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Celle - CD-Kaserne - Klimaschutz - Fridays For Future - Politiker - Podiumsdiskussion

„Konkreter Klimaschutz“ – Fridays For Future lud Politik auf’s Podium

17.06.2019 - 19:25 Uhr     Jan-Patrick Biedermann    0
Fotos: Peter Müller


CELLE. Wie Klimaschutz in der Region Celle konkret aussehen könnte, diskutierten heute Politiker der Celler Parteien auf dem Podium der CD-Kaserne Celle vor rund 550 Zuhörern. Unter der Moderation von Valerie Struck, Initiatorin der Fridays For Future-Bewegung in Celle, und Kai Thomsen, Geschäftsführer der CD-Kaserne, wurden Überlegungen angestellt, wie der CO2-Ausstoß zu verringern sei. Auf dem Podium: Kreisschülersprecher Johannes Schurian, Jörn Schepelmann (CDU), Kirsten Lühmann (SPD), Bernd Zobel (Die Grünen), Jörg Lehr (LINKE), Jörg Bode (FDP) und Jens Brockmann (AfD).



Lehr ist froh über die Klimaschutz-Bewegung: „Demonstrationen sind immer der Anfang von gesellschaftlichen Veränderungen. Die Linken stehen für eine Klimaschutzagentur im Landkreis Celle, die sicherstellt, den CO2-Ausstoß in unserer Region zu verringern“. Dafür sei eine Zusammenarbeit der Parteien notwendig. Auch Kreistags-Mitglied Zobel stellt fest, dass der Beitrag zum Klima- und Artenschutz in Deutschland nicht ausreiche: „Wir vermissen konkrete Zielvorgaben. Die Klimaschutzziele aus dem Pariser Abkommen für 2020 wird Deutschland verfehlen“. Dies sei nicht hinnehmbar.

Das Abkommen sei in jedem Fall einzuhalten, fordert auch Schepelmann. Das Mitglied des Landtags appellierte an die jungen Zuhörer: „Jeder hat seinen Beitrag zu leisten. Der Klimawandel existiert und der Anteil der Menschen ist unbestreitbar“. Damit bis 2050 80 Prozent des CO2-Ausstoßes reduziert werden kann, müsse man die erneuerbaren Energien fördern. Eine „Technologieoffenheit“ sei der Schlüssel. Bode sprach sich für einen dramatischen Wandel aus. Für die Region bedeute das, die Wärmeversorgung in den Haushalten zu betrachten sowie den Verkehrsfluss in Celle zu verbessern.

Brockmann sieht das ein wenig anders: „Wir sollten unsere Ressourcen sorgsam gebrauchen. Es darf keine neue Planwirtschaft entstehen, sondern wir müssen neue Technologien erforschen. Effiziente Märkte und Technologien bringen uns weiter“.  Die Bundestagsabgeordnete Lühmann gab einen Blick auf die Bundesebene. Hier fordert die SPD einen Atomausstieg bis 2022, den Kohleausstieg bis 2038 und noch in diesem Jahr soll ein Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht werden, der klare Minderungsziele aufzeigt. So sollen die Ziele des Pariser Abkommens zumindest für 2030 erreicht werden.

Schurian will der jungen Generation ein Mitspracherecht geben. Zusammen mit Fridays For Future hatte der Kreisschülerrat schon Thesen für die Region aufgestellt, um diese klimaneutraler zu machen: das Wegwerfen von Lebensmitteln in Supermärkten, mehr Mitsprache der Umweltschutzabteilung Celle sowie die Nutzung von Geothermie oder Solarenergie stünden auf der Agenda. In Vertretung für Prof. Dr. Gunther Beckmeyer, Professor an der Leibniz Universität Hannover, erklärte der Kreisschülersprecher den anthropogenen – also den menschengemachten –  Treibhauseffekt und dessen Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen.

Doch was kann nun in der Region getan werden?  Man halte an alten Technologien fest, bemängelt Lehr. In Niedersachsen sei die Umsetzung von Projekten nicht gewollt. „Unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit wurde in der Vergangenheit entschieden. So wird in Berlin immer noch gerechnet. Projekte scheitern an der Wirtschaftlichkeit – ohne Berücksichtigung des CO2-Ausstoßes“, ist Lühmann überzeugt. Dabei müssten neue Technologien ausprobiert werden, ohne dass diese immer die endgültige Lösung bieten.

Für Lühmann sind Umlegungen der Fahrstrecken und die Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit Celles ein großer Schritt: „Es ist sehr schade, dass wir in Celle so autofokussiert sind“. Laut Schepelmann ist Celle auf dem richtigen Weg: „Die Fahrradfreundlichkeit wird gefördert. Wir haben Fahrradschutzstreifen gebaut und – manch einer mag zwar darüber lachen – die frei zugänglichen Fahrradpumpen helfen der Stadt“.

Nichtsdestotrotz wünscht sich Schepelmann mehr Zusammenarbeit zwischen den Parteien, wenn es um den Klimaschutz geht. Das kann morgen im Kreistag gezeigt werden, wenn über einen Ausruf zum Klimanotstand abgestimmt wird. Dies scheint nicht immer einfach, wie man in der Debatte um die Ortsumgehung merkte. Für Schurian steht fest: „Wir müssen jetzt handeln. Es wird schwerer, je später wir anfangen“.



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