Konzertreihe mit Barockensemble la festa musicale

Musik Von Extern | am Mo., 05.04.2021 - 19:04

CELLE. Englische Consortmusik des ausgehenden 17. Jahrhunderts, kombiniert mit elektronischen Samples – eine unwahrscheinliche Begegnung? Mit dem Programm „Fantasies“ begibt sich das Barockensemble la festa musicale am Sonntag, den 2. Mai in einem 50-minütigen Streaming-Konzert, abrufbar von 19 bis 24 Uhr, in eine Welt voll von Traumbildern und sphärischen Klängen. Das Konzert sollte ursprünglich in der CD-Kaserne Celle stattfinden. In reduzierter Besetzung trägt ein Streichquintett mit Laute Fantasies und Suiten von Matthew Locke und Henry Purcell vor, die in kleinen elektronischen Samples von Brezel Göring live weiterverarbeitet werden. „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ (Shakespeare) – die englischen Fantasies und Brezel Görings elektronische Improvisationen sind ein „perfect match“.

Fantasy – was für heutige Ohren nach glitzernd-märchenhaften Disney-Streifen klingt, war im England des ausgehenden 17. Jahrhunderts eine beliebte instrumentale Kompositionsform. Matthew Locke gehörte in dieser Zeit zu den bekanntesten Komponisten auf der Insel und experimentierte wagemutig mit Chromatik und Dissonanzen, die weit in die Zukunft wiesen. Die vergleichsweise freie und nicht an starre Takt- oder Harmonieschemata gebundene Form der Fantasy ließ ihm größere Freiheiten. Von Henry Purcell, der noch zu Lebzeiten als bedeutendster britischer Komponist und gar als „Orpheus britannicus“ bezeichnet wurde, sind ebenfalls Fantasies überliefert.

Mit dem Programm „Fantasies“ beginnt das in Hannover angesiedelte Barockorchester la festa musicale eine vierteilige Konzertreihe vom 2. Mai bis 30. Oktober. Das auf historischen Instrumenten musizierende Ensemble überrascht stets aufs Neue mit spannenden und innovativen Konzertprogrammen, in denen Kultur als Reflexionsraum dient und fantastische Gegenwelten geschaffen werden. Das Orchester gründete sich 2014 und war seitdem regelmäßig etwa beim Schleswig-Holstein Musik Festival, den Händel Festspielen Halle oder den Niedersächsischen Musiktagen zu Gast. Das norddeutsche Barockensemble steht für erstklassiges künstlerisches Niveau, das sich in kreativen, spartenübergreifenden Konzertformaten und hochkarätigen Kooperationen widerspiegelt. Die Musiker*innen sind charismatische Vertreter*innen einer neuen Generation der historischen Aufführungspraxis. Die künstlerische Leitung liegt bei Konzertmeisterin Anne Marie Harer. Konzertmitschnitte und CD-Einspielungen dokumentieren ihr künstlerisches Schaffen. Erst kürzlich ist ihre in der Presse gelobte Aufnahme der Concerti von Francesco Venturini erschienen: „Ein wahrhaft bereichernder Ausflug in die Musikgeschichte.“ (Online Merker). Das Barockensemble ist offizieller Partner der UNESCO City of Music Hannover und Ensemble in Residence der Hannoveraner Markuskirche.

Der ursprünglich aus Hessen stammende Brezel Göring, der mit bürgerlichem Namen Hartmut Richard Friedrich Ziegler heißt, kam Ende der 80er Jahre nach West-Berlin und ist seitdem von dort aus als vielseitiger Musiker aktiv. So trat er regemäßig mit dem Duo Stereo Total auf, dessen Sängerin Françoise Cactus kürzlich verstarb. Daneben veröffentlichte Göring Soloschallplatten und Musik für Videospiele, Filme und Theaterstücke. Er spielte unter anderem zusammen mit Neoangin (der Band von Jim Avignon), Kommando Sonnenmilch, den Ärzten, dem Elbipolis Barockorchester Hamburg, Klaus Beyer, Wolfgang Müller und dem Oberkreuzberger Nasenflötenorchester. Mitunter spielt er auf selbst erfundenen Musikinstrumenten. Hinzu kommen Auftragskompositionen und Aufführungen für Theater wie Hebbel am Ufer, die Kölner Philharmonie und die Berliner Volksbühne. Ansonsten spielt er diverse Tasteninstrumente, Gitarre und Schlagzeug.  

