CELLE. Am Sonnabend, 7. Januar, ist wieder Tauschrausch (Kostenlos-Flohmarkt) im Paulus-Familienzentrum (Rostockerstr. 90) von 15°° bs 20°° Uhr. Wer sich am 6. Januar von 13 und 20 Uhr durch Abgeben von Flohmarktsachen eine Eintrittskarte holt, kann sich am 7. Januar nach Herzenlust aus dem Angebot bedienen. Getauscht werden Kleidung, Bücher, DVDs,  Spielzeuge, Stoffe und natürlich auch klassische Flohmarktartikel.

Was in so genannten Studentenstädten vielfach Gang und Gebe ist, war 2016 erstmals auch bei der Paulusgemeinde in Celle ein öffentliches Event: ein “Tauschrausch”. Ungeliebte oder zu kleine bzw., zu große Kleidungsstücke werden aussortiert und gespendet. Dafür kann man sich dann wieder etwas Neues kostenlos aussuchen. Im Mai 2016 kamen 102 Menschen, um etwas Aussortiertes abzugeben. Dafür erhielten sie eine Eintrittskarte für sich selbst mit Familie oder FreundInnen. Einen Samstag später, am 21.05.2106 kamen dann 200 Menschen jeden Alters in den großen Saal der Paulusgemeinde, der voller gut sortierter Kleidung war. In einem anderen Raum der Gemeinde fand jedes Trödlerherz etwas Dekoratives und die Kinder neue Puzzles, Spiele oder anderes – manches noch original verpackt.

Die Stimmung war beinahe weihnachtlich. “Denn irgendwie fühlt man sich gut, weil man Überdrüssiges anderen weitergeben kann und sich zugleich so beschenkt fühlt“, so eine Besucherin gegenüber Sabine Richter-Zeck, der Ideengeberin und Organisatorin des Tauschrauschs. Alle Besucher gingen glücklich nach Hause. Sie hatten ein oder mehrere neue Lieblingsstücke gefunden. Die Kinder hatten neue Fahrradhelme auf dem Kopf, Kuscheltiere im Arm und das ein oder andere Brettspiel in ihrem Beutel – viele glückliche und stolze Gesichter.  „Eine tolle Aktion!“, klang es immer wieder und „Wann ist der nächste Tauschrausch?“

“Jede Generation hat ihre Geschichte – von dem Mangel in den Kriegsjahren, den goldenen Sechzigern bis hin zur schnelllebigen Wegwerfgesellschaft. Dass sich dieses Jahr so viele Generationen beim Tauschrausch trafen, ist kein Zufall. Uns verbindet ein ganz persönliches und gleichzeitig ein gesellschaftliches Phänomen”, meint Sabine Richter-Zeck. Die Koordinatorin des Paulus Familienzentrums und Sozialarbeiterin ist überzeugt, dass man dem Überangebot in unseren Läden nur schwer widerstehen könne und deshalb oft viel zu viel Zuhause habe. Und bei näherem Hingucken überkomme einen manchmal auch noch ein schlechtes Gewissen, wenn das Gekaufte nur mäßig oder gar nicht genutzt werde.

Wenn man sich wirklich frage, was brauche, sei das oft nicht viel. Zum Beispiel fühlten sich Menschen nach einem gelungen Umzug oft befreiter, da sie loslassen könnten. Und da setze der Tauschrausch an. “Kleidung, Bücher und so manch anderes Teil wurden produziert, um genutzt und getragen oder einfach gelesen zu werden. Wenn sie im Keller gehortet werden, kommt es einer Verschwendung gleich. Ganz nebenbei werden mit dem Tauschrausch Kinderarbeit und andere miserable Phänomene verhindert, die durch unsere Massenkäufe in unserer gewinnorientierten Weltwirtschaft nicht nur geduldet, sondern teils auch verursacht werden”, so Richter-Zeck.

Die übrig gebliebenen Sachen wurden an die Sozialen Kaufhäuser im Stadtteil weiter gegeben, um weiteren Menschen eine Freude bereiten zu können: Das Fairkaufhaus, KolpingTex und das Neufundland sind täglich geöffnet. Somit ergänzen sich der Tauschrausch als jährliches Event und die Sozialkaufhäuser.

 

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