FASSBERG. „Die Grundschule Faßberg verbleibt in den Räumlichkeiten der Lerchenschule. Ein Umzug in den derzeit vorhandenen Baubestand der Peter-Härtling Schule, wie er sich zum jetzigen Zeitpunkt präsentiert, wird nicht weiter verfolgt….“ Diese Beschlussvorlage stand im Mittelpunkt der gestrigen Sitzung des Faßberger Schulausschusses. Die Gruppe SPD/WGF/Grüne hatte den Antrag vorgelegt und darauf gedrungen, darüber in einer zusätzlich anberaumten Sitzung zu diskutieren und zu entscheiden.

„Das Thema wabert seit 2014 und der Umzug in die Härtlingschule steht als Unsicherheitsfaktor immer im Raum“, führte der Ausschussvorsitzende Hartmut Maniewski (WGF) in das Thema ein, das auch im Zuhörerbereich für belegte Stühle sorgte. Er und seine Gruppen-Kolleginnen machten deutlich, dass sie den Eindruck hätten, das Thema werde von der Verwaltung nicht aktiv bearbeitet. „Wir haben immer wieder nachgefragt und wurden vertröstet“, kritisierte Angelika Cremer (SPD). Mona Müller-Bruhn, ebenfalls SPD, sieht auch das in Auftag gegebene Gutachten kritisch: „In zwei Jahren würde uns das Architekturbüro sagen, die Schule ist dort, wo sie ist, gut aufgehoben“, mutmaßte sie. Seine Verwunderung darüber, dass zum jetzigen Zeitpunkt immer noch „keine belastbaren Fakten“ vorlägen, brachte auch Matthias Möncher (CDU) zum Ausdruck. Ohne diese könne jedoch aus seiner Sicht keine Entscheidung getroffen werden. Das sahen einige der beratenden Mitglieder aus Schulen und Elternschaft ähnlich.

Bürgermeister Frank Bröhl erklärte das Fehlen der Gutachter-Ergebnisse zum Teil mit dem „längeren Ausfall“ von einem der Architekten. Er erinnerte zudem daran, dass Anfang 2014 im Rat eine einstimmige Entscheidung getroffen worden war, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Bereitschaft zu signalisieren, dass die Bundeswehr aufgrund der bevorstehenden Sanierung der Fachschule der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst, die Lerchenschule mieten oder kaufen könne. Nun habe er in der vergangenen Woche ein Schreiben erhalten, in dem die BImA mitteile, dass sie mit der Gemeinde in Verhandlungen treten wolle. Sowohl Bröhl, als auch Rene Breitenstein (CDU) halten es für fatal, solchen Verhandlungen nun eine Absage zu erteilen.

Aus Sicht der Gruppe SPD/WGF/Grüne soll die Lerchenschule jedoch Grundschule bleiben. Als Nutzung der überschüssigen Raumkapazitäten des Gebäudes schlug sie den Umzug der DRK-Kita (derzeit eine Gruppe) und Belegung durch Vereine vor. Diesen Vorschlag hält Frank Bröhl für „haushaltsrechtlich bedenklich“ denn er wäre nach Einschätzung der Verwaltung mit Investitionen von ca. 287.000 Euro und jährlichen Betriebskosten von 83.000 Euro verbunden. Brandschutz, separater Eingang, separate Strom- und Wasserzähler, neue Fußböden und Toiletten müssten einmalig, Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten dauerhaft durch die Gemeinde übernommen werden. „Wir sind Bedarfszuweisungsgemeinde. Durch die BImA hätten wir Mieteinnahmen“, machte Bröhl keinen Hehl daraus, welche Nutzung der Gebäude am Lerchenweg er favorisiert.

Auch Elternvertretung und Leitung der Lerchenschule machten im Rahmen der Sitzung ihre Anliegen deutlich. „Uns ist wichtig, dass die Ganztagsbetreuung gewährleistet werden kann, Nutzung von Mensa und Küche, Schwimmbecken und Sporthalle, Bibliothek sowie ein bedarfsgerechter Computerraum“, fasste Birte Feldmann die Forderungen der Elternschaft zusammen. Schulleiterin Sabine Wiedrich-Nickel appellierte an die Politik, nicht nur Haushaltszahlen, sondern das Wohl der Kinder zu sehen. Manche Schüler seien von 7 bis 17 Uhr an der Schule. Damit habe diese auch die Aufgabe, „Familienersatz“ zu sein. Das gehe aber nur mit ausreichenden Räumlichkeiten.

„Wir werden nicht die Lerchenschule für die Bundeswehr opfern“, machte Angelika Cremer ihre Position deutlich. „Wir müssen die Fachschule der Luftwaffe in Faßberg erhalten. Ein Weggang dieser Einheit hätte fatale Auswirkungen auf die Gemeinde. Meine Kinder beispielsweise besuchen die Lerchenschule in Faßberg, da ich durch eben diese Einheit vor einigen Jahren den Weg nach Faßberg gefunden habe und mich seitdem in der Gemeinde wohl fühle“, konterte Matthias Möncher.

Da sich die derzeitige Ratsmehrheit von SPD/WGF/Grünen auch im Ausschuss wiederspiegelt, empfahl dieser nach ausgiebiger Debatte, den anfangs genannten Beschlussvorschlag mit drei zu zwei Stimmen. Ergänzt wurde der Beschluss um die Forderung, das Thema im Finanz- und Bauausschuss weiter zu diskutieren.

*Aktualisiert*: Die Leiterin der Grundschule Müden, Heike Conrads, hat heute (27. September) gegenüber CelleHeute angekündigt, sie wolle diese Empfehlung anfechten. Der Grund: Abgestimmt hatten nur die politischen Vertreter im Ausschuss, nicht aber die Eltern- und Lehrervertreter der Lerchenschule und der Grundschule Müden, die laut Conrads ebenfalls stimmberechtigt gewesen wären. Die Schulleiterin beruft sich auf §110 des Niedersächsischen Schulgesetzes und §73 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes. „Unser Interesse ist, dass die Lerchenschule anderweitig genutzt wird“, so die Pädagogin, die um die zukünftige Beschulung in Müden fürchtet, wenn in Faßberg ein großes Schulgebäude als Grundschule unterhalten wird.

 

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