CELLE/SCHWARMSTEDT. Zum 2. Silvesterspaziergang im Aller-Leine-Tal trafen sich über 20 Kulturschaffende und Kulturfreunde aus Celle, Müden, Faßberg, Hannover, dem Heidekreis und Italien in Schwarmstedt – darunter auch Radioflora-Redaktionsleiter Alfred Klose. „Ortsbilderklärer“ Charly Braun startete mit der Gruppe im Bürgerpark auf der Suche nach Spuren seiner Geburt in einer Baracke des damaligen hannoverschen Behelfskrankenhauses. Später wurde das Gelände als Kaserne genutzt.

Braun erlebte, wie nach Abzug der Bundeswehr, hier 1970 Kriegsdienstverweigerer, die man später als Zivildienstleistende bezeichnete, im Stacheldraht umzäunten Gelände Lageraufbauarbeiten leisten sollten. Weil das den bisherigen Sozialdiensten für „Ersatzdienstleistende“ widersprach, verweigerten sich die Betroffenen und wurden dabei von den Schwarmstedter Pastoren Werner Ballnus und Henning Drude unterstützt. „Es kam zu einer großen Demonstration und von Schwarmstedt ausgehend zum bundesweiten Streik. Die Aktion war erfolgreich. Es blieb in Deutschland bei sozialen Diensten für Kriegsdienstverweigerer“, so Charly Braun.

Beim Dorfrundgang informierte Charly Braun über „derer von Bothmer“ und ihre damaligen Untertanen, einen Mord in den 1960er Jahren sowie konfliktreiche und lustige Geschichten um „Norddeutschlands beliebtesten Bade-Kiessee, die „Costa Kiesa““ des Kalksandsteinwerks Graucob. Den Hinweis auf die Villa von Scorpions-Gründer und Turnhallenbau-Unterstützer Rudolf Schenker ergänzte Gewerkschafter Braun mit unverholener Freude darüber, wie die Junge Union den Turnhallenbau in Bothmer gegen den Willen der großen Bevölkerungsmehrheit vergeblich zu verhindern versucht habe.

Von der einstmaligen „Reiheschule“ ging es thematisch zur KGS-Schwarmstedt, die viele Schüler aus dem Kreis Celle hat. Höhepunkt war die Besichtigung des Museums Alte Dorfschule. Rita Grunwald-Qual führte anschaulich vor, wie mit Ranzen und Schulbüchern Mädchen und Jungen zu verschiedenen Rollen erzogen wurden und wie sich soziale Unterschiede praktisch zeigten. Nachdem der italienische DADA-Künstler de Martin seine Anti-AKW-Hymne zum Besten gegeben hatte, beschlossen die Kulturfreunde den Tag im eindrucksvollen Antiquitätencafé.

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Fotos: Anna Jander

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