Kunstpreis für Horst G. Brune

CELLE. Horst G. Brune schreckt vor nichts zurück – selbst wenn die Kirche einlädt, setzt er auf Spott und Ironie, macht Sportvereine zu gemeinnützigen Table-Dancern, die mangels geeigneter Räumlichkeiten an den Laternenpfählen der Bahnhofstraße üben müssen. Diese Darstellung brachte dem Celler Maler nun den Sonder-Kunstpreis der Hannoverschen Landeskirche ein.

„ZeiTRäume“ lautete das Thema, zu dessen künstlerischer Umsetzung der Kirchenkreis Burgdorf gemeinsam mit dem Kulturverein SCENA bekannte niedersächsische Kunstschaffende eingeladen hatte. Wie gestalten wir unsere Zeit? Wie gewinnen wir Freiräume und welche Träume warten darauf, in Erfüllung zu gehen, lautete die Fragestellung. Eine hochrangig mit Vertretern der Kirche und kreativen Vereinigungen besetzte Jury wählte schließlich 55 Bilder und Installationen aus, die einen Monat lang in fünf Burgdorfer Kirchen und verschiedenen öffentlichen Gebäuden ausgestellt wurden. Sowohl Konzerte des Organisten Robin Hlinka sowie des Jannis-Wolff-Jazz-Trios als auch ein Gespräch mit Landesbischof Ralf Meister umrahmten die Schau. „Glaube und Kunst sind wichtige Begleiter, um sich im Alltag freie Räume zu schaffen“, betonte der Bischof. 

Auf der Finissage im September prämierte die Jury die beiden besten Arbeiten. Zur Überraschung der Besucher und Teilnehmer wurde noch eine dritte Auszeichnung, der Sonder-Kunstpreis der Hannoverschen Landeskirche, vergeben: „Seit die Burgturnhalle abgebrannt ist, muss der gemeinnützige Table-Dance-Verein an den Laternenpfählen der Bahnhofstraße üben“, lautet der Titel des Bildes, das dem Mitglied der Bezirksgruppe Celle des Bundes Bildender Künstler (BBK) und der Künstlergruppe LULU die Ehrung eingebracht hat. Brunes Darstellung greife nicht nur den Themenkomplex ‚Zeitraum‘ des Themas „ZeiTRäume“ auf, hieß es in der Begründung, sondern auch den Aspekt ‚Traum‘. Nach über drei Jahren, die seit dem Brand vergangen seien, wünsche man sich, endlich wieder eine Turnhalle zu bekommen.

Dieses Bild stehe nicht nur mit den zwei weiteren eingereichten Arbeiten des Malers im Kontext, sondern sei im Zusammenhang mit seinem gesamten Werk zu sehen. Seine Bilder zielten darauf ab, durch Ironie, Spott und Übertreibungen bestimmte Wertevorstellungen oder Zustände zu kritisieren und mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus gepaart mit einem fröhlichen Unterton der Lächerlichkeit preiszugeben. So auch in dem prämierten Werk, das die abgebrannte Turnhalle ebenso wenig zeige wie die Sportvereine, die er ironisch überspitzt als gemeinnützige Table-Dancer an den Laternenpfählen der Bahnhofstraße üben lasse. Horst G. Brune war vollkommen überrascht von der Auszeichnung, sein Kommentar lautete: „Kirche kann ja auch Satire!“.