Ohne sie ist es still - "Kulturgesichter" zeigt die Not der Branche

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Fr., 04.12.2020 - 18:02

CELLE. Es ist durchaus ein Thema, immer mal wieder wird in Fernsehdiskussionen oder Nachrichtenbeiträgen über die Kulturbranche, die Corona-bedingt brachliegt, gesprochen und berichtet. Lokal stehen einige wenige Gesichter vom Intendanten des Schlosstheaters über einzelne Veranstaltungsmanager bis zum Geschäftsführer der CD-Kaserne stellvertretend für das Kulturleben, das die Stadt und den Landkreis gleichermaßen bereichert wie prägt. Doch die meisten Menschen, die Kultur in unserer Region erst möglich machen, die hinter den Kulissen wirken, Ideen entwickeln, organisieren, Technik bereitstellen und bedienen können, Bühnen bauen, beleuchten, Kostüme nähen und vieles mehr, kennt kaum ein Zuschauer. Eigentlich wollen sie auch gar nicht nach vorne, aber Corona lässt ihnen keine andere Wahl. Die Not in der Branche ist groß, und so haben sich auch die Akteure der Celler Kultur-Szene entschieden, sich ausnahmsweise in die erste Reihe zu begeben, Gesicht zu zeigen und aufmerksam zu machen auf ihre derzeitige Situation. Auf https://kulturgesichtercelle.de/ werden sie sich in wenigen Tagen präsentieren, künstlerisch abgelichtet in schwarz-weiß vom Wienhäuser Fotografen Martin Menzel, versehen mit kurzen knappen Textbeiträgen.

„Wie wir auf die Idee gekommen sind, ist einfach, wir haben sie kopiert“, erläutert einer der Initiatoren der Kampagne „Kulturgesichter“, Maximilian Mund, die sich an alle wendet, die hauptberuflich mit Kultur zu tun haben. Vorbild ist das überregionale Projekt „#Ohneunsistsstill“.

Am Freitag luden die lokalen Initiatoren Maximilian Mund, Lucas Rosenbaum, Birgit Nieskens, Martin Menzel, Sören Linne und Katharina Witerzens in die Turmbühne des Schlosstheaters ein, die Intendant Andreas Döring problemlos zur Verfügung stellte. Martin Menzel hat den Turm in ein Fotostudio verwandelt. 40 Angehörige der Branche haben sich für den ersten Termin, dem weitere folgen, angemeldet, um abgelichtet zu werden. Thies Holler ist einer von ihnen: „Ich habe meine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker in der CD-Kaserne im vergangenen Jahr abgeschlossen“, berichtet der junge Mann. Ab Februar hätte er richtig loslegen können, denn er wurde übernommen, erhielt einen Vertrag. Die Corona-Krise verhinderte, dass Holler erste Berufserfahrung sammeln konnte. „Mit diesem Projekt bekommen wir eine Öffentlichkeit, die wir sonst nicht haben“, sagt er, „die Leute, die nicht auf der Bühne stehen und die es trotzdem betrifft, werden sichtbar.“

Genau darum geht es Maximilian Mund und seinen Mitstreitern. „Wir wollen einerseits die Diversität der Berufe zeigen, die notwendig ist, um Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Und wir wollen hinweisen auf Ansätze für Lösungswege“, erläutert der Inhaber einer Firma für Veranstaltungstechnik. Zum Beispiel müsse man Tickets ja nicht zurückgeben, sondern könne das Geld spenden oder das Publikum könnte Gutscheine für künftige Aufführungen erwerben. Eines möchten die Kulturschaffenden keinesfalls, Maximilian Mund betont: „Wir wollen nicht jammern.“

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