Kino achteinhalb startet nach Corona-Pause wieder durch

Kultur + Gesellschaft Von Extern | am Do., 08.10.2020 - 15:57

CELLE. Am Freitag, dem 13. März, hatte das Celler Kino achteinhalb seinen Betrieb eingestellt. Morgen geht es nach der Corona-Pause wieder los - mit einem zertifizierten Schwebstofffilter zur Luftreinhaltung. Was sonst noch wichtig ist, teilt Kinobetreiber Stefan Eichardt mit:

"Folgende Änderungen haben wir vorgenommen:
Solange die Corona-Vorschriften gelten, haben wir keine reguläre Abendkasse, sondern vergeben unsere wenigen Karten via Reservierung. Sie können Ihre Karten entweder über unsere Webseite oder per Email reservieren. Bis 18 Uhr des Veranstaltungstages sind Reservierungen möglich. Laut Verordnung sind Gruppen bis zehn Menschen zulässig, daher können von einer Person maximal zehn Karten reserviert werden. Aufgrund der Abstandsregelung bieten wir weniger Plätze an: Sehr wenige Plätze für den Fall, dass alle einzeln kommen und dementsprechend mehr Plätze, wenn die Leute zu zweit, dritt, viert, etc. kommen, da innerhalb dieser Konstellationen (von 2 bis 10) kein Abstand gewährt werden muss, zwischen den diversen Konstellationen aber schon. Wir haben eine Reihe komplett rausgenommen, so dass insgesamt acht rote Sessel weniger im Kino stehen als vor Corona.

Wenn Sie Ihre Reservierung nicht wahrnehmen können, wäre eine rechtzeitige Absage per Email bis spätestens 18 Uhr für uns das Beste. Einlass ist eine halbe Stunde vor Filmbeginn. Ihre Karten zahlen Sie bitte bar im Kino. Da wir gemäß Verordnung wesentlich weniger Plätze anbieten können als vorher, haben wir den Eintrittspreis von 5 auf 7,50 € erhöht. Vor 25 Jahren sind wir mit DM 8,50 Eintritt gestartet, laut Inflationsrechner entspräche das heute etwa 7,50 €. Im Sitzen muss in Kinos keine Mund-Nase-Bedeckung (Nase nicht Nasen!!!) getragen werden; im Stehen und Gehen indes muss laut aktueller Corona-Verordnung eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden.

Die RWLE Möller Stiftung hat uns für ca. 4.500 Euro einen zertifizierten (EU-Norm EN1822-1) H14-Schwebstofffilter finanziert. (Wir haben Wert darauf gelegt, dass das Gerät zertifiziert ist und sich einer neutralen wissenschaftlichen Studie unterzogen hat und somit auch eindeutige Aussagen vorliegen, über die Filterleistung in Prozent und wie viel Kubikmeter in der Stunde gefiltert werden.) Das ist, was Viren, Bakterien, Keime (und Staub!) angeht, effektiver als Lüften, da nachweislich 99,995 % aller Viren aus der Luft herausgefiltert werden. Selbst die besonders schwierig abzuscheidenden Aerosolpartikel zwischen 0,1 und 0,3 µm Durchmesser (also  Viren) werden zu 99,995 Prozent aus der Luft abgeschieden. Mit anderen Worten: von 100.000 Viren verbleibt nur eins in der Luft. Da wir Menschen aber mehrere hundert Viren einatmen können, ohne uns zu infizieren, wäre dieses eine von hunderttausend verbliebene völlig ungefährlich. Das Gerät verbrennt (als einziges Gerät weltweit), anschließend das Filtersubstrat bei 100 Grad, so dass es nicht als "Virenschleuder" fungieren kann. Der Hersteller Trotec (pikanterweise aus Heinsberg) produziert von diesem Raumluftreiniger ca. 1000 Geräte die Woche, von denen zahlreiche in den Export gehen. Entwickelt wurden die Filter über Ostern und sind bereits im Mai in Produktion gegangen. Wir erfuhren davon, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am 19. März bei Markus Lanz davon erzählte und haben uns dann nach Heinsberg aufgemacht und Trotec besucht. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Laut Spiegel soll übrigens in Schweden mittlerweile so gut wie jedes Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein ...