Am Sonntag, den 16. Mai lädt das Ensemble la festa musicale in einem 50-minütigen Streaming-Konzert, abrufbar von 19 bis 24 Uhr, zu einer Reise voller facettenreicher Geschichten in den italienischen Süden. Napoli – schon der Name klingt nach Sonne, Schönheit und Magie. „Neapel sehen und sterben,“ - bereits Goethe schwärmte vom unvergleichlichen, neapolitanischen Lebensgefühl. Eine uralte Stadt voller faszinierender Mythen, kultischen Handlungen und einem reichen kulturellen Erbe, das bis in die Zeit der griechischen Mythologie zurückreicht. Von diesen faszinierenden Geschichten rundum den Gründungsmythos, Totenkulte oder dem sogenannten „Blutwunder“ möchte la festa musicale erzählen. Die Sagen werden musikalisch von bislang unbekannten Werken neapolitanischer Barockkomponisten wie Francesco Mancini (1672–1737) oder Nicola Fiorenza (ca. 1700–1764) umspielt. Die neapolitanische Barockmusik war in ganz Europa berühmt und geschätzt für ihre expressive und kühne Harmonik, souveräne Satzkunst und progressive Instrumentierung. Ihr extrem dichter Affektgehalt, der bis heute nichts an Wirksamkeit eingebüßt hat, vermag auch in unserer heutigen Zeit Menschen tief zu bewegen.

Künstlerische Leiterin dieses Konzertprojekts ist die renommierte Blockflötistin Barbara Heindlmeier. Sie wuchs in Oberbayern auf und lebt heute in Bremen. Ihr Spiel, „das sich ebenso durch gedankliche Tiefe, musikalische Intelligenz, virtuose Brillianz und eine selten so gehörte Beherrschung der Farbpalette auszeichnet“ (Windkanal), ist dabei „bei aller aufblitzender Virtuosität eher poetisch als exaltiert“ (Image Hifi). Ihre Ausbildung als Blockflötistin erhielt sie u.a. bei Dorothee Oberlinger an der Universität Mozarteum Salzburg und bei Han Tol an der Hochschule für Künste Bremen. Aktuell widmet sie sich zunehmend spartenübergreifenden und geschichtendarstellenden Programmen wie „Kokopelli – ein seltsamer Vogel“ (2021), „Music is the Cure!“ (2020) oder „Gespräche mit dem Teufel“ (2019) – für la festa musicale | STORIES ist sie daher eine ideale Partnerin.
www.barbaraheindlmeier.de

Die Konzerte werden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der gemeinnützige Träger la festa musicale – Verein zur Förderung der Alten Musik e.V. ist für die Finanzierung der Online Konzertprojekte dennoch auf Spenden-Beiträge angewiesen. Wie bei analogen Konzerten gilt das Solidar-Prinzip „pay what you can“! Eine reguläre Eintrittskarte hätte in einem regulären Konzert etwa 20 € gekostet. Weitere Informationen: www.lafestamusicale.de

Überblick:

Konzert 1: Fantasies – Englische Ensemblemusik mit Live-Elektronik 
Mitwirkende: Streichquintett mit Laute von la festa musicale, Brezel Göring Wann und wo? 
Streaming-Konzert am Sonntag, den 2. Mai, abrufbar 19–24 Uhr (Dauer ca. 50 min) YouTube-Channel von la festa musicale 

Konzert 2: Storie di Napoli – Sagenhafte Barockmusik aus Neapel
Besetzung: Blockflöte, 3 Violinen, Viola, Violoncello, Violone, Cembalo, Laute Idee und Konzeption: Barbara Heindlmeier (Blockflöte)
Wann und wo?
Streaming-Konzert am Sonntag, den 16. Mai, abrufbar von 19–24 Uhr (Dauer ca. 1h) YouTube-Channel von la festa musicale 

Ausblick

Konzert 3: Der kleine Bach bleibt gerne wach – Ein Brandenburgisches Kinderkonzert Was bitteschön ist ein Violone? Und woher um alles in der Welt nimmt jemand wie Bach all seine Einfälle? Solchen und anderen Fragen geht das Ensemble la festa musicale gemeinsam mit Konzertpädagogin Britta Riedmiller spielerisch und musikalisch auf den Grund. voraussichtlich 12.6.2021 | Markuskirche Hannover und 10.7. 2021 | Stadthagen und 11.7.2021 |Northeim

Konzert 4: Pygmalion 4.0 – Eine musikalische Suche nach künstlicher Intelligenz, Ideal und Irrsinn
Dem Phänomen Mensch, der sich selbst zum Schöpfer macht, widmet sich la festa musicale im Abschlusskonzert ihres Konzertzyklus. Ausgangspunkt bildet das Bühnenwerk „Pygmalion“ von Georg Anton Benda. Der Schauspieler Christoph Tomanek, die Tänzerin Sara Ezzell sowie das ebenfalls szenisch agierende Orchester erwecken den Konzertraum zu besonderem Leben, alle werden Teil des „Organismus“.
Künstlerische Leiterin: Anna-Sophie Brüning (Dirigentin)
voraussichtlich 29.10.2021 | Marktkirche Hannover und 31.10. | Einbeck
Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie können leider keine verbindlichen Terminangaben gemacht werden.