Es mutet fast kurios an, wenn man als von Herrn Cramer angeschriebenes Mitglied des Celler Rates die Empfehlung bekommt, dem Rat der Stadt Celle – sprich einem selbst -nicht mehr zu trauen“, so Dr. Michael Bischoff, CDU-Ratsherr. Auch die Verwaltung hat auf unsere Berichterstattung reagiert (CelleHeute berichtete exklusiv):

„Es hat in der Vergangenheit eine Vielzahl von Gesprächen zwischen Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, Verwaltung und Herrn Cramer gegeben. Der Vorwurf, es würden absichtlich Termine nicht wahrgenommen, ist nicht nachvollziehbar“, so die Stadt. Als Zeichen des Entgegenkommens wurde der Tagesordnungspunkt morgen von der Ratssitzung gestrichen. Ein weiteres Mal werde Cramer damit die Gelegenheit gegeben, sich zur Sache zu äußern. Die Stellungnahmen wie bei CelleHeute gewohnt ungekürzt und unkommentiert:

Michael Bischoff:

„Dabei habe ich durchaus Verständnis und Sympathie für die Enttäuschung, die Herrn Cramer in Anbetracht des drohenden Aus seines Projektes in der Wehlstraße umtreibt. Ob es allerdings nun ausschließlich an der Bauverwaltung der Stadt Celle liegt, dass sein Projekt nach 5 Jahren Planungszeit noch keinen Spatenstich vorangekommen ist, muss stark angezweifelt werden.

Da wird ja zunächst der Vergleich mit dem Bauvorhaben Alte Feuerwehrwache argumentiert. Dort habe es nicht annähernd vergleichbare Probleme gegeben. Insider wissen, der Bau auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände Bergstraße/Wehlstraße verbarg jede Menge Unwägbarkeiten. Angefangen beim unterirdischen Stadtgraben mit dementsprechenden Grünrundungsproblemen bis hin zur Freilegung archäologischer Funde oder den auch zur dort massiv ins Gewicht fallenden verkehrlichen Anbindungen des neuen Wohn und Shoppingcenters. All diese Erschwernisse und Besonderheiten konnten in Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Investor zügig abgearbeitet werden. Insofern bleibt zu hinterfragen, ob die Celler Bauverwaltung tatsächlich so schwerfällig und unkooperativ ist, wie von Cramer dargestellt.

Zum Thema Neubewertung Innenstadtverträglichkeit: In den letzten fünf Jahren – im Zeitalter der Digitalisierung unserer Arbeits- und Konsumwelt eine lange Zeit – hat sich der Trend zum Online-shopping dramatisch verstärkt und die innerstädtischen Einkaufszentren – nicht nur in Celle – erheblich in Gefahr gebracht. Die Leerstandsstatistik untermauert diesen Trend eindrucksvoll.

Das von Cramer angeführte CIMA Gutachten zur Innenstadtverträglichkeit legt Maßstäbe von gestern an und vernachlässigt die genannte Entwicklung. Nach wie vor hält CIMA im großflächigen Einzelhandel eine Verkaufsfläche von 10 % für innenstadtrelevante Sortimente für verträglich, obgleich die eben gleiche CIMA der Stadt Celle in einem – von der Stadt Celle finanziertem Gutachten – die Aufrechterhaltung der 10 %-Regel für innenstadtrelevante Sortimente bei expandierenden Verkaufsflächen außerhalb des innerstädtischen Kerngebiets in Frage stellte. Aber schließlich kann von niemandem – auch nicht von der CIMA – erwartet werden, dass er die Hand, die ihn nährt, abschlägt.

Wenn heute ein frisch gewählter Oberbürgermeister das Cramer Projekt unter städtebaulichen Aspekten des Jahres 2017 und nicht denen des Jahres 2012 kritisch abwägt und zu dem Schluss kommt, dass dieses nicht mehr den Erfordernissen einer positiven Innenstadtentwicklung Celles entspricht, so ist dies für den Investor zwar bitter aber im Interesse der Stadt und ihrer Bürger legitim und zukunftsweisend.