Unseres Wissens ist bisher aber eh keine einzige Infektion in Kinos belegt – vermutlich da in Kinos weder feuchtfröhlich und laut gesprochen, noch sich sonderlich in den Armen gelegen wird. Das wird auch der Grund sein, warum Kinos und Theater von den Schließungen im September in  z. B. Frankreich oder auch in Hamm nicht betroffen sind. ("Nicht von aktuellen Maßnahmen betroffen sind Kulturveranstaltungen und das Kino sowie alle Sporteinrichtungen inklusive der Bäder. Als Grund führt der OB an, dass diese Orte bislang nicht als Infektionsherde aufgefallen sind." – Westfälischer Anzeiger aus Hamm vom 22. September)
Laut der niedersächsischen Corona-Verordnung vom 25. September ist der Besuch des Kinos nur statthaft, wenn Sie uns Ihre Kontaktdaten anvertrauen. Ihre Kontaktdaten verwahren wir in einem verschlossenen Kuvert, das mit Filmtitel und Tagesdatum sowie dem Datum, an dem es verschlossen geschreddert wird, beschriftet ist. Bei Filmbeginn wird das Kuvert zugeklebt. Wir haben eine Aufbewahrungspflicht von drei Wochen, danach wird das verschlossene Kuvert umgehend geschreddert. Es wäre schön, wenn Sie unser Kontaktformular ausdruckten und ausgefüllt mitbrächten. Wir haben Kopien dieser Formulare natürlich auch im Kino vorrätig."

Das aktuelle Programm:

Die Hauptfilme werden am Freitag/Samstag um 20.30 Uhr und mittwochs um 19.30 Uhr gespielt. Donnerstag zeigt das achteinhalb um 19.30 Uhr (bei Regisseurbesuch früher) Dokumentarfilme, so dass mindestens viermal die Woche Kinoabende garantiert sind.

Freitag, den 9. Oktober: "La Vérité – Leben und lügen lassen". Eine französische Komödie mit Catherine Deneuve und Juliette Binoche. Ab den 16. Oktober zeigen wir "Corpus Christi". Der oscarnominierte polnische Film erzählt von einem entlassenen Sträfling, der sich als Priester ausgibt. Komödie und Drama durchdringen sich blitzgescheit.

Ab dem 23. Oktober: "Über die Unendlichkeit". Dieser Film bildet den Abschluss der Trilogie des schwedischen Regisseurs Roy Andersson über nichts weniger als die menschliche Existenz. Ein Erzählteppich von alltäglich bis absurd, von banal bis dramatisch – voller Melancholie auf der einen – voller Humor und Leichtigkeit auf der anderen Seite.

Obwohl der 30. Oktober als Freitag, einen Donnerstag denkbar knapp verpasst hat, gibt es ab Freitag einen Dokumentarfilm. "Space Dogs" – mit Straßenkötern auf Augen­höhe: Die beiden deutschsprachigen Regisseure erzählen in ihrem herausragenden dokumentarischen Essayfilm von herrenlosen Hunden im Moskau, deren mythische Urahnin Laika, das erste irdische Lebewesen im Weltall, war. Filmkritiker Rüdiger Suchsland schreibt: "Es ist ein Wahn­sinnsmoment. Einer von vielen »Wow!«-Momenten in diesem Film. Genau das, was ich mir vom Kino wünsche, was sich jeder, der bei Sinnen ist und nicht ganz abge­stumpft, vom Kino wünschen muss, jeden­falls unter anderem: Nämlich Erfah­rungen und Bilder, die er so noch nie gesehen hat. Unge­se­hene Bilder. – Diesen Film nicht gesehen zu haben, wäre ein folgen­schwerer Fehler gewesen. Space Dogs ist ohne Frage der aufre­gendste Film in Locarno."

