CELLE. In der Nacht zum Donnerstag, 22. März, flogen Helikopter so niedrig, unter anderem über den Stadtteil Heese hinweg, dass Anwohner in der Königsberger Straße aus dem Schlaf gerissen wurden und die Gläser in den Schränken klirrten. Doch ein noch größeres Erschrecken erwartete am nächsten Morgen die Küsterin der Pauluskirche, einige Meter weiter, in der Rostocker Straße 90: Sie fand die größte Orgelpfeife auf dem Steinfußboden im Altarbereich liegend vor. 3,14 Meter lang und 30-40 kg schwer – das tiefe „C“ aus dem Prinzipalregister 8 Fuß des Pedalwerks.

Glück im Unglück: Sie verfehlte nur wenig das Taufbecken und ein Klavier. Durch ihr Eigengewicht sowieso am stärksten belastet, war die Pfeife offenbar durch die nächtlichen Schwingungen und Erschütterungen kollabiert und aus ihrer Halterung gerissen worden. Nun steht die Paulusgemeinde ohne den klangmächtigsten Ton im Pedalwerk da. Immerhin: Vom Orgelbauer Jehmlich in Dresden kam auf Anfrage die Nachricht, dass die Pfeife vermutlich repariert werden könne. Jedoch rechnet die Gemeinde für die Reparatur mit Gesamtkosten von mehr als 2000 Euro. Von einen solchen Unfall habe man in der langjährigen Firmengeschichte noch nie gehört – lediglich eine Krimiautorin habe einmal angefragt, ob es überhaupt möglich sei, dass eine Orgelpfeife umkippe.

Da auch weitere Reparaturarbeiten an der Orgel anstehen, lädt die Paulusgemeinde zu einem spontan organisierten Konzert am Samstag, 14. April um 16 Uhr, in die Pauluskirche, Rostocker Straße 90, ein: Die Zwillinge Anja und Tanja Erofeeva aus Karelien (Russland), die bereits durch mehrere, hervorragende Konzerte in Celle bekannt sind, spielen auf Klavier und Violine eine bunte Mischung aus Klassik und modernen Stücken russischer, deutscher und argentinischer Komponisten. Der Eintritt ist frei, es werden Spenden für die Orgel gesammelt.

Tanja Erofeeva war bereits vor 10 Jahren mit einem Jugendorchester aus Russland zu Gast in Celle. Seit früher Kindheit spielen die Zwillinge ihre Instrumente. Nach Besuch einer Musikschule studierten sie in Moskau am Konservatorium Musik. Ende 2017 haben sie ihr Studium mit Erfolg abgeschlossen. Sie haben schon eine Vielzahl von Konzerten gegeben und haben an verschiedenen Wettbewerben auch im Ausland teilgenommen. Nun sind sie wieder in Celle und wollen ihr Können der Öffentlichkeit präsentieren.

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