Die CDU Fraktion im Rat der Stadt Celle wird den Vorschlägen des Oberbürgermeisters zur Entwicklung eines zeitgemäßen und nachgefragten Wohnquartiers zwischen 77er und Wehlstraße folgen.“

Stadt Celle: „Vertrauen Sie uns“

„Es ist bei Vorhaben dieser Größenordnung üblicher Gang des Verfahrens, dass Rahmenbedingungen in Gesprächen und Verhandlungen fortwährend evaluiert und angepasst werden. So auch in diesem Fall, bei welchem sich die Planungen bereits seit fünf Jahren hinziehen und sich in dieser Zeit die Rahmenbedingungen städtebaulicher Art, aber auch deren politische Bewertung, geändert haben. Dies ist normaler Lauf der Dinge.

Aus diesem Grund ist die sehr emotionale Reaktion Herrn Cramers auf die Beschlussvorlage der Verwaltung zur Entscheidung im Rat ungewöhnlich. Sie wird seitens der Stadtverwaltung nicht weiter kommentiert. Die öffentliche Diffamierung von gewählten Mandats- und Amtsträgern sowie den Mitarbeitern der Verwaltung kann jedoch nicht akzeptiert werden.

Die Verwaltung hält auch nach der Eingabe von Herrn Cramer an dem Beschlussvorschlag fest, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Einzelhandel und Wohnen 77er Straße/Wehlstraße“ aufzuheben. Die entsprechenden Flächen sollen einer anderweitigen Verwendung zugeführt werden.

Seit Planungsbeginn im Jahr 2012 hat sich die städtebauliche Situation weiterentwickelt. Die Nahversorgungsmöglichkeiten werden sich durch neue Märkte verbessern, der Wohnraum-bedarf ist stark angestiegen und die Innenstadtentwicklung stagniert. Daher wird heute ein stärkerer Fokus auf die Innenstadt und deren weitere Belebung gelegt. Hier gilt es vorrangig, vorhandene Leerstände zu beseitigen und neue zu vermeiden. In der Realisierung des Vorhabens von Herrn Cramer befürchtet die Verwaltung eine starke Konkurrenzsituation zu innerstädtischen stationären Angeboten, bis hin zum Wochenmarkt.

Es hat in der Vergangenheit eine Vielzahl von Gesprächen zwischen Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, Verwaltung und Herrn Cramer gegeben. Der Vorwurf, es würden absichtlich Termine nicht wahrgenommen, ist nicht nachvollziehbar.

Da der Investor kurz vor Sitzungsbeginn noch einmal umfangreiche Unterlagen eingereicht hat, wollte die Stadtverwaltung dem Rechnung tragen. Entsprechend wurde der Tagesordnungspunkt abgesetzt. Die Verwaltung wird zeitnah neue Sitzungstermine anberaumen.“

Dr. Udo Hörstmann – Die Unabhähgigen

Die Bauausschusssitzung vom 29.8.2017 ist insbesondere für die anwesenden Zuhörer eine Sternstunde der Celler Kommunalpolitik gewesen. Herr Cramer sendet eine Mail ca. eine Stunde vor Beginn dieser Sitzung an die Ratsmitglieder mit z.T. falschen Behauptungen. Sein Ziel ist es gewesen, den Ausschuss zu verunsichern, in meinen Augen sogar zu erpressen. Dass die Mehrheit des Ausschusses sich so plump hat einfangen lassen, ist nicht nachvollziehbar.

Man stelle sich vor, dass Herr Cramer nun über fünf Jahre brauchte, um seine Vorstellung eines Einkaufszentrums an der 77er/Wehlstraße zu entwickeln. Der Zeitpunkt der mail ist von ihm und seinen ihn unterstützenden Gruppen in Celle wohl gewählt worden. Dies mag vordergründig aus taktischen Gründen ein gut gewählter Zeitpunkt gewesen sein, entlarvt sich aber selbst genau durch dieses Vorgehen. Herrn Cramer ist sicher länger bekannt gewesen, dass bereits vor den Sommerferien eine Sitzung stattgefunden hat, in der über das Projekt an der 77er/Wehlstr. gesprochen worden ist. So zu tun, dass er von der Vorgehensweise der Verwaltung und großen Teilen des Rates überrascht worden sei, ist unglaubwürdig.

