CELLE. Von Rückenwind kann sie derzeit wohl nicht gerade sprechen: die Bundes-SPD im Abwärtstrend, die SPD-geführte Landesregierung seit gestern ohne Mehrheit, die Celler Orts-SPD zerstritten, die Bergstraße als Zubringer zum Auftakt auf dem Großen Plan wegen einer Demo abgesperrt und Dauerregen gab es auch noch. Aber „die SPD ist keine Schönwetter-Partei. Wir sind bei jedem Wetter für unsere Wähler da“, so Kirsten Lühmann, Celles Bundestagsabgeordnete, mit ihrem gewohnt trockenen Humor.

GenossInnen aus dem gesamten Wahlkreis reisten nach Celle, nur die Celler selbst blieben mehrheitlich fern – nicht einmal der ehemalige OB Dirk-Ulrich Mende war zu sehen, der inzwischen selbst Bundestagskandidat ist und eigentlich mit Lühmann gemeinsam in den Bundestag einziehen möchte – aber immerhin war Kanzlerkandidat Martin Schulz als „Papp-Aufsteller“ dabei. 

Als „Stargast“ begleitete sie ihre SPD-Kollegin Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin bei Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley. Mit einer fast halbstündigen Rede konnte sie die rund 40 Zuhörer, die sich unter dem Würstchenstand vor dem Regen zu schützen versuchten, nicht wirklich mitreißen. „Mehr Kitaplätze und bessere Schulausstattung“ sind halt Plattitüden, die auch überzeugte Genossen nicht mehr überzeugen – besteht doch geraden im Landkreis Celle ein eklatanter Lehrermangel unter einer SPD-Kultusministerin (CelleHeute berichtete mehrfach). Auch widersprach sie dem Celler Landtagsabgeordneten Maximilian Schmidt, der von einem zeitgleichen Wahltermin für den Bundes- und Landtag ausging. „Das ist noch nicht entscheiden, wir beraten noch“, stellte Marks klar. Kurz: Auch die eigenen Parteigenossen machen Lühmann den Wahlkampf nicht gerade leicht.

Darum will die ehemalige Polizistin wie bisher mit Inhalten überzeugen und muss dazu nicht viel schnacken. Sie hat ein Gefühl dafür, was „Anlass und Wetter“ entsprechend zumutbar ist und erklärte in knappen fünf Minuten, worauf es bei der Wahl am 24. September ankomme. Nicht sie als Person stehe im Vordergrund, sondern Inhalte, die sie vertritt – und hier vor allem „mehr Gerechtigkeit“ für alle mit den Themen aus unserer Region, die vom Bund aus entscheiden werden. Ihr erster Wahlwerbe-Spot verdeutlicht diese demütige Grundhaltung: in keinem Bild ist sie zu sehen, mit keinem Wort wird sie genannt, und doch wissen alle, um wen es geht – wieder mit der Prise Humor und natürlich dem nicht ganz ungewollten Werbeeffekt, Wähler neugierig zu machen – weitere Videos folgen. Das letzte Wort haben nämlich genau die Wähler – hier sind sich alle drei Politiker in ihren heutigen Wahlreden einig.

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