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Pastoren werfen Blick in die Kirchengeschichte/Bürgermeister mit froher Botschaft

Kirchweihfest und Müdener Markt zum 800. Mal

16.08.2017 - 14:42 Uhr     CelleHEUTE    0
Fotos: Susanne Zaulick

MÜDEN. Das älteste Fest Müdens, und sicher auch weit über Müdens Grenzen hinaus eines der ältesten Feste, ist eröffnet. Zum 800. Mal feiert man zwischen Örtze und Wietze den Müdener Markt bzw. das Kirchweihfest. Je nach Schwerpunkt grüßen die einen mit „Prost Jahrmarkt“, die anderen mit „Prost Kirchweih“, wenn sie heute und morgen durch den Ortskern schlendern, in dem sich ein Verkaufsstand an den anderen reiht – Karussells, Autoscooter und Schießbuden inbegriffen.

Am 10. August 1217 wurde die St. Laurentiuskirche geweiht. Das 800. Kirchenjubiläum wurde heute morgen mit einem festlichen Gottesdienst begangen. Mehrere ehemalige Pastoren der Gemeinde – Christian Merkel, Christian Berndt und Thorsten Oppermann – waren mit dabei. „Wie gratuliert man einer Kirche?“ Mit dieser Überlegung begann Pastor Rudolph Blümcke den Festgottesdienst, um die Frage gleich selbst zu beantworten. „Ich denke, das geht am besten, in dem man ein fröhliches Gotteslob in ihr erklingen lässt.“

Das taten die zahlreich erschienenen Gottesdienstbesucher mit vielen Liedern. Rudolph Blümcke, Christian Berndt und Thorsten Oppermann hatten einen Blick in die geschichtlichen Überlieferungen zur Kirche geworfen und vermittelten einige interessante, teils auch amüsante Details daraus. So soll Ludwig Harms über die Zeit vor der Christianisierung geschrieben haben, es lebe ein „unbeugsames, trotziges Volk, das gewaltig fest am Alten hängt und die Freiheit über alles liebt“ in dem Heideort. Dem Zwischenapplaus zufolge identifizieren sich auch heute noch viele Müdener mit dieser Charakterisierung.

Trotzdem überzeugte sie ein Prediger namens Landolf davon, ihren heidnischen Bräuchen den Rücken zuzukehren und eine christliche Kirche zu errichten. Nicht nur baulich, auch inhaltlich, gab es zahllose Veränderungen. Die romanischen Rundbögen wurden durch gotische Spitzbögen ersetzt, Tabernakel, Beichtstuhl und alles, was die Zeit vor der Reformation geprägt hatte, entfernt. Dass die Kirche relativ aufwendig dekoriert und ausgestattet wurde, könnte mit einer hier bestatteten Person zusammenhängen, mutmaßte Christian Berndt. Bei Bauarbeiten war vor Jahrzehnten eine Gruft mit einem unbekanntem Toten entdeckt worden. Weil man baulich im Zeitplan bleiben wollte, wurde nicht weiter nachgeforscht.

Typisch für die Müdener St. Laurentiuskirche ist, dass die Liturgie immer noch weitgehend nach alter Überlieferung gefeiert wird. „Müden ist ein ‚gallisches Dorf‘ in der Landeskirche und dafür in Hannover auch bekannt“, meinte Christian Berndt, der zehn Jahre lang Pastor der St. Laurentius-Gemeinde war. Auch die Fusion mit Faßberg habe nicht dazu geführt, dass „die Identität ganz weg ist“.

Nach der Eröffnung des Kirchweihfestes fand am frühen Nachmittag dann die Eröffnung des Marktes durch Faßbergs Bürgermeister Frank Bröhl, Ortsvorsteher Volker Nickel und Marktpräsident Otto Schaper statt. Grußworte gab es von Henning Otte als stellvertretendem Landrat und dem stellvertretenden Bürgermeister der Partnergemeinde Müden/Aller.

„Nur durch Menschen, die diese lange Tradition leben und weitergeben, können solche Feste erhalten bleiben“, meinte Frank Bröhl und lobte nicht nur alle haupt- und ehrenamtlichen Organisatoren und Helfer, sondern auch Schule und Kindergarten dafür, dass sie sich aktiv in das Fest einbringen. Am Rande hatte er auch noch eine frohe Botschaft für die Müdener: Die Gemeinde besitzt jetzt den ehemaligen Edeka-Marktk an der Hauptstraße. Damit ist das „Dorfladen Tante Hanna-Projekt“ einen Schritt weiter.

Viele Dorf-Aktivitäten hatten schon vor dem Fest stattgefunden. So hatte Fotograf Claus Heitmann 800 Müdener portraitiert, die jetzt auf großen Plakaten an der Kirche zu besichtigen sind. Der MTV Müden hatte zu einem 800-Kilometer-Lauf aufgerufen und beim Bäcker fand ein Malwettbewerb zum Thema statt.

Wie schon am Morgen in der Kirche, gab es etliche Geschenke zur 800-jährigen Festtradition. Auf dem Timmerplatz wurde ein historisches Wappen enthüllt, das man in der alten Wassermühle entdeckt hatte und das nun – in einem gemauerten Rahmen – den Platz ziert. Geschnitztes, Gedichtetes und ein Fotobildband waren weitere Präsente von Bürgern an diesem Tag an die Kirche oder die Gemeinde – je nachdem, ob die Betreffenden eher Kirchweih oder Jahrmarkt oder beides feiern.

Bis morgen in den späten Abend (22.30 Uhr Feuerwerk am Heidesee) wird nun in Müden gefeiert. Um 17.30 Uhr tritt heute die Gruppe Sambatz auf dem Hof Dageförde auf, ab 20.30 Uhr beginnt das NDW-Revival mit Elisa Hell. Morgen startet um 14 Uhr am Feuerwehrgerätehaus der Umzug der Kinder zum Spiel ohne Grenzen. Auf dem Timmerplatz und vor Hof Dageförder in der Alten Dorfstraße gibt es den ganzen Nachmittag und Abend hindurch weitere musikalische Programmpunkte.

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