Zu der Frage der städtebaulichen Ziele ist folgendes zu sagen. In den 90er Jahren ist von der Stadt ein städtebauliches Gutachten bei Herrn Prof. Spengelin in Auftrag gegeben worden, um genau diese Frage abzuklären.

Herr Prof. Spengelin ist ein anerkannter Städteplaner in Deutschland gewesen. Er hat davor gewarnt in der Nähe der Altstadt/Innenstadt Einkaufszentren zu etablieren, da diese die Innenstadt schwächen und gefährden würden. Es ist dann ein Bebauungsplan für das in Frage stehende Gelände erstellt worden, der bis zum Auftritt von Herrn Cramer vor mehr als 5 Jahren seine Gültigkeit nicht verloren hat. Dieser Bebauungsplan sieht eine Wohnbebauung vor und dieser sollte jetzt, wenn die Planung Cramer der Geschichte angehören sollte, auch zügig umgesetzt werden. Die Situation der Innenstadt hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert. Sie bedarf unserer höchsten Aufmerksamkeit. Davon zu sprechen, dass städtebauliche Ziele von heute auf morgen geändert worden seien, entspricht nicht der Wahrheit. Herr Cramer weiß dies sehr wohl.

Die ganz persönlichen Angriffe von Herrn Cramer gegen den Oberbürgermeister, wie z.B. angeblich nicht eingehaltene Terminabsprachen, interpretiere ich als letzten Versuch durch Halbwahrheiten doch noch zu retten, was zu retten ist. Neue sachliche Informationen hat die mail nicht enthalten.

Übrigens stellt sich die Frage, welchen Oberbürgermeister Herr Cramer eigentlich mit seinen Vorwürfen meint. Nur zur Erinnerung: zur Zeit von OB Mende standen wir schon einmal vor einer ähnlichen Situation wie heute wegen Unzulänglichkeiten auf Seiten von Herrn Cramer. Ich mache kein Hehl daraus, dass wir UNABHÄNGIGEN Bürger für Celle die Entwicklung eines Konkurrenzzentrums, ca. 200 m Luftlinie von der Innenstadt entfernt, von Anfang an abgelehnt haben und auch weiterhin zu unserer Meinung stehen.

Bleibt zu hoffen, dass jetzt schnell ein außerordentlicher Bauausschuss, eine Verwaltungsausschusssitzung und eine Ratssitzung einberufen werden, damit wir endlich für dieses Baugelände Klarheit bekommen.“

Stephan Ohl, Bündnis 90 / Die Grünen:

„Wir sagen weiter Ja zu Cramer! Das Schreiben legt nahe, dass sich die Verwaltungsspitze nicht kooperativ gezeigt hat; belegbar auch durch die Tatsache, dass der Stadtbaurat seit Ende Januar jeglichen Kontakt zum Investor vermied.

Das aktuelle CIMA Gutachten bestätigt den schon seit Jahren benötigten Vollsortimenter für die Bürger der Altstadt und vor allem der Blumlage. Diesen Wünschen tragen wir Rechnung. Die Verwaltung kann ihre städtebaulichen Bedenken nur mit Mutmaßungen begründen. Auch eine Verlagerung des Penny Marktes führt zu keinen neuen städtebaulichen Aspekten. Eine bedrohliche Konkurrenz für den Einzelhandel in der Altstadt war und ist völliger Unfug, zumal alle Details, die Warengruppen betreffend, immer mit der Fachverwaltung abgesprochen waren. Durch das innenstadtnahe Parkhaus findet eher eine Win-Win-Situation statt.

Wünschenswert ist gerade im Hinblick auf die schon angefallenen öffentlichen Planungskosten eine schnelle, einvernehmliche Lösung, um die Realisierung des Vorhabens noch zu ermöglichen. Wir brauchen keinen weiteren Investorenwettbewerb!“

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