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"Das Handwerk haftet nicht für Versäumnisse der Autoindustrie und Politik"

Kreishandwerkerschaft fordert bei Amtsträgerabend Abkehr vom „Akademikerwahn“

07.11.2018 - 14:08 Uhr     Jan-Patrick Biedermann    0
Fotos: Peter Müller


CELLE. Gestern trafen sich Politik, die Kreishandwerkerschaft und Vorstände sowie Ehrenamtsträger der Celler Innungen zum alljährlichen Amtsträgerabend der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide. Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, sich über gesamthandwerkliche Angelegenheiten zu informieren und soll dem Gedankenaustausch dienen. Neben dem Vorsitzenden des Vorstands, Kreishandwerksmeister Ernst-Heinrich Ahrens, referierte Niedersächsischer Kultusminister Grant Hendrik Tonne zum Thema „Berufliche Bildung im Fokus – was bewegt die Landesregierung?“



„Die gute wirtschaftliche Entwicklung im regionalen Handwerk hält an“, stellte Ernst-Heinrich Ahrens fest. Durch die gute Auftragslage hätten viele Betriebe Neueinstellungen vorgenommen. Um die Konjunkturentwicklung weiterhin positiv zu halten, sei eine enge Zusammenarbeit von Politik und Handwerk essentiell. So dürfe es zum Beispiel nicht zu weiteren Dieselfahrverboten kommen. „Der Fahrzeugbestand im Handwerk besteht zu 80 % aus Dieselfahrzeugen. Das Handwerk haftet nicht für Versäumnisse der Autoindustrie und Politik. Handwerker dürfen hierfür nicht die Zeche zahlen“, forderte Ahrens. Die Handwerkerschaft befürchte bei einem Fahrverbot, dass die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr sichergestellt werden könne.

Ein weiteres Problem sei der Fachkräftemangel. „Der Akademikerwahn führt dazu, dass qualifizierte Schulabgänger nur sehr schwer den Weg ins Handwerk finden“, sagt der Kreishandwerksmeister. Aufgrund hoher Zusatzkosten für Auszubildende in der Blockbeschulung, die oft in anderen Bundesländern stattfinde, sei es aufgrund des weit entfernten Berufsschulunterrichtes immer schwieriger, Nachwuchs zu gewinnen. In fast allen Bundesländern gebe es Zuschüsse zu Fahrtkosten, Unterbringung und Verpflegung – nicht jedoch in Niedersachsen. „Die niedersächsische Landespolitik sollte aktiv werden. Die Auszubildenden brauchen hier mehr Unterstützung“, kritisiert Ahrens.

Dessen ist sich der Kultusminister bewusst: „Schon in der Schule müssen die Voraussetzungen für den Erfolg auf dem Arbeitsmarkt gegeben werden. Dazu ist es die Aufgabe der Politik, sich auf die Vermittlung der Kernkompetenzen in der Schule zu besinnen“. Ebenso werde die flächendeckende Einrichtung der Jugendberufsagenturen in den Fokus gerückt, um jedem Jugendlichen einen erfolgreichen Einstieg zu gewährleisten.  „Die Digitalisierung muss in der schulischen und betrieblichen Ausbildung eingebunden werden. Sie ist unerlässlich, um die Attraktivität der Ausbildung für junge Menschen zu steigern“, forderte Tonne die Handwerkerschaft auf, auf die Interessen der Jugendlichen einzugehen.

Lob erhielt die Landespolitik für die Einführung der Meisterprämie in Niedersachsen. Laut Ahrens ist es ein gutes Zeichen, dass die niedersächsische Politik erkannt habe, dass die berufliche Bildung einen höheren Stellenwert verdiene und mit der akademischen Bildung gleich gestellt werden müsse.



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