„Es bedarf einer Dynamik von unten“ – Klimadiskussion in VHS

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Fr., 14.02.2020 - 18:16

CELLE. Sie blieb länger als bis zur Halbzeit – für einen Volkshochschulkurs, der als „Fridays for Future – Unsere Forderungen für Celle“ angekündigt war, zu kurz -, aber immerhin, Emily Töng war anders als ihre Mitstreiter am Mittwochabend überhaupt anwesend. Innerhalb ihres Schwerpunktes „Klima“ bietet die VHS drei Abende an, in denen die Forderungen der Celler FFF-Gruppe auf lokaler Ebene thematisiert werden sollen.

 „Wir wollen eine Kommunikationsbrücke sein“, sagte Emily Töng. Als Partei möchte die Bewegung nicht identifiziert werden. „Wir sind aus gutem Grund nicht bei den Jungen Grünen“, betonte die 20-Jährige. Zu der aktiven Celler Gruppe gehören 25 bis 30 Personen. Seit Januar 2019 treffen sie sich regelmäßig. „Wir sind basisdemokratisch organisiert, jeder hat seinen eigenen Schwerpunkt“, berichtete sie. Den Forderungskatalog zu erstellen, habe mehrere Wochen gedauert. „Das war ein langer Prozess, und wir sind lange noch nicht fertig.“ Er gliedert sich in die Bereiche Energie, Mobilität, Ernährung, Bau, Umwelt und Ökologie, Ressourcen und Abfall, Bildung und gesellschaftliches Engagement sowie Wirtschaft. Eine Priorisierung sei noch nicht erfolgt. „Es ist einfach, Forderungen zu stellen, es ist auch wichtig, sie zu durchdenken“, machte Emily deutlich, dass die Gruppe sich der Komplexität des Themas sehr bewusst ist. 

Moderator und Dozent für politische Bildung an der VHS, Enno Stünkel, ging am ersten Abend noch nicht auf einzelne Punkte ein, stellte den Katalog auch nicht vor. Es entspann sich sehr schnell eine Fragerunde. Die rund 25 Teilnehmer waren sehr daran interessiert, mit der Vertreterin von Fridays for Future ins Gespräch zu kommen. Die Aufmerksamkeit für die Klimathematik sei dank FFF hergestellt. „Der nächste Schritt muss nicht von den jungen Leuten kommen, sondern von allen“, lautete eine Meinung. Von Geothermie über Fahrradverkehr, notwendigen Lernprozessen bis zur derzeit im Bauprozess befindlichen Sauna im Auftrag der Stadtwerke wurden unterschiedlichste Bereiche und Aspekte angesprochen.

Co-Moderator Reinhard Rohde übernahm die Aufgabe, einzuordnen und Auskunft zu geben über kommunalpolitische Prozesse. Auch die Frage nach der Altersgrenze für Teilhabe am Diskussionsprozess wurde aufgeworfen. „Sie wollen das doch nicht ernsthaft diskutieren?“, wunderte sich ein Teilnehmer über Enno Stünkels Anmerkung, man könne durchaus darüber reden, ob nur Leute unter 30 die Berechtigung hätten. Der 19-Jährige Yannis Naumann erstickte weitere Einlassungen dazu im Keim mit seinem Statement: „Das Blöde mit dem Alt und Jung sollten wir weglassen!“

Nachdem Emily Töng gegangen war, senkte er als Einziger den Altersschnitt. Aus ihrer Enttäuschung über die geringe Präsenz der FFF-Vertreter machten die VHS-Schüler keinen Hehl. Cornelia Döllermann-Nölting vermittelte: „Immerhin haben sie es geschafft, dass wir jetzt hier sitzen und über die Möglichkeiten auf lokaler Ebene diskutieren.“ Nach Ansicht von Reinhard Rohde ein ganz wesentlicher Punkt im Hinblick auf die Klimaproblematik. Damit sich etwas ändert, müssen Voraussetzungen erfüllt werden. Eine davon ist nach Meinung des VHS-Dozenten: „Es bedarf einer Dynamik von unten!“