Nach der Einnahme Hannovers (Erster Beitrag der Reihe: http://celleheute.de/kriegsende-vor-70-jahren/) konnten die alliierten Truppen schnell weiter in östliche Richtung vorstoßen. Die britischen Truppen hatten bereits am 10./11. April den Allerübergang bei Schwarmstedt und Essel erkämpft. Bis zum 13. April dauerten hier die Kämpfe gegen verschiedene deutsche Regimenter, welche sich bis ins Ostenholzer Moor zurückzogen.

Cover_After Action Report_Hendrik Altmann Einschussloecher_Allerbruecke Schwachhausen_Hendrik Altmann Heeresmunitionsanstalt Haenigsen_Hendrik Altmann Lageentwicklung am 12.04.1945_Hendrik Altmann

Während die britischen Truppen in einem nördlichen Korridor der heutigen Bundesstraße 3 vorrückten, gelang es den US Verbänden der 84. Infanterie Division über Groß Burgwedel nach Burgdorf vorzugehen. Diese Einheiten verfügten über Schwimmfahrzeuge, erinnerte sich Captain George B. Felton, der im 333. Infanterie Regiment diente. Auch das 334. Infanterie Regiment konnte bis nach Burgdorf ohne Schwierigkeiten vorankommen. Auf dem Weg wurden Flakgeschütze eingenommen, die von 14jährigen Kindern bedient werden sollten. In Hannover Kirchhorst konnte ein Kriegsgefangenenlager mit ca. 500 Inhaftierten befreit werden. Die Infanterieregimenter wurden vom 638. Tank Destroyer Bataillon unterstützt.

Zwischen Burgdorf und Hänigsen kam es erneut zu vereinzelten Feuergefechten mit deutschen RAD-Einheiten, welche sich im Wald verschanzt hatten. Der weitere Weg der US Truppen führte über Hänigsen auf Wathlingen. Etwa in Höhe der Wathlinger Kolonie wurde von beiden Waldseiten schweres MG-Feuer auf die anrückenden Amerikaner eröffnet. Ein M-8 „Greyhound“ Schützenpanzer wurde schwer getroffen. Der After Action Report des 638. Tank Destroyer Bataillons spricht an dieser Stelle von deutschen Panzereinheiten. Die Angaben decken sich mit Aussagen des SS-Untersturmführers Karl Jauss, welcher zu dieser Zeit der SS-Kampfgruppe Wiking angehörte, welche im vorherigen Beitrag bereits Erwähnung fand. Nach kurzem Gefecht gelang es den US-Truppen Wathlingen von zwei Seiten einzunehmen. Auch die einstige Heeresmunitionsanstalt zwischen Hänigsen und Wathlingen konnte gesichert werden.

Am 11. April gegen Abend war die 84. Infanterie Division schließlich im Landkreis Celle angekommen. Celle selbst lag im britischen Sektor und wurde schließlich am 12. April morgens von britischen Einheiten befreit. Die Amerikaner verbrachten die Nacht vom 11. Auf den 12. April zwischen Bockelskamp und Flackenhorst, unweit der heutigen Bundesstraße 214.

Während die US. Truppen aus Hannover abrückten, konnte die SS-Kampfgruppe Wiking, unter dem Hauptsturmführer Karl Nicolussi Leck fast unbemerkt bis ins Flotwedel gelangen. Die Einheit verfügte immer noch über zahlreiche Schützenpanzer, sowie sieben schwere Jagdpanther. Die Kampfgruppe operierte inzwischen hinter den feindlichen Linien und musste ständig Angriffe von alliierten Tieffliegern fürchten. Am 12. April gelangte die Kampfgruppe in das Langlinger Holz bei Sandlingen, wo sie zunächst unterzog.

Am Morgen des 12. April brachen die US-Truppen in Richtung Wienhausen auf. Den U.S.-Berichten zufolge sollen die Truppen hier erstmals auf nennenswerten Widerstand gestoßen sein. Das 333. Infanterie Regiment hatte den Auftrag eine intakte Allerbrücke zu erobern, um den weiteren Vormarsch zu sichern. Das 334. Infanterie Regiment war währenddessen von Hannover über Burgdorf vorgestoßen und rückte somit zur rechten Flanke des 333. Infanterie Regiments vor. Am 12. April bezogen Teile des 334. Infanterieregiments ihre Stellung in Langlingen.