Ab 6. November: "Die Misswahl (Misbehaviour)". Die Wahl der Miss-World verfolgten 1970 mehr als 100 Millionen Menschen vor den Bildschirmen. Sie durften erleben, wie Moderator Bob Hope von Feministinen mit Gemüse und Mehlbomben beworfen wurde. In diesem zeitgeschichtlichen Panorama werden Keira Knightley und ihre Mitstreiterinnen einerseits mit einem heute kaum mehr vorstellbaren Sexismus konfrontiert und andererseits werden auf unterhaltsame Art auch bis heute aktuelle Fragen verhandelt.

Am Freitag, den 13. November, Gruselthriller: "Warte, warte nur ein Weilchen!". Teile des Films wurden auf dem Antikhof Drei Eichen in Bröckel gedreht. Grund genug für uns, der Sache auf den Grund zu gehen. Kameramann Andreas Barthel ist im Kino und steht Rede und Antwort!

Ab 20. November:"Enfant Terrible". Mit einem herausragenden Oliver Masucci in der Hauptrolle und einem prominenten ­Ensemble verfilmt Enfant Terrible Oskar ­Roehler das Leben Rainer Werner ­Fassbinders, trifft diesmal dabei genau den richtigen und liefert so seinen besten Film seit langem.

Dokumentarfilme:

Donnerstag, den 15. Oktober: "Anthropozän – Die Epoche des Menschen". Ein Film, der in beeindruckenden Bildern die geologische Epoche einfängt, in der der Mensch die Erde in einem Affentempo an den Rand diverser Kipppunkte gebracht hat.

22. Oktober: "Miles Davis – Birth of the Cool" Ein Porträt eines der bedeutendsten, einflussreichsten und innovativsten Jazzmusiker des zwanzigsten Jahrhundert.
In Kooperation mit GreenBirth wiederholen wir am 29. Oktober "Die sichere Geburt – Wozu Hebammen?" Der Film zeigt u. a. wie eine natürliche Geburt vonstatten geht. Was mich dabei am meisten beschäftigt, ist der Eindruck, wie unsere Gesellschaft ihre zukünftigen Mitglieder bereits um ihre Potenziale betrügt, bevor sie überhaupt das Licht dieser Welt erblickt haben.

5. November: "Gestatten – Karl Schaper" Porträt des Malers, Bildhauers,Grafikers und Konzeptkünstlers aus Wolfenbüttel, der zu den bedeutendsten Vertreten der abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg zählt.

12. November: "Butenland"  Der Projekt Hof Butenland ist ein Bauernhof, auf dem Tiere nicht als Nutztiere gehalten werden.

19. November: "I am Greta". Porträt der schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg.
26. November: "Freistaat Mittelpunkt"
Dokumentarfilm über den Einsiedler Ernst Otto Karl Grassmé. Die Biographie des erwerbslosen, selbstbestimmten Moorbewohnes, der Bastler, Sammler, Invalide, Hühner- und Ziegenzüchter, Fotograf, Hobbyfunker, Gärtner, Maurer, Phantast, frommer Adventist, ewiger Außenseiter, Stimmungskanone für Bauernhochzeiten – und weithin bekannter Exzentriker war, reizt das Tragikomische zuweilen bis an seine Schmerzgrenzen aus. Regisseur Kai Ehlers (dessen Mutter übrigens gebürtige Cellerin ist) ist an dem Abend zu Gast und wird sicherlich verraten, was ihn nach seiner ARD-Doku über Helene Fischer dazu bewegte, sein Sujet derart drastisch zu wechseln.

3. Dezember: "Oeconomia" steigt gewissermaßen hinab in den "Maschinenraum" des Finanzkapitalismus, um dessen Spielregeln zu verstehen.

10. Dezember: "Lovemobil". Der Dokumentarfilm beleuchtet den Alltag von Sexarbeiterinnen in Wohnwagen zwischen Gifhorn und Celle. Regisseurin Elke   Lehrenkrauss wird voraussichtlich zu Gast sein, es sei denn, dass sie wegen Dreharbeiten in Kuba sein muss.


Die Kult-Weihnachtslesung
Sonntag, 20. Dezember, um 16 Uhr in KUNST & BÜHNE:
"Hilfe, die Herdmanns kommen" – szenische Lesung mit Anke Engelsmann