„Ein Fest für die Augen“ – Künstlergruppe LULU präsentiert „Inspirations“

Kunst Von Anke Schlicht | am Mo., 03.02.2020 - 18:19

CELLE. Eine Männerhandtasche mit Drahtbügel namens Karl für 234,56 Euro, Reflektionen auf Acryl über nie abgeschossene Problemwölfe namens Gw924m und preisgekrönte Table-Dancer an Laternenpfählen in der Bahnhofstraße: Celles malender Satiriker hat wieder zugeschlagen. Horst G. Brune setzt bei der neuen am Sonntag eröffneten Schau „Inspirations“ der Künstlergruppe LULU die humoresken Akzente und lässt es parallel leuchten. „Ein Fest für die Augen“, titulierte Laudatorin Dietrun Otten die Werke der sechs bildenden Künstler.

Gleich beim Betreten der Gotischen Halle fallen die „Farbfestivals“ an den Wänden auf. Ein wohliges Gefühl überkommt die Besucher, derer es am Sonntag anlässlich der Vernissage sehr viele gab, das Otten mit der sehr guten Hängung erklärt: „Die einzelnen Bilder geben sich gewissermaßen brüderlich die Hand und stehen vereint in ihrer Vielfältigkeit vor uns“, eröffnete die Kunsthistorikerin ihre gleichermaßen witzige wie kenntnisreiche Ansprache. Die Lust an der Farbe eint die LULUs – Ausnahmen zum Beispiel in Gestalt eines schlichten schwarzen Eimers bestätigen die Regel. „Karl“ hat Brune ihn genannt anspielend auf Lagerfelds letzte Forderung, mehr praktische Gegenstände in die Modewelt zu bringen.

Den stärksten Kontrast zu diesem rustikalen Alltagsbegleiter bilden nicht etwa die dynamischen Farbexplosionen von Angelika Holzbach, die kontrollierten an die Streetart angelehnten bunten Verschlingungen von Kelyne Reis oder Detailansichten von Renate Lübcke, sondern die feinen Blätter, die Ursula Gomm in die Fenster gehängt hat. Sie hat sich inspirieren lassen von den Riten und Gebräuchen fremder Länder, die „Geister der Götter“ sind mit Schriftzeichen versehen und erinnern an tibetanische Gebetsfahnen. 

Gründer von LULU ist Reinhold Tautorat. „Mit verschiedenen Techniken und Stilen, zum Beispiel gegenständlicher und ungegenständlicher flächiger Malerei, schaffen wir Werke zum Nachdenken. Wir setzen uns mit der aktuellen Situation unserer Gesellschaft auseinander“, umschreibt der Kunstprofessor die Schau. Er ist überhaupt nicht einverstanden mit der Kluft zwischen der eigentlichen Kunst und dem Kunstmarkt: „Das hat wenig miteinander zu tun“, sagt er und verweist auf seine Form des stillen Protests, die als verstecktes Zeichen eingewoben ist in ein abstraktes Werk. Auch er bedient sich bevorzugt der Farbe, mit klaren Linien grenzt er Flächen voneinander ab – bleibt ein Stückchen unausgefüllt, ist dieses kein Zufall, sondern mit Bedeutung unterlegt.

In reinstem Weiß erschließt sich dem genauen Betrachter der Fingerzeig Johannes des Täufers von Leonardo da Vinci. Er hat etwas Mahnendes, das sich vielfältig anwenden lässt, im Zusammenhang mit dem Kunstevent in der Gotischen Halle zum Beispiel zu deuten wäre als: „Verpassen Sie diese überaus sehenswerte Ausstellung nicht!“ Die Laufzeit von „Inspirations – Kunst inspiriert vom Leben, von Liebe …von einem Augenblick“ ist kurz: 2. bis 23. Februar 2020, dienstags-sonntags, 12 bis 16 Uhr, Gotische Halle, Schloss Celle.