Das 1. Bataillon des 333. Infanterie Regiments rückte bereits gegen Mittag des 12. April auf sein Ziel „Nordburg“ vor. In Schwachhausen wurden zwei deutsche Soldaten, bei dem Versuch die Allerbrücke zu sprengen, getötet. In Nordburg stieß die C Kompanie auf heftige Gegenwehr, denn laut Berichten der U.S. Chronik war das Dorf voll mit Gewehr- und Scharfschützen.

Derweil stand das 3. Bataillon. des 333. Infanterie Regiments in Wienhausen und sicherte die Straße in Richtung Oppershausen im Norden. Gegen 14:00 Uhr am 12. April begann das 3. Bataillon in Richtung der (noch) unversehrten Allerbrücke vorzugehen. Kurz hinter Wienhausen wurden die Amerikaner auf ein deutsches Halbkettenfahrzeug aufmerksam, welches unter der Brücke stand. Das 3. Bataillon eröffnete daraufhin das Feuer. Nur einen Moment später kam ein deutscher Soldat auf einem Fahrrad auf die Brücke. Er schwenkte ein weißes Taschentuch und winkte der 1. Kompanie entgegen in den Ort (Oppershausen) einzurücken. Der Kommandant der 1. Kompanie, Captain James M. Bradford vermutete in dieser Handlung einen deutschen Hinterhalt, zumal die Brücke offenbar vermint und bereit zur Sprengung war. Bradfort ging davon aus, dass die deutschen Soldaten die Brücke sprengen würden, sobald seine Männer sie passierten, daher wies er an, die Stellung bei Wienhausen zu halten. Als der deutsche Soldat auf dem Fahrrad näher kam und bemerkte, dass die Amerikaner nicht auf ihn reagierten, sprang er vom Rad ab und wollte in Richtung Oppershausen zurücklaufen. Ein U.S. Schütze schoss ihn nieder. Die deutschen Soldaten in Oppershausen sprengten daraufhin die Allerbrücke. Nun befand sich die einzige intakte Allerüberquerung zwischen Müden und Celle in Schwachhausen.

Um Oppershausen entbrannte ein heftiges Feuergefecht. Ca. 90 deutsche Luftwaffe-Soldaten, Waffen-SS und Hitlerjungen kämpften gegen die US-Truppen, welche nun durch die Aller auf den Ort vorrückten. Nach verlustreichen Kämpfen gelang es den US-Truppen schließlich den Ort einzunehmen. Klosterverwalter Fritz Kalthoff erinnerte sich später: „Wienhausen stand im Kreuzfeuer der Amerikaner und der überrollten Teile. Vom Klosterpark wurde in Richtung Oppershausen geschossen…“

Teile des 334. Infanterie Regiments waren auf Langlingen und Müden vorgegangen. In Langlingen war die Allerbrücke jedoch gesprengt worden, sodass die US-Verbände hier festsaßen, was am folgenden Tag zu einer folgenschweren Entwicklung führen sollte.

Am 12. April war es den US-Verbänden der 84. Infanterie Division gelungen intakte Allerbrücken bei Schwachhausen und Müden einzunehmen. Bereits einen Tag später sollten diese Einheiten schon fast bis an die Elbe gelangen. Während des schnellen Vormarsches konnten einige Gebiete nur unzureichend gesichert werden. Schon am 13.04. sollte es bei Wienhausen zu einer brenzligen Situation kommen, auf welche im nächsten Beitrag eingegangen wird. Im Buch „Der letzte Kriegstag“ werden diese Ereignisse anhand der US-Militärberichte, deutsche Berichte und zahlreichen Augenzeugenaussagen umfassend aufgearbeitet.

Informationen zum Buch „Der letzte Kriegstag“:

http://found-places.blogspot.de/2013/07/literatur.html

https://www.facebook.com/pages/Die-letzten-Kriegstage-im-Flotwedel/421688364652323

Heeresmunitionsanstalt Hänigsen:

http://found-places.blogspot.de/2012/06/heeresmunitionsanstalt-waldlager.html

Text: Hendrik Altmann

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