualifizierung), eine Anerkennungsstelle für ausländische Berufsabschlüsse, die inzwischen bei der vhs Celle beheimatet ist. Zahlreiche Celler Betriebe waren ebenfalls beteiligt. „Für jede gelingende Integration werden wir weiterhin auf die Bereitschaft der Betriebe angewiesen sein“, sagt Stephan Sänger, „denn die berufliche Eingliederung ist in jedem Fall das angestrebte Ziel“.

Wenn sich die vhs Celle in ihrem Jubiläumsjahr (70 Jahre Volkshochschulverein) etwas wünschen könnte, so wäre es eine Neuauflage dieses aus ihrer Sicht so wirksamen Konzepts aus Sprach- und arbeitsmarktlicher Förderung aus einem Guss. Qualifizierung und soziale Teilhabe durch arbeitsmarktliche Beratung gehen an der vhs Celle dennoch weiter. Infos gibt es unter www.vhs-celle.de, vhs Celle, Trift 20, 05141-9298-0.



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