CELLE. „Es ist dem Bildungsmanagement und dem Kulturdezernat der Stadt Celle eine Herzensangelegenheit, die Integration und Arbeitsmarktqualifizierung von Geflüchteten mit kulturellen Interessen zu befördern.“ Mit diesen Worten eröffnete Susanne McDowell, zuständige Dezernentin, am Montag eine Informationsveranstaltung über das Förderprogramm „Integration durch Kultur“ des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (MWK). Frauke Patzke, Leiterin des Referates 32 – Kulturentwicklung, Kulturförderung, Kulturelle Bildung im MWK, stellte die Förderformate Projekte, Praktika, Stipendien, Volontariate und Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Überblick vor.

Diese richten sich an Geflüchtete mit kulturellen Interessen oder, im Falle der Stipendien und Volontariate, mit beruflicher Vorqualifizierung im Feld Kultur. „Die Bleibeperspektive spielt keine Rolle, auch Geflüchtete aus als sicher eingestuften Herkunftsländern können gefördert werden. Auch wer das Studium oder die Berufsausbildung durch die Flucht unterbrechen musste, kann teilnehmen“, betont Patzke. Es wird für jeden Fall eine gute Lösung gesucht, die sowohl den Geflüchteten als auch der antragstellenden Kultureinrichtung dient. Die Programme lassen sich dabei miteinander kombinieren, so könne man etwa den Eigenanteil beim Stipendium durch eine Projektbeantragung fast auf Null setzen, so das MWK.

Das hat auch die Kulturfabrik Löseke in Hildesheim mit Erfolg gemacht, wie Stefan Könneke und seine afghanische Stipendiatin Lina Sharifi berichteten. Im Hildesheimer Beispiel wird eine weitere Zielsetzung des Förderprogramms deutlich: mit den Geflüchteten auf Augenhöhe zusammenarbeiten und die Ideen für die Projekte, Praktika etc. gemeinsam mit den Geflüchteten entwickeln. Daraus entstehe ein Austausch und eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, Kultureinrichtungen erhalten z. B. Wissen und Zugang zur Zielgruppe Geflüchtete und können dies ggf. auch auf die Arbeit mit Migranten übertragen.

Am Beispiel von „Hafven“ aus Hannover wurde bei der Infoveranstaltung deutlich, wie weit Kultur in diesem Förderprogramm gefasst wird: Theater, Tanz, Musik (auch Gesang, moderne Musik), Regie/Bühnenbild/Maske/Requisite, Archäologie, Restaurierung, Museumsarbeit, Sprachkunst, Fotografie, Film etc. sind mögliche Betätigungsfelder. Alexandra Faruga und Iyabo Kacmarek vom Coworking und Maker Space „Hafven“ bieten z. B. in Werkstätten Praktika im Bereich Schneiderei, Holz und Metall an. Dass diese Praktika ein Einstieg in die Arbeitsmarktqualifizierung sein können, zeigt der Fall des Georgiers Nikolodz Gagnidze, der jetzt eine Ausbildung im Kulturzentrum Faust begonnen hat.

Ein weiteres Highlight des Förderprogramms ist die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur als Tandem zu machen: Geflüchtete und nicht geflüchtete junge Menschen bis 27 Jahre erarbeiten zusammen ein Projekt und lernen voneinander, stellte Kai Krüger von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen e. V. vor. Celler Kultureinrichtungen, die am Tandem-Modell Interesse haben, müssen sich allerdings sputen, die Antragsstellung endet bereits am 1.9.17.

Für alle anderen Formate gilt: Anträge für 2018 müssen zum 30.11.2017 eingereicht werden, Projektanträge können aber jederzeit eingereicht werden. Die Celler Kultureinrichtungen werden dabei nicht alleine gelassen. Sie können sich beim Ministerium beraten lassen (Kontakt unter: www.mwk.niedersachsen.de, -Kultur, -Integration durch Kultur).  Zudem erhalten sie Unterstützung durch Birgit Nieskens vom Bildungsmanagement der Celler Zuwanderungsagentur und Elke Möller, Team Migration und Integration vom Landkreis Celle, die auch die Infoveranstaltung organisiert haben. Die beiden möchten Geflüchtete und Celler Kultureinrichtungen zusammenbringen. Zusammen mit dem Jobcenter Celle planen sie z. B. ein Treffen, bei dem sich Kultureinrichtungsvertreter und interessierte Geflüchtete kennen lernen und gemeinsam Ideen entwickeln können.

Das Unterstützungsangebot fand insgesamt große Zustimmung bei den anwesenden Kultureinrichtungen. Diese berichteten, dass sie oft gute Ideen hätten, aber kaum Zugang zu Geflüchteten. Auch fühlen sie sich überfordert, wenn Geflüchtete wegen Alltagsproblemen ihre Mitarbeit an Kulturprojekten beenden müssen. Wenn hier die Celler Zuwanderungsagentur Ansprechpartner sein könnte, wäre das eine große Hilfe.

Museen in Stadt und Landkreis Celle steht ein weiteres Unterstützungsangebot zur Verfügung. Der Museumsverband Niedersachsen/Bremen hat unter dem Titel „Neue Heimat in Niedersachsens Museen“ seit Mitte Juli ein Projekt initiiert, um Museen in der Integrationsarbeit sowohl mit hilfreichem Wissen aus der Praxis, Vermittlung von Kontakten, als auch zu gesetzlichen Bestimmungen oder Förderprogrammen zur Seite stehen. Projektleiter Necaattin Arslan berichtete auf der Infoveranstaltung in Celle, dass er Museen auch zu neuen Initiativen motivieren könne und knüpfte dazu erste Kontakte vor Ort (Kontakt: necaattin.arslan@mvnb.de).

So verließen etliche Kultureinrichtungen die Informationsveranstaltung mit dem Vorhaben, Konzepte zu entwickeln und sich am Förderprogramm zu beteiligen. Weitere Informationen zu „Integration durch Kultur“ in Celle gibt es für die Stadt bei: Dr. Birgit Nieskens, Tel. 05141-12-5671, Birgit.Nieskens@celle.de und für den Landkreis bei Elke Möller, Tel.: 05141-916-4057, Elke.Moeller@lkcelle.de.

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