Kritik am Auswahlverfahren für neue Stadträtin Elena Kuhls

Politik Von Anke Schlicht | am Fr., 10.09.2021 - 06:53

CELLE. Die Politik übte massive Kritik am Auswahlverfahren zur Nachbesetzung der Stelle von Stadtbaurat Ulrich Kinder, dessen bis zum 31.3.2022 laufender Vertrag auf eigenen Wunsch, wie er in der gestrigen Sondersitzung des Celler Stadtrates betonte, nicht verlängert wurde. Dennoch votierte die Mehrheit der Ratsmitglieder mit 26 von 38 insgesamt abgegebenen Stimmen in geheimer Wahl Elena Kuhls zur neuen Stadtbaurätin und folgte damit dem Wunsch von Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, der sie vorgeschlagen hatte. Die bisherige Fachbereichsleiterin Stadtplanung im Celler Rathaus ist damit ins Beamtenverhältnis auf Lebenszeit berufen worden. Ihre Amtszeit beträgt acht Jahre.

Selbst die SPD, die für Kuhls stimmte, zeigte sich in ihren Wortbeiträgen nicht wirklich überzeugt von der Kandidatin: „Es handelt sich um eine Schlüsselstelle der Verwaltung. Da muss man die besten Kandidaten finden, sich Zeit nehmen“, gab Patrick Brammer zu bedenken und hob die Bedeutung des Amtes hinsichtlich der gestalterischen Aufgaben hervor: „Wo wollen wir 2030 stehen, wir brauchen Visionen.“ Christoph Engelen legte nach: „Ich kritisiere das Verfahren, vom Oberbürgermeister hätte ich mir ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl gewünscht.“

Noch Mitte Juli hatte Nigge sich von der Frage, ob Elena Kuhls Ulrich Kinder nachfolge, sehr überrascht gezeigt und auf die zu diesem Zeitpunkt auf den Weg gebrachte Ausschreibung des Postens in regionalen Medien verwiesen. Laut Verwaltung hätten sich acht Personen im anonymisierten Verfahren beworben, vier seien zum Vorstellungsgespräch am 31. August eingeladen worden. Wer von Seiten des Rathauses teilgenommen hat, lässt die Mitteilung der Verwaltung offen.

Anders als unter Nigges Vorgänger Dirk-Ulrich Mende (SPD) waren laut Aussagen einiger Ratsmitglieder während der gestrigen außerordentlichen Zusammenkunft am Verfahren keine Vertreter der Politik beteiligt worden. „Wir fühlten uns früher mehr mitgenommen“, wandte Oliver Müller (BSG/Die Linke) ein und nannte als Beispiel die Besetzung des Postens von Stadtkämmerer Thomas Bertram im Jahr 2015, in die Dirk-Ulrich Mende die Fraktionsvorsitzenden mit einbezogen hatte. Müllers Kritik setzte jedoch bei einem anderen Punkt an, gleich zu Beginn der Sitzung hatte er einen Antrag gestellt, die Wahl einer neuen Stadtbaurätin von der Tagesordnung zu nehmen mit der Begründung, dass die Amtszeit des Gremiums am Sonntag zu Ende ginge. „Der neue Rat wird mir ihr zusammenarbeiten, nicht wir“, betonte Müller.

Torsten Schoeps (WG) schloss sich sowohl bei diesem Aspekt als auch bei der fehlenden Hinzuziehung der Politik an und fügte die Vorgehensweise des Rathauses betreffend hinzu: „Das ging alles viel zu schnell, wirkte sehr überhastet.“ Daniel Biermann teilte für die AfD mit, man werde sich enthalten: „Das Prozedere hat uns nicht überzeugt. Nur eine Kandidatin ist vorgestellt worden. Wir konnten uns kein Bild machen“, sagte Biermann.

Die Grünen sprachen sich gegen die Besetzung der Dezernatsleitung Bauen und Umwelt mit Elena Kuhls aus. Fraktionsvorsitzender Bernd Zobel begründete die Ablehnung: „Wir hätten uns eine stärkere Berücksichtigung des Themas Klimaschutz gewünscht, und als Fraktion hätten wir gerne an der Entscheidungsfindung mitgewirkt, anstatt dass ein Urteil für uns getroffen wird.“

Elena Kuhls ist Celles neue Stadtbaurätin

CELLE. Elena Kuhls folgt Ulrich Kinder auf den Posten einer Stadtbaurätin. Schon einmal war sie im Neuen Rathaus angestellt, verabschiedete sich nach Rinteln an der Weser im Kreis Schaumburg und kehrte 2018 wieder zurück nach Celle.