"Land schafft Verbindung" nimmt Stellung zum Maßnahmenpaket "Der Niedersächsische Weg"

Wirtschaft Von Extern | am Sa., 11.07.2020 - 20:55

CELLE. Die Initiative niedersächsischer Landwirte "Land schafft Verbindung" nimmt Stellung zum Maßnahmenpaket für Natur-, Arten- und Gewässerschutz "Der Niedersächsische Weg":

Der grundsätzliche Gedanke dieser Absichtserklärung ist in unseren Augen nachvollziehbar und durchaus zu befürworten. In einem gemeinsamen Modell der ökologischen Notwendigkeit und dem gesellschaftlichen Wunsch nach zusätzlichen Naturschutzmaßnahmen gerecht zu werden, ohne die ökonomischen Aspekte außer Acht zu lassen. Vorangegangen ist den Gesprächen zur Erarbeitung des N-Weges eine Ankündigung des NABU Niedersachsen zusammen mit den Grünen, ein Volksbegehren Artenvielfalt durchführen zu wollen. Daraufhin haben Olaf Lies und Barbara Otte-Kinast direkten Kontakt mit Landvolk, Landwirtschaftskammer, NABU und BUND aufgenommen, um nach einer kooperativen und gemeinsamen Lösung als Alternative zum Volksbegehren zu finden. Diese einvernehmliche Lösung liegt nun in Form des Niedersächsischen Weges vor. Unterschrieben auch vom NABU.

Dennoch hat der NABU sein Volksbegehren gestartet und sammelt mit Hochdruck Unterschriften dafür. Dies ist völlig unverständlich und nicht zielführend. Zum anderen zeigt es sehr deutlich, dass in Wirklichkeit kein Interesse an einer kooperativen Lösung besteht, welche die Landwirte mit einbezieht. Vielmehr hat sich der NABU als Steigbügelhalter für den Wahlkampf der Grünen politisch instrumentalisieren lassen. Dies ist absolut inakzeptabel. 
Das Zustandekommen der Gespräche zum niedersächsischen Weg sind auch auf unser Wirken seit Oktober 2019 zurückzuführen. Umso unverständlicher ist es, dass wir, trotz unserer Erklärung „Wir bitten zu Tisch“, weder an den Gesprächen beteiligt, noch über die Ergebnisse informiert wurden. 

Die pauschale Schuldzuweisung, dass die Landwirtschaft Alleinverursacher des Artenrückgangs ist, lehnen wir entschieden ab. Vielmehr sehen wir die negativen Auswirkungen auf Flora und Fauna in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung. Die Landwirtschaft ist als Hauptflächennutzer in der Lage, dies zu kompensieren. Wir sind auch gerne bereit dies zu tun. Wir sehen uns dort als Dienstleister, die auf freiwilliger Basis die gesellschaftlich verursachten Auswirkungen 

Dazu könnte relativ leicht eine Gebietskulisse ausgewiesen werden, in denen sich dann Landwirte frei entscheiden können, ob und welche Maßnahmen sie in welchem Umfang umsetzen. Natürlich gegen entsprechenden Ausgleich, wie er ja schon im niedersächsischen Weg festgelegt ist. Vertragsnaturschutz. Jeder kann, keiner muss. Die Ziele einer jeden Maßnahme müssen vor der Durchführung klar definiert werden und regelmäßig auf Wirksamkeit überprüft werden. Wenn nötig, sind Anpassungen vorzunehmen. Dann, und wirklich nur dann, sind wir uns sicher, dass dieser Weg auch in der breiten Masse der Landwirte mitgetragen werden kann und letztendlich zu einem großen Erfolg werden. Stattdessen wird hier auf Verpflichtungen gesetzt, die früher oder später ordnungsrechtlich relevant werden. Zudem besteht in vielen Dingen noch erheblicher Klärungsbedarf. Etliches ist nicht klar definiert. Die Finanzierung ist nur kurzfristig gesichert. Drei Jahre mögen für Politiker, für die 2024 bereits in der nächsten Legislaturperiode liegt langfristig klingen. Für uns Landwirte sind drei Jahre hingegen sehr kurzfristig. 

Bei aller Notwendigkeit des Schutzes und dem Erhalt der Natur darf die eigentliche Aufgabe der Landwirtschaft in unserem Land nicht aus den Augen verloren werden. Die Sicherung der Ernährung von über 80 Millionen Menschen. Selbstverständlich so nachhaltig und umweltschonend wie irgend möglich. Im Internationalen Vergleich können wir dieses bereits überdurchschnittlich gut. Und wir werden immer besser. Auch und gerade durch technischen Fortschritt, neue Züchtungen und immer verträglichere Pflanzenschutzmittel. Durch eine Extensivierung hier vor Ort erhöht sich zwangsläufig die Importabhängigkeit im Bereich Lebensmittelversorgung. Diese kommen dann aus Regionen wo wir direkt keinen Einfluss auf die Bedingungen haben, unter denen sie erzeugt werden. Häufig geschieht dies auf ehemaligen Regenwaldflächen oder durch Lebensmittelkonkurrents mit dritte Welt Staaten. Aber dann sehen wir ja nicht mehr täglich die Auswirkungen unserer Art zu leben. Aus den Augen, aus dem Sinn? Naturschutz darf nicht an den Landesgrenzen aufhören! 

Als ob dies noch nicht genug wäre, wird immer häufiger in Kampagnen von politischen Kräften sowie NGOs unser rechtskonformes Verhalten derart kriminalisierend an den Pranger gestellt, dass selbst den bereitwilligsten Landwirten die Motivation und Bereitschaft verloren geht, sich weiterhin freiwillig in Naturschutzprojekte einzubringen, geschweige denn neue Kooperationen einzugehen. Zusammenfassend für uns ein weiteres Beispiel, wie durch kurzsichtiges und selbstsüchtiges Denken und Handeln aus einer guten Idee, etwas gemacht wird, welches am Ende alles nur noch schlimmer macht. Schade.