Kritische Fragen an den Kultusminister - Schulleitungsverband Niedersachsen tagte

Gesellschaft Von Redaktion | am Mi., 18.09.2019 - 18:51

CELLE. Eine Torte in zweifacher Form überreichte der Vorstand des Schulleitungsverbandes Niedersachsen (SLVN) Kultusminister Grant Hendrik Tonne anlässlich seiner Herbsttagung in der Celler Congress Union. Den süßen, selbst gebackenen Kuchen dürfte er sich schmecken lassen. Ob die sieben Forderungen zur Definition eines eigenen „Berufsbildes Schulleitung“ in Form eines Tortendiagramms übereinstimmen mit den Plänen des Kultusministeriums wird der Minister überprüfen. Im Rahmen seiner Rede vor Vertretern des Berufsstandes im großen Saal der Congress Union kündigte er an, Mitte 2020 ein „Berufsbild Schulleitung“ erarbeitet zu haben. „Wir müssen die Leitungstätigkeit klar abgrenzen von der einer Lehrkraft“, brachte Tonne zum Ausdruck, dass es sich um eine eigenständige Profession handele.
Im November 2020 soll auch die Neuausrichtung der übergeordneten Einrichtungen auf Landesebene, also Landesschulbehörde, niedersächsisches Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung und Ministerium, abgeschlossen sein. Tonne strebt eine Veränderung in Richtung Dienstleistungsorientierung an. „Es wurde hier gute Arbeit geleistet, aber in den Schulen kommt sie nicht an. Das muss sich ändern“, sagte der Minister. Mit Nachdruck sicherte er zu, dass das von den Pädagogen in Leitungspositionen beklagte mangelnde in sie gesetzte Vertrauen wiederaufgebaut werden müsse. „Diese Haltung von Seiten der Behörden muss abgestellt werden!“.

Ein großer Teil der ausgeschriebenen Stellen sei mittlerweile besetzt, allerdings basierten Schwierigkeiten bei Einstellungen häufig darauf, dass die Bewerber in ihren Wunschregionen unterrichten möchten. „Wenn ich mir den Landkreis Celle angucke mit seiner guten Anbindung an Hannover, verstehe ich nicht, wieso wir hier Probleme haben“. In der sich an die Rede anschließenden Fragerunde griff der Leiter des Hermann Billung-Gymnasiums, Mirko Truscelli, das Stichwort auf. Als Problembezirk bezeichnete er den Landkreis Celle hinsichtlich der Versorgung mit Lehrkräften. „25 Prozent meines Kollegiums muss ich an andere Schulen abordnen. Lösen Sie das, Herr Minister!“, forderte Truscelli Grant Hendrik Tonne auf.

Für die speziellen, beispielsweise beamtenrechtlichen, Probleme bei der Abordnung von Pädagogen sagte Tonne pragmatische Lösungen zu. Der Prozess des Planens, was die Zahl von verfügbaren Kräften anginge, sei für die Landesschulbehörde schwierig, da die Bewerber lange zuwarteten in der Hoffnung, es ergäbe sich womöglich doch noch eine attraktivere Stelle. Weitere Fragen bezogen sich auf die Nutzung der Ressource von nicht-lehrendem Personal, Besoldung und Fridays-for-Future. Eine klare Ansage von Seiten des Ministeriums wünschte sich ein Schulleiter für den angekündigten Fridays-for-Future-Generalstreik. „Die Schulpflicht gilt, es bedarf keiner Sonderregelung, die rechtliche Grundlage besteht“, antwortete Tonne. Eine andere Frage sei es, wie man die berechtigten Forderungen der Schüler in den Unterricht integriere. „Es ist ein Teil der Freiheit der Schulen, selbst zu entscheiden, wie man damit umgeht“. Nichts spreche z.B. dagegen, einen Projekttag zum Thema Klimaschutz vorzusehen.
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