Outdoor-Galerie an der Ratsmühle - „Kulturgesichter“ werden zu Kunst im öffentlichen Raum

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Sa., 16.01.2021 - 08:48

CELLE. Wer sich dieser Tage und Wochen von der City in Richtung Schützenplatz und Allerinsel begibt, sollte den Blick strikt nach links wenden, wer von der Hafenstraße kommt, dementsprechend nach rechts. Zu entdecken gibt es Kunst im öffentlichen Raum: 25 „Kulturgesichter“ in schwarz-weiß blicken von der Fassade der Ratsmühle hinab auf das Stadtgeschehen. „Was wir wollen, ist Aufmerksamkeit“, erläutert Birgit Nieskens.

Sie ist eine der Initiatoren hinter dem gleichnamigen Projekt, das im November des vergangenen Jahres nach dem Vorbild aus anderen deutschen Städten „#Ohneunsistsstill“ in Celle entstand, und es sich zur Aufgabe gemacht hat, auf die Not der Kulturbranche in Corona-Zeiten hinzuweisen.

107 Kulturschaffende vor und hinter den Kulissen begaben sich vor die Kamera des Wienhäuser Fotografen Martin Menzel: „Es geht um die Gesichter“, betont Menzel. Um von diesen einen intensiven Eindruck einzufangen, entschied er sich für schwarz-weiß. „Farbe ist ein Gestaltungselement, das hätte nur abgelenkt“, sagt der Fotograf und fügt hinzu: „Das war kein Beauty-Shooting. Die Lage ist krass, daher habe ich bewusst hart abgelichtet.“ Bisher waren die Ergebnisse nur im Internet auf der Seite www.kulturgesichtercelle.de und in den sozialen Netzwerken zu sehen. Nun erobern sie mit ihrer Botschaft den öffentlichen Raum. „Wir haben den sozialen Anspruch, Künstler und Kulturschaffende zu unterstützen“, machte der Geschäftsführer der Stadtwerke, Thomas Edathy, deutlich, weshalb er ebenso wie die Stadtverwaltung keine Sekunde zögerte, die denkmalgeschützte und von den Stadtwerken als Tochterunternehmen der Stadt verwaltete Ratsmühle zur Verfügung zu stellen. Bis Weihnachten schmückte die Fassade des traditionsreichen Gebäudes ein Adventskalender, „wir haben die Tafeln für die Blätter einfach umgedreht“, erläutert Edathy am Freitagnachmittag anlässlich der offiziellen Eröffnung, Alexander Wenzel sorgte für den Druck der Fotos, und schon war die Outdoor-Galerie fertig.

Das Projekt, das im Netz auf hohe Resonanz stieß, ist damit jedoch längst nicht beendet. Das Organisatoren-Team Max Mund, Lucas Rosenbaum, Martin Menzel, Sören Linne, Birgit Nieskens und Katharina Witerzens möchte die gewonnene Aufmerksamkeit nutzen, um Wege aus der Krise aufzuzeigen. „Wie kann man unterstützen, Voraussetzungen schaffen für Veranstaltungen, die irgendwann mal wieder stattfinden, das wollen wir im nächsten Schritt aufzeigen“, erläutert Max Mund.

Weitere Foto-Shootings sowie Plakataufhängungen in der ganzen Stadt werden folgen, um „Kulturgesichtern“ ein Gesicht zu geben